Grace Cummings hat mit „Bloodhorse!“ ihr viertes Album vorgelegt. Die opulent geratene Art-Pop-Platte ist dabei eine mutige Reise durch die Ängste, Bekenntnisse, Hoffnungen und Albträume einer der renommiertesten zeitgenössischen Künstlerinnen Down Unders.
Ein Bloodhorse ist ein Pferd, von dem man erwartet, dass es ein Sieger ist. „Aber oft können sie auch launisch, ängstlich, zerbrechlich und leicht zu brechen sein. Manchmal fühle ich mich wie ein gefangenes Tier. Und … wenn ich schlafen gehe, ist es manchmal, als stünde ich in der Startbox und zuckte vor Nervosität. Und sobald ich die Augen öffne, renne ich verdammt noch mal los“, erklärt Grace Cummings ihren durchaus griffigen Albumtitel.
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Von der Leine gelassen, hat Cummings gerade ihr viertes Album vorgelegt. Den Nachfolger des gefeierten Longplayers „Ramona“ aus dem Jahr 2024. Wieder hat die Australierin, die für ihre einzigartige, ab und an theatralisch anmutende Stimme bekannt ist und gern mit Kollegen wie Nick Cave, Aldous Harding oder Angel Olsen verglichen wird, dabei mit dem Produzenten Jonathan Wilson (Father John Misty, Angel Olsen, Margo Price) aufgenommen. Wieder im Topanga Canyon, Kalifornien.
Zwischen wunderschön und grotesk
Ging es auf „Ramona“ um Themen wie Trauer, Selbstzerstörung und emotionale Gewalt, durchziehen nun Themen wie Leben, Tod, Selbstbestimmung, Missbrauch und Selbstreflexion – sowohl psychisch als auch physisch – die Texte von „Bloodhorse!“. Cummings schwankt zwischen Wunderschönem und Groteskem, zwischen Samt und Gewalt, zwischen Heiligem und Profanem.
„In den letzten Jahren habe ich eine der größten persönlichen Veränderungen meines Lebens durchgemacht“, sagt Cummings. „Bloodhorse! ist ein Versuch, die Dinge auszudrücken, die ich nicht sagen kann. Ein Geständnis, ein Akt des Mutes. Für niemanden außer mir. Und ich entscheide mich dafür, nicht unbedingt das Leben so darzustellen, wie es ist, sondern so, wie es sich anfühlt.“
Musikalisch setzt Cummings auf bebende Synthesizer, angespannte Streicher und Grooviness. Das Ganze natürlich in Verbindung mit ihrem Händchen für eingängige Melodien. Insgesamt geht es etwas experimenteller zu als auf der Vorgängerplatte. Ein einnehmender Mix aus Pop, Folk, Soul, Rock, Psychodelia und Country.
Schon der Opener „The Hills Are Alive With the Sound of Morphine“ zieht einen mit seinem Bass und diesen wunderbaren Streichern und Bläsern direkt rein. Auch das eindringliche „My God“ bleibt haften, ein Piano-Titel, bei dem Cummings’ tiefe Stimme besonders gut zur Geltung kommt. Dem Vernehmen nach litt sie während der Aufnahme dieses Songs übrigens an einer Lungenentzündung. Viel gehaucht wird auch auf „I’m Not Crazy“, einem akustischen, sehr relaxten Titel. Die Ballade „My Island and Me“ (die Fuzzgitarre!) ist ein Glanzlicht, das zerbrechliche „Paradise“ ebenso. Und natürlich „Witch! Witch! Witch!“, das auch durch seinen Saxofon-Part überzeugt.
Keine Frage: Dem großen Wurf „Ramona“ hat Cummings einen weiteren folgen lassen.
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