Thirty Seconds To Mars - America (foto: interscope)

Thirty Seconds To Mars – America

Knapp zwei Monate nach dem offiziellen Release liegt „America“, das fünfte Studioalbum von Thirty Seconds To Mars, nun endlich auch auf Vinyl vor.

Ganz schön was los in diesen Tagen bei Thirty Seconds To Mars. So hat Tomo Miličević kürzlich die derzeit laufende Promo-Tour zum neuen Longplayer aus persönlichen Gründen abgebrochen, die Gerüchte besagen gar, dass er demnächst seinen endgültigen Abschied aus der Band verkünden könnte. Thirty Seconds to Mars ohne ihren Lead-Gitarristen? Kaum vorstellbar.

„America“ haben Tomo Miličević, Shannon Leto und Jared Leto aber auf jeden Fall noch als Trio eingespielt. Erstmals übrigens für das Label Interscope, nachdem die Band ihr Stammlabel Virgin ja bereits 2014, kurz nach ihrem bis dato letzten Longplayer, verlassen hatte. Mit dem Wechsel der Plattenfirma geht auch eine interessante Stilveränderung einher. So geht es jetzt weg vom lupenreinen Indie-Rock. Die Gitarre verliert an Bedeutung, dafür wird mit mehr Pop- (sprich: viele, viele „Oh!Oh!Oh!“-Chöre)- und Elektro-Elementen (viel Autotune, Synthie-Flächen und Trap-Beats) experimentiert. Die vorab veröffentlichte Single „Dangerous Nights“, die Ambient-Elemente mit Stadionrock vereint und bei der Produzent Zedd seine Finger im Spiel hatte, hatte das ja schon irgendwie angedeutet.

Noch provokativer als der Style-Change dürften die Inhalte sein, die Leto da (ebenso gekonnt wie gewohnt pathetisch) vorträgt. „America“ ist das bisher gesellschaftskritischste Album der Band, es geht vor allem um Politik, Sex und Ruhm. Stark ist etwa die Electro-Rock-Nummer „Walk On Water“, in der die Hybris des Trump-Amerikas verhandelt wird, aber auch der tiefe Riss, der durch die Gesellschaft geht, in der es zwei Lager gibt, die taub für die Argumente der anderen geworden sind: „A thin line, the whole truth … The far right, the left view … Breaking all those promises made … Times are changing.“ Auch das bombastische „Love Is Madness“, bei dem Halsey der Kapelle unter die Arme greift, sowie die Balladen „Rescue Me“ (mit A$AP Rocky) und „Great Wide Open“ gefallen.

Insgesamt sicher ein gewagtes Experiment, das die Band hier eingeht, aber eines, das geglückt ist. Kommerziell auf jeden Fall, wie die weltweiten Chart-Platzierungen ja auch beweisen. Den Willen, sich weiterentwickeln zu wollen, muss man der Band, die ja schon immer eine Art Kunstprojekt war, zugute halten. Dennoch darf es in Sachen Produktion in Zukunft gerne wieder etwas weniger glattgebügelt sein.

Übrigens: Neben dem Album haut die Band bald die Kino-Doku “A Day In The Life Of America” raus. Noch in diesem Sommer kommt der Film weltweit in die Kinos. Gedreht wurde er an einem einzigen Tag, dem 4. Juli 2017, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, in 50 US-Staaten und Washington D.C. sowie Puerto Rico. An dem Projekt waren laut Label mehrere Filmcrews und US-Fans beteiligt, die mehr als 10.000 Einsendungen beisteuerten.

Anzeige

Fazit: Überraschend.

Anspieltipps: Walk On Water, Love Is Madness, Rescue Me, Great Wide Open

Zeen is a next generation WordPress theme. It’s powerful, beautifully designed and comes with everything you need to engage your visitors and increase conversions.

Weitere Beiträge
Conrad Melody