„Geht’s noch?“ – Eine Frage, die man in diesen Zeiten ständig auf den Lippen hat, die man so vielen Zeitgenossen so gerne an den Kopf werfen würde. Sie ist auch der Titel des neuen Albums von Ansa Sauermann. Dieses kommt als musikalische Gesellschaftsdiagnostik daher, will dabei aber nicht moralisierend sein. Große Bögen, explosiver Garagenrock, gewaltige Refrains: Der Rock’n’Roll des Ansa Sauermann will stürmische Befreiungsmusik sein. Reinhören lohnt sich – und reinlesen. Und zwar in diese My-Soundtrack-Ausgabe, die der gebürtige Dresdner mit uns auf die Beine gestellt hat.
Willkommen in Deutschland – Die Toten Hosen
Ich bin mit den Toten Hosen groß geworden. Meiner Mutter war und ist der größte Hosen-Fan, den man sich vorstellen kann und ich bin von klein auf immer mit dabei gewesen. In meiner Schule in Dresden-Plauen gab es genau drei Neonazi-Kinder, die auch keinen Hehl daraus gemacht haben und immer nur unter sich waren. Irgendwann sollten alle im Musikunterricht einen Song vor der Klasse singen. Ich haben diesen hier gesungen, da zwei von diesen armen Teufeln in meiner Klasse waren. Eine große Genugtuung für mich damals.
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Is This It – The Strokes
Ein Typ Namens Till ist in der Schule in der 10. sitzen geblieben und kam dann in meine Klasse. Er war Drummer, wir wurden schnell sehr gute Freunde. Er nahm mich mal mit auf eine Party von seiner neuen Freundin. Immer wenn ich dieses Lied höre, bin ich direkt wieder in dieser dunklen, verrauchten Küche einer Studenten-WG Party (extrem cool – ich war ja noch Schüler) und sehe die beiden in der Ecke auf dem Boden sitzen und knutschen. Auf seinem Drumset habe ich Schalgzeugspielen gelernt. Cheers, Till!
Walk the Line – Johnny Cash
Wegen diesem Song bin ich so ein bisschen weg von den Hosen und den Ramones und dann in Country/ Folk & Blues reingekippt. Vor allem Johnny Cash, dann aber auch Bob Dylan und Leonhard Coen. Wegen Johnny habe ich angefangen, Songs zu schreiben. Meine ersten Demos waren Country-Songs, Liebeslieder im Cash-Style.
A Hard Rain’s A Gonna Fall – Bob Dylan
Wegen ihm hatte ich die erste große Lyrics-Schreibkrise – wie soll es anders sein. Einfach weil man nicht rankommt an ihn. Hahaha, ja man hat das mal versucht und irgendwie vielleicht auch geglaubt, das das geht.
… where black is the color and none is the number“
– lange Zeit meine Lieblingszeile.
Seeing Things – Black Crowes
Während eines LSD-Trips habe ich zu diesem Song alles abgeschüttelt. Mich irgendwie freigetanzt. Manchmal ist es schön, ein Klischee zu sein.
Denk was du willst, nur denk dabei an mich – Steiner und Madlaina
Zu diesem Song habe ich mich verliebt. Die Art wie es gesungen ist, der Text, die Harmonien, es stimmt einfach alles.
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