Die Prinzen in Mannheim (foto: Fiege)

Live: Die Prinzen in Mannheim – Mit Orchester auf Tour

Man gönnt sich ja sonst nichts: Die Prinzen präsentieren zum 35. Bandgeburtstag ihre Hits in einem neuen, symphonischen Gewand. Mit ihrer „Symphonica“-Tour waren sie am Montag im Mannheimer Rosengarten.

Sie wissen, was sie ihr zu verdanken haben: Annette Humpe war die Erfinderin des Prinzen-Sounds. Dem Zutun der Produzentin war es seinerzeit zu verdanken, dass die Leipziger A-cappella-Band zum Pop fand – und damit ihren großen Durchbruch schaffte. Dass die Prinzen zum ersten gesamtdeutschen Pop-Phänomen wurden, ist vor allem Humpes Verdienst. Die Prinzen lernten auf die harte Tour, was sie an der großen Dame der deutschen Popmusik hatten, als sie 1996 statt mit ihr mit Stefan Raab am Album „Alles mit’m Mund“ arbeiteten. Die Platte floppte, der Höhenflug  der Gruppe war vorbei – und der Hype um die Band auch.

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Schnee von gestern. Heute, hier und jetzt, weiß die Band, was sie an Annette Humpe hatte. Und dass die in die Setlist ihres Konzerts auch den Song „Blaue Augen“ packte, ist durchaus als Hommage an die Produzentin zu verstehen. Sicher, die Nummer findet sich auf dem Prinzen-Album „Alles nur geklaut“, ist aber ein Titel, den man doch eher mit den Humpe-Bands Neonbabies und Ideal verbindet. Die Darbietung mit Orchester: eine gelungene Verbeugung vor der früheren musikalischen Partnerin.

Pop mit Orchesterbegleitung

Stichwort Orchester. Die Prinzen teilen sich an diesem Abend die Bühne mit dem renommierten Orchester der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach. Die Gruppe hat zum Bandjubiläum ihre großen und kleineren Hits nämlich in ein edles Symphonie-Gewand gesteckt. Für die Arrangements war Prinzen-Mitglied Wolfgang Lenk verantwortlich, der, wie sein Bandkollege Tobias Künzel auf der Bühne im Rosengarten verrät, der einzige in der Band sei, der wirklich etwas von Musik verstehe. 

Momentan scheint das wieder schwer angesagt unter Pop- und Rock-Bands zu sein, die eigenen Evergreens mit Orchester auf die Bühne zu bringen. Robbie Williams und Alphaville beispielsweise  haben das in jüngeren Jahren getan und sind damit in die Fußstapfen von Elvis Presley, Deep Purple, Def Leppard oder Metallica getreten, die damit in der  Vergangenheit große Erfolge feierten.

Auftakt zur „Symphonica“-Tour

Eine Kooperation zwischen Band und Orchester ist immer so eine Sache. Einerseits kann die Zusammenarbeit durchaus spannend sein, andererseits aber auch größenwahnsinnig und selbstverliebt wirken. Bei den Prinzen musste man sich da allerdings keine Gedanken machen. Sicher, das hat schon eine gewisse Imposanz, wenn sich da am Ende 50 Musiker die Bühne teilen. Die Band ist aber humorvoll und selbstironisch genug, um sich selbst und ihr Œuvre nicht allzu ernst zu nehmen. Die Prinzen sind nicht von sich selbst ergriffen. Wir reden hier schließlich von einer Kapelle, die eines ihrer Best-Of-Alben  „Es war nicht alles schlecht“ genannt hat.

Das Konzert in Mannheim war der Auftakt zur „Symphonica“-Tour, das Zusammenspiel mit dem Orchester funktionierte aber schon recht reibungslos. Die Prinzen bringen in der Zusammenarbeit mit Orchestern ja auch schon eine gewisse Erfahrung mit, in den Zehnerjahren waren sie immer wieder mal mit Symphonieorchestern auf Tournee. Scheint wie Fahrradfahren zu sein: verlernt man nicht.

Eo, eo

Natürlich gewinnen die Songs der Band durch die Orchester-Begleitung an Imposanz. Und natürlich sind es vor allem die großen Hits wie „Millionär“, „(Du musst ein) Schwein sein“, „Gabi und Klaus“, „Küssen verboten“ oder „Alles nur geklaut“, die – neues Arrangement hin oder her – die Zuschauer von ihren Sitzen reißen. Die heimlichen Highlights sind dann aber doch auch eher unbekanntere Nummern wie „Abgehau’n“, die man nochmal völlig neu für sich entdeckt.

Eine wichtige Botschaft: Auch nach 35 Jahren haben Sebastian Krumbiegel, Tobias Künzel, Wolfgang Lenk, Jens Sembdner, Henri Schmidt, Mathias Dietrich und Alexander „Ali“ Zieme offenbar immer noch Spaß an der Sache. Und das Publikum auch.

Eo, eo. 

Dass es die Band immer wieder schafft, Humor mit gesellschaftskritischen Inhalten zu verbinden, dürfte da eine große Rolle spielen. 

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