Die Sterne strahlen auch nach 30 Jahren hell: Auf „Wenn es Liebe ist“ klingt die Band so spannend und überraschend wie schon lange nicht mehr.
Es hat sich personell viel getan bei den Sternen in den vergangenen 30 Jahren. Alle zehn Jahre häutet sich die Band. Alte Mitglieder gehen, neue kommen hinzu. Einzige Konstante: Frank Spilker, seit Anfang an dabei. Der Ur-Stern. Dyan Valdés (Keyboard, Gesang), Jan Philipp Janzen (Drums) und Phillip Tielsch (Bass) sind die „Neuen“ an seiner Seite. Nach „Hallo Euphoria“ (2022) ist „Wenn es Liebe ist“ nun das zweite Album, das in dieser neuen Konstellation eingespielt wird. Eine Konstellation, die wie Spilker sagt, gar nicht anders kann als kreativ zu sein, wenn sie sich gemeinsam in einem Raum wiederfindet. Ein Gefühl, das er mit den alten Kollegen am Ende nicht mehr hatte.
anzeige
Mit „Wenn es Liebe ist“ – insgesamt Studioalbum Nummer 13 – zeigen Die Sterne, warum man sie seit 30 Jahren zu den wichtigsten Stimmen im deutschsprachigen Pop zählt. Auf dem neuen Longplayer beweisen sie wieder ein Näschen für gelungene Gesellschaftsbeschreibungen, garniert mit politischem Witz und lyrischer Schärfe.
Das kann die neue Platte
Musikalisch liefern die Sterne ihren gewohnten Indie-Pop ab, trauen sich dabei aber auch ein paar Überraschungen zu. So gibt es neben deutschen Texten auch englischsprachige Songs, ein bisschen Post-Punk ( siehe „Ändern wir je den Akkord“) – und auf zwei Stücken übernimmt Dyan Valdés den Leadgesang von Frank Spilker. Statt wie die hundertste Wiederholung klingt das Album wie ein Neuanfang.
Zu den Glanzlichtern des Albums gehört etwa das vorab als Single veröffentlichte, energetische „Ich nehme das Amt nicht an“, das mit einem prägnanten Riff und einem treibenden Beat daherkommt. Spilker hat da bei Jack White und T. Rex genau hingehört. Die von Spilker so getaufte “Riff-Rock”-Nummer rückt die Renaissance des Irrationalen in den Fokus: Argumente zählen in Debatten nichts mehr, Fakten auch nicht, Zuspitzungen münden in Gewalt. Ein Song zur Zeit. Pop mit Haltung.
Die Glanzlichter
Auch der Titelsong bleibt haften. „Wenn es Liebe ist“ klingt zunächst wie ein Lovesong, eigentlich geht es hier aber auch hier um die radikalen Verschiebungen im öffentlichen Diskurs. Der Song beschreibt diese Entwicklung als einen Akt der Gewalt und deutet an, dass sie in letzter Konsequenz Kriegspropaganda den Weg ebnet.
Dyan Valdés verarbeitet Gewalterfahrungen in einer toxischen Beziehung im unter die Haut gehenden „Open Water“. Ein überaus eindringliche Nummer. Auch in „Fan Von Irgendwas“ darf die Keyboarderin der Sterne vorne ans Mikro. Gern mehr davon.
Das zehnminütige Instrumental „Immer noch sprachlos“, das stark an Neu! erinnert, steht den Sternen gut zu Gesicht. Ebenso wie das bilanzierende „Ich habe nichts gemacht (außer weiter)“ und das eingängige „Es war nur ein Traum“ – beides Highlights, beide in ihrer Machart sehr traditionelle Sterne-Songs.
Zur Veröffentlichung gehen Die Sterne übrigens auf große Tour, die sie im Frühjahr 2026 durch Deutschland, Österreich und die Schweiz führt – inklusive eines besonderen Konzerts mit dem Filmorchester Babelsberg in Potsdam.
anzeige



