Endlich auch „offiziell“ veröffentlicht: Mit dem Release des neuen Live-Albums „Roots, Rock, Reggae: Live At The Hammersmith Odeon“ können Bob-Marley-Fans zum ersten Mal die Magie dieser bahnbrechenden und begehrten Konzerte erleben.
Wenn von Musik-Ikonen die Rede ist, also Künstlern, die stellvertretend für ein ganzes Genre stehen, dann fällt zwangsläufig auch der Name von Bob Marley. Der Jamaikaner ist nicht nur Mitbegründer der Reggae-Bewegung, sondern bis heute auch ihr namhaftester Vertreter. Auch 45 Jahre nach seinem Tod konnte ihn noch niemand vom Reggae-Thron stoßen.
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Ab 1963 war Bob Marley ein Teil der Wailers, die zunächst – vom Ska beeinflusst – ein regionales Phänomen blieben. Als sie an der Schwelle zu den Siebzigern damit begannen, auch Elemente jamaikanischer und afrikanischer Musik in ihre Kunst zu verweben, änderte sich das. Hier wurden die Grundlagen gelegt für das, was man später Roots Reggae nennen sollte. Damit zog die Gruppe auch international Aufmerksamkeit auf sich. Ab dem Album „Catch a Fire“ (1973) ging es steil nach oben.
Mit Leidenschaft und Präzision
Als Bob Marley & The Wailers also vom 15. bis 18. Juni 1976 als Headliner im Londoner Hammersmith Odeon spielten, um den zweiten Teil ihrer „Rastaman Vibration“-Tour zu eröffnen, waren sie also schon wer. Dennoch waren diese Konzerte ein riskanter Schritt. Die Ticketanzahl betrug das Fünffache einer üblichen Wailers-Show. Die Band ließ sich nicht beeindrucken. Sie performte vor ausverkauftem Haus. Mit unbändiger Leidenschaft und Präzision.
Die Residency erwies sich als Wendepunkt für die Gruppe. Zwei Jahre zuvor, nur wenige Monate nachdem Eric Clapton mit Marleys Song „I Shot The Sheriff“ in den USA Platz 1 erreicht hatte, veröffentlichte Bob Marley mit „Natty Dread“ (1974) ein bedeutendes Album. „Live!“, aufgenommen im Londoner Lyceum Theatre, war Ende 1975 ebenso ein Meileinstein. Natürlich unterstützt durch die Konzertversion von „No Woman, No Cry“, die Anfang 1976 die britischen Top 20 erreichte. Diese wachsende Dynamik trug Marley zur gefeierten Konzertreihe im Juni im Londoner Hammersmith Odeon. In den folgenden Wochen wurde „Rastaman Vibration“ sein erstes Album, das es in die US-Top-10 schaffte.
Mitschnitt erstmals komplett veröffentlicht
Doch abgesehen von einer unvollständigen Raubkopie blieb die Frage, ob es Aufnahmen dieser Auftritte gab, lange Zeit unbeantwortet. Schließlich war „Live!“ erst sechs Monate zuvor erschienen. Zugriff auf Bänder aus den Island-Archiven, die im Laufe der Jahre auf verschiedene Standorte verteilt worden waren, ermöglichte erst kürzlich die Zusammenstellung des vollständigen Erlebnisses.
„Roots, Rock, Reggae: Live At The Hammersmith Odeon“ vereint nun die besten Darbietungen jedes Songs aus vier Konzerten, die vom 15. bis 18. Juni 1976 aufgenommen wurden. Die Tracklist besteht aus 18 Titeln. Die Konzerte gleichen einer fast spirituellen Erfahrung. Ob es heute noch möglich ist, einen Vibe zwischen Künstler und Publikum zu erzeugen wie auf dieser Platte? Die Tatsache, dass Marley etwas angeschlagen klingt, verstärkt das Erlebnis irgendwie noch, es klingt, als würde ein Mann für sein Publikum wirklich alles geben.
Zu den Glanzlichtern zählen die Rarität „Bend Down Low“, die nur am letzten Abend der Hammersmith-Reihe gespielt wurde und noch aus der Rocksteady-Phase der Kapelle stammt. Auch die ausgedehnte, neu in die Setlist aufgenommene Version von „Crazy Baldhead“ gefällt. Die improvisierte, von tiefen Bässen geprägte Interpretation von „Lively Up Yourself“ überrascht – und das Finale haut einen einfach um: eine aufschlussreiche 30-minütige Zugabe, unterbrochen von einem erschütternden „War“ und einem intensiven, 12-minütigen „Get Up, Stand Up“, in dem Bob einen Aufruf zum Tanzen mit einer Bitte um Einheit verbindet. Großes Kino. Heute wissen wir: Wenige Monate später wurde auf Marley in seiner Heimat Jamaika ein Anschlag verübt.
Auch optisch macht das Album etwas her. Das Cover-Design erscheint zunächst „seitlich“, lässt sich aber zu einem Ganzkörperfoto von Bob in seiner Performance-Trance ausklappen. Dazu gibt es Konzertfotos, bedruckte Hüllen und ein neues Essay von Don Letts, einem langjährigen Vertrauten und Weggefährten Marleys, alias „The Rebel Dread“, der seine persönlichen Erinnerungen an die Konzertreihe beschreibt. Alle Elemente sind sowohl in dem 2-LP-Set, das auf schwerem 180-Gramm-Vinyl erscheint, als auch in der 2-CD-Edition enthalten.
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