Vor uns das Meer

Vor uns das Meer (foto: studiocanal)

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Es ist die (wahre) Geschichte eines Mannes, der unbedingt berühmt werden wollte. Einer, der seinem Leben unbedingt Bedeutung verleihen wollte. Koste es, was es wolle: Das britische Abenteurer-Drama “Vor uns das Meer”, inspiriert von der Lebensgeschichte des kontroversen Donald Crowhurst, liegt nun fürs Heimkino vor.

Der Amateursegler und strauchelnde Geschäftsmann Donald Crowhurst (Colin Firth) hat Großes vor. Er tritt 1968 beim Sunday Times Golden Globe Race an, um allein und ohne Zwischenstopp die Welt zu umsegeln. Und das mit einem selbst entworfenen, aber noch unfertigen Boot. Seine Hoffnung: durch das Preisgeld seine kriselnde Firma zu retten und seiner Familie so ein besseres Leben zu ermöglichen. Crowhurst sticht in See und lässt seine Frau Clare (Rachel Weisz) und die gemeinsamen Kinder zurück. Er stürzt sich damit in ein Abenteuer, das Geschichte schreiben wird. Schnell liegt der Gute aber weit hinter den anderen Teilnehmern zurück. Nun ist Kreativität gefordert – und eine gewisse Skrupellosigkeit …

Nein, es ist nicht das erste Mal, dass die tragische Crowhurst-Geschichte verfilmt wird. Seit 1970 versuchen sich Regisseure aus aller Welt in unregelmäßigen Abständen an von Crowhurst direkt oder indirekt inspirierten Erzählungen. Nun also James Marsh. Der überrascht zunächst mit seiner Entscheidung, Colin Firth zu besetzen. Dieser hat ja gemeinhin eher die Ausstrahlung eines Winner-Typen, ist einer, den man auf der Leinwand schnell sympathisch finden kann. Er liefert hier eine seiner besten Leistungen seit Jahren ab, man bekommt sogar so etwas wie Mitgefühl für den großen Scharlatan Crowhurst. Marsh bietet Firth für seine Performance das perfekte Setting, der Druck, die Einsamkeit, die Crowhurst in seiner langen Zeit allein auf dem Boot gefühlt haben muss, kommen ganz gut rüber. Der Mann hat einen Kampf mit seinen Dämonen geführt – und verloren. Aber obwohl handwerklich keine eklatanten Fehler gemacht werden, kann der Streifen am Ende nicht mit der Doku “Deep Water” mithalten, die sich 2006 mit dem Fall Crowhurst beschäftigte und auf viel Archivmaterial sowie die Stimmen der Angehörigen zurückgreifen konnte. Reality beats fiction. Sie liegt der Heimkino-Fassung glücklicherweise also Bonusmaterial bei.

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Fazit: Für sich genommen passabel. Aber der Doku “Deep Water” ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

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