Jennifer Warnes - Another Time, Another Place (foto: bmg)

Jennifer Warnes – Another Time, Another Place

Erscheinungsdatum
Mai 24, 2018
Label
BMG/Warner Music
Unsere Wertung
7
Anspieltipps
Just Breathe
Tomorrow Night
Back Where I Started
Why Worry
7
Wunderbar entspannt.
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Comeback mit 71 Jahren: 17 Jahre nach ihrem letzten Album „The Well“ veröffentlicht Jennifer Warnes mal wieder einen neuen Longplayer. „Another Time, Another Place“ ist bei BMG erschienen und ist eine Verneigung vor Songwritern, die Warnes schätzt.

Jennifer Warnes im Schnelldurchlauf. Mit 20 Jahren nahm die Gute mit der berühmten Wrecking Crew ihr Debütalbum auf und bekam eine Rolle in der Hit-TV-Show „The Smothers Brothers Comedy Hour“. 1971 traf sie Leonard Cohen und ging mit ihm auf Tour. Es war der Beginn einer engen Freundschaft mit dem kanadischen Poeten. Weitere Touren, gemeinsames Songwriting und gemeinsame Aufnahmen folgten. In den achtziger Jahren dann die großen Erfolge: Zweimal erklomm Warnes Platz eins der Charts. Einmal mit Joe Cocker (“Up Where We Belong”, aus dem Kinofilm “Ein Offizier und Gentleman”), was den beiden einen Grammy, einen Golden Globe und einen Oscar für den Besten Filmsong einbrachte. Dann mit Righteous-Brother Bill Medley und „(I’ve Had) The Time Of My Life“ aus dem Film „Dirty Dancing“, das ihr ebenfalls den Grammy, den Golden Globe und einen Oscar bescherte. Zuvor hatte die Gute 1979 schon für den Song „It Goes Like It Goes“ aus dem Film „Norma Rae“ einen Oscar gewonnen. Damit zieht sie mit drei Oscars mit Frank Sinatra gleich – nur Bing Crosby hat diesen Preis häufiger eingeheimst.

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Das letzte veröffentlichte Album von Warnes ist „The Well“ aus dem Jahre 2001. Seitdem hat sie vereinzelt an ausgewählten Soundtracks gearbeitet, ebenso an Tribute-Alben oder bei Projekten ihrer Freunde. Für sich selbst, so heißt es, sah sie keinen Platz mehr in der jetzigen Musikindustrie. „Ich dachte, ich werde nie wieder etwas aufnehmen. Die Branche war im Wandel, die Plattenläden wurden nach und nach geschlossen, Labels wurden geschluckt und niemand wollte sich Umstände machen, mit irgendeinem Girl, das einen Traum hat“, so Warnes. Und weiter: „Dann starben in kurzer Zeit meine Mutter, meine Nichte und meine zwei Schwestern und mein Manager hatte einen tödlichen Autounfall. Meine halbe Familie war nicht mehr da. Ich wurde still für eine sehr lange Zeit. Und dann habe ich Roscoe angerufen und gesagt ‚Lass uns ein Album machen‘.“

Viele gute Musiker mit am Start

Die Rede ist von Roscoe Beck, den früheren Bassisten und Musical Director von Leonard Cohen. Warnes heuerte ihn für ihr neues Machwerk als Co-Produzenten an. Die beiden trafen sich das erste Mal auf einer gemeinsamen Tour mit Cohen 1979 und schufen ihren 1987er Meilenstein „Famous Blue Raincoat“ sowie das 1992er Album „The Hunter“. Nicht der einzige gute Musiker, der Warnes bei „Another Time, Another Place“ unter die Arme griff. Mit dabei sind etwa Schlagzeuger Vinnie Colaiuta (Frank Zappa, Sting), Perkussionist Lenny Castro (Steely Dan, Toto), Jeff Plankenhorn (Joe Ely, Ray Wylie Hubbard), Sängerin Blondie Chaplin (Brian Wilson, The Rolling Stones), Sonny Landreth und Rudie Foster.

Beck, so heißt es im Waschzettel zum Album, richtete ihr ein Zimmer ein in seinem Haus in Austin und Warnes zog zu ihm. Sie wollte nicht, dass das Album düster wird. „Ich habe so viel Trauer gesehen. Ich wollte etwas machen, um mich besser zu fühlen, etwas, das anderen dabei helfen würde, sich besser zu fühlen. Diese Art von Medizin fällt nicht vom Himmel. Es ist manchmal sehr schwer Erlösung zu finden. Wenigstens hat man dieses Album an traurigen, dunklen Tagen immer griffbereit.“

Mit Mary Martin (Bob Dylan, Leonard Cohen, Emmylou Harris) wählten Warnes und Beck die finalen zehn Songs für „Another Time, Another Place“ aus. Es sind allesamt Stücke namhafter Songwriter wie Mickey Newbury, Mark Knopfler, John Legend, Warren Haynes, Derek Trucks oder Eddie Vedder. Und allesamt Stücke, die Hoffnung spenden. Der Opener, die Pearl-Jam-Nummer „Just Breathe“, ist denn vielleicht die größte Überraschung auf diesem Album. Er funktioniert auch in dieser, etwas süßlicheren Variante. Ebenfalls sehr hörenswert: das Cover des eingängigen Blues-Songs „Tomorrow Night“, den seinerzeit auch Lonnie Johnson, Elvis Presley und Bob Dylan interpretierten. Warnes reiht sich in diese illustre Riege ein, sie fügt dem Lied keinen Schaden zu. Auch die groovige Trucks-Haynes Nummer „Back Where I Started“ bleibt im Ohr.

Verneigung vor den Dire Straits

Ebenfalls ganz nett: „Once I was Loved“, ein Song aus der Feder von John Legend und Marcus Hummon, der mit dem Tosca String Quartet entstanden ist, arrangiert von Stephen Barer. „I Am The Big Easy“ ist von Ray Bonneville, ein Tribute an New Orleans und seinem leichten und doch dickem Sound. Ein weiteres Hummon-Original ist „Freedom“ und erzählt von unserer zerbrochenen Welt“, bringt es Warnes auf den Punkt.

Das Album schließt mit einem Stück Mark Knopfler: dem wunderbaren „Why Worry“ aus dem Dire Straits-Album „Brothers In Arms“. Ein gelungener Abschluss, der die gleiche Message rüber bringt wie der Pearl-Jam-Opener „Just Breathe“: das Lachen nach den Tränen. Warnes hat es wiedergefunden.

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