Various – The Trojan Records Boxset

Trojan Records Boxset (foto: trojan)

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9 Trojan / BMG / ADA / Warner
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Alt-Punks und -Skins wird das die Tränen der Rührung in die Augen treiben: In diesem Jahr feiert Trojan, das legendäre Reggae-, Ska- und Rocksteady-Label, sein 50. Wiegenfest. Den Geburtstag begeht das Label mit einer aufwendigen Sammler-Box.

Für das junge Gemüse unter unseren Lesern heute kaum vorstellbar: In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren war Reggae-Musik mit das Subversivste, das man hören konnte. Musik des jamaikanischen Anti-Establisments, in der es etwa um politische Klassen, um Rassismus, Panafrikanismus und gesellschaftlichen Klassenkampf ging. Diese rebellische Dimension jamaikanischer Musik stieß zu jener Zeit vor allem in Großbritannien auf große Resonanz. Das war nicht zuletzt der aufkommenden Skinheadbewegung zu verdanken. Die Jugendlichen der britischen Arbeiterklasse übernahmen diese neue Musik aus Jamaika als Teil ihrer eigenen Kultur an.

Versorgt wurde der britische Markt vor allem dank und durch Trojan Records – benannt nach dem Pritschenwagen, mit dem der hoch geschätzte jamaikanische Produzent Duke Reid sein Soundsystem herumkutschiert hat. Das Label wurde im Jahr 1968 von den in London ansässigen, ebenfalls aus Jamaika stammenden Expats Lee Gopthal und Chris Blackwell gegründet. Ursprünglich als britischer Außenposten für die Veröffentlichungen von Reid gedacht, verschaffte das Label Größen wie Lee ‘Scratch’ Perry, Desmond Dekker, The Pioneers, Bob Marley, Prince Buster und Jimmy Cliff eine breite Öffentlichkeit.

In den siebziger Jahren schwamm die Plattenfirma – vor allem durch die großen Charterfolge von  Künstlern wie Desmond Dekker und The Maytals in Großbritannien. Mit der Single “Double Barrel” von Dave & Ansel Collins hatte Trojan 1971 zum ersten Mal einen Nummer-eins-Hit in den britischen Charts. Klar, dass diese Early-Reggae-Nummer mit ihrem überraschenden Cold-Intro auch auf dieser Compilation auftaucht.

Neben dem kommerziellen Angebot stellte das Label auch Künstler vor, die außerhalb Jamaikas weitgehend unbekannt waren. Darunter viele, die später große Erfolge als internationale Stars feiern konnten, zum Beispiel Dennis Brown, Gregory Isaacs und ein gewisses Gesangstrio aus Kingston mit dem Namen Bob Marley & the Wailers.

Im Zuge der turbulenten Siebziger brachte das Ska Revival einen spektakulären Aufschwung für die Geschicke des Labels. Der Crossover-Erfolg von Bands wie The Specials und Madness weckte ein erhöhtes Interesse an klassischen Ska- und Reggae-Hits und Trojan Records florierte insbesondere mit dem Verkauf von Compilations.

Doch die guten Zeiten hielten nicht an. 1985 war der Ska-Boom vergessen und Trojan richtete sein Hauptaugenmerk auf seinen beeindruckenden, umfangreichen Backkatalog. Seit Jahren haut das altehrwürdige Label eine Compilation nach der anderen raus. Mit dem Einzug von Streaming und kuratierten Playlists erhält der Trojan-Backkatalog erneut Belebung. Massen von neuen Fans entdecken hier die Alben, auf die sich ihre Lieblingsmusiker der heutigen Zeit berufen und deren Tracks sie wieder und wieder covern.

“The Trojan Records Boxset” ist dabei sicherlich ein guter Einstieg. Das Riesen-Boxset umfasst vier 12”-LPs, sechs CDs, zwei 7”-Schallplatten, jede Menge Raritäten, ein Buch und reichlich Gimmicks.

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Fazit: Guter Einstieg in die Geschichte eines legendären Labels.

Anspieltipps: Hurt So Good (Susan Cadogan), Everything I Own (Ken Boothe), Double Barrel (Dave & Ansel Collins), Niki Hoeky (Marvels), Return Of Django (The Upsetters), To Be Young Gifted And Black (Bob & Marica), “Suzanne Beware Of The Devil” (Dandy Livingstone)

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