Mit „Zombie“ haben The Cranberries einen elementaren Beitrag zum Soundtrack der 1990er Jahre geleistet. Ein Song für die Ewigkeit. Eine Ikone. Auch auf „Live at the London Astoria II, 1994“ dem neuen Live-Release der Band ist er zu finden. Die Aufnahme dieses Auftritts galt als verschollen und wurde erst neulich wiederentdeckt.
Wenn eine Band auf einen Schlag bekannt wird, sieht das immer so aus, als sei der Erfolg über Nacht gekommen. Als wäre er einem zugefallen. Das blendet die harte Arbeit aus, die eine Band im Vorfeld in ihre Karriere gesteckt hat. Wie bei The Cranberries. 1994 war die Band plötzlich in aller Munde, ihr Hit „Zombie“ machte die Iren zu internationalen Stars. Dabei gab es die in Limerick gegründete Kapelle da schon seit fünf Jahre. 1989 in Limerick gegründet, war die Band erst fünf Jahre später, 1994, mit Album Nummer zwei, ein weltweites Phänomen.
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Das Fenster zwischen dem von Kritikern gefeierten Debütalbum „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?“ (1993) und ihrem internationalen, kommerziellen Durchbruch mit „No Need To Argue“ (1994) war eine elementar wichtige Zeit für die Band. Den UK-Erfolg des Erstlings im Rücken, das die Charts im Vereinigten Königreich anführte und die Hits „Linger“ und „Dreams“ gebar, spielte die junge irische Band vor einem kleinen, aber begeisterten Publikum im legendären Londoner Astoria II.
„Ein unglaubliches Gefühl“
Frisch von einer Stadiontournee in den USA zur Unterstützung ihres Debütalbums – als Vorband von Duran Duran – kehrten The Cranberries für dieses besondere und intime Konzert zu einem kleineren Rahmen zurück. Gerade mal 1000 Fans wohnten dem Gig bei, schon bald sollten die Hallen, in denen die Band zu erleben war, größer werden.
„Es war ein unglaubliches Gefühl, im Astoria zu spielen“, erinnert sich Schlagzeuger Fergal Lawler. „Wir waren gerade aus den USA zurückgekehrt und hatten uns über Weihnachten eine kleine Auszeit gegönnt. Das war unser erstes Konzert in London nach unserem großen Erfolg in Amerika. Wir haben uns riesig gefreut, einige unserer treuesten Fans ganz vorne vor der Bühne zu sehen – ich glaube, wir waren stolz darauf, dass sich all unsere harte Arbeit endlich ausgezahlt hatte.“
Was die Live-Platte zu bieten hat
„Live At The Astoria II, 1994“ umfasst 15 Live-Aufnahmen, die Spielzeit beträgt 65 Minuten. Der Sound ist für ein Audio-Dokument aus der Zeit weitestgehend sauber. Der Mitschnitt enthält dabei sieben Titel aus dem Debüt, darunter „Pretty“, „Linger“ und „Dreams“. Klingen – durchaus gewollt – ein bisschen rauer als auf den Studioversionen.
Dazu kommen sechs Titel aus dem Nachfolger „No Need To Argue“, darunter „Dreaming My Dream“, „Daffodil Lament“, „Empty“ und natürlich „Zombie“. Spannend zu sehen, wie zurückhaltend der damals noch unbekannte Song zunächst aufgenommen wurde, ehe die Band am Ende aber das Publikum damit total im Sack hatte. Sieben Monate später wurde die Single veröffentlicht und erreichte weltweit Spitzenplätze in den Charts in Australien, Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland und Island sowie Platz eins der Billboard Modern Rock-Charts in den USA. Mit derzeit über 1,8 Milliarden Aufrufen auf YouTube ist der Song bis heute einer der weltweit meistgestreamten Songs der 1990er Jahre.
Außerdem enthält die Platte zwei Titel, die nicht auf einem Studioalbum erschienen sind – „Liar“, das ursprünglich auf dem „Empire Records“-Soundtrack (1995) veröffentlicht wurde, und „So Cold In Ireland“, eine B-Seite ihrer Single „Ode To My Family“.
Die Band zeigte sich damals in fantastischer Verfassung. Sängerin Dolores O’Riordan, mittlerweile leider verstorben, hatte das Publikum von Beginn an in der Hand. Ihre Stimme vermochte es wie keine zweite Emotionen zu transportieren. Gerade ihre Darbietungen von „Daffodil Lament“ geht unter die Haut. Überraschend, wie viel sie mit dem Publikum auch spielte. Bei „Linger“ darf es den Refrain übernehmen.
Und so ist die Platte ein wichtiges Zeitdokument, dass nicht nur eine der legendärsten Bands der 1990er Jahre im Aufblühen verewigt, sondern auch einem renommierten Konzertclub ein Denkmal setzt. Im Januar 2009 wurde dieser leider für den Bau einer Bahnstrecke abgerissen.
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