The Beatles – The Beatles (White Album)

The Beatles - White Album (foto: universal music)

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Ein Klassiker wird 50 Jahre alt: Am 22. November 1968 erschien die Doppel-LP “The Beatles” (später besser bekannt als ‘The White Album’). Damals war die Platte zweifellos der Pop-Event des Jahres. Mit ihrem neunten Studioalbum hatten die Fab Four die Welt mal wieder überrascht.

Das Jahr 1968 hatte es zweifellos in sich. Der Vietnam-Krieg war in vollem Gange, Bürgerrechtler Martin Luther King und Politiker Robert Kennedy fielen Attentaten zum Opfer, in vielen Ländern (etwa Polen, Frankreich, Japan, Mexiko, Deutschland) gab es Unruhen. In vielen westlichen Gesellschaften schickte sich ein von links angeschobener Wandel an, der natürlich auch bis in die Musik, bis in die Popkultur reichte. Und so war die Welt gespannt, wie die Beatles auf diese stürmischen Zeiten reagieren würden. Die Fab Four verbrachten einen Großteil des Jahres mit Meditation in Indien, ehe es die Gruppe ins Studio zog, um an einem Nachfolger für “Sgt. Pepper” zu basteln.

Alles anders – so oder so ähnlich muss die einzige konzeptuelle Marschroute gelautet haben, als es an die Arbeit an diesem neuen Album ging. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man sich den ein Jahr zuvor erschienenen Vorgänger “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” zum Vergleich heranzog. “Sgt. Pepper” war ein Konzeptalbum, ein aufwändiger Versuch, eine Beatles-Antwort auf das verspielte Beach-Boys-Meisterwerk “Pet Sounds” zu finden. “Sgt. Pepper” war ein tiefsinniges Gesamtkunstwerk, bei dem Musik, Lyrics und Covergestaltung eine Einheit bilden.

Das “White Album” ist all dies nicht. Das schlichte Cover ist darauf nur ein erster Hinweis. “The Beatles” ist viel mehr gelebter Eklektizismus. Die 30 Songs, die sich auf der Doppel-LP finden, stehen in keinem erkennbaren Zusammenhang, weder inhaltlich noch stilistisch. Die Beatles versuchen sich auf der Platte unter anderem in Hard Rock (“Helter Skelter”), Country (“Rocky Raccoon”), Folk (“Blackbird”), Reggae (“Ob-La-Di-Ob-La-Da”), Balladen (George Harrisons “While My Guitar Gently Weeps”), Ragtime (“Honey Pie”), Prog-Rock (“Happiness Is A Warm Gun”), Blues (“Yer Blues”), Psychedelia (“Glass Onion”) und Rock ‘n’ Roll (“Back in the U.S.S.R.”). Dazu gibt es mit “Revolution 9” eine experimentelle Klangcollage.

Einerseits natürlich ein Ausdruck der großen Bandbreite der Band, andererseits aber auch Dokument der künstlerischen Differenzen, die sich bei den Aufnahmen immer mehr Bahn brachen. Ringo Starr verließ die Gruppe während des Recording-Prozesses sogar kurzzeitig, weil er sich wie das fünfte Rad am Wagen fühlte (er wurde unter anderem damit getröstet, dass sich mit “Don’t Pass Me By” erstmals ein Song auf einem Beatles-Album fand, bei dem Starr als alleiniger Songwriter genannt wurde). Auch zwischen John Lennon und Paul McCartney krachte es immer heftiger, der Grund dafür war häufig Lennons Lebensgefährtin Yoko Ono. Ihr Einfluss auf das Weiße Album wird vor allem in “Revolution 9” deutlich. John Lennon wird in der “Beatles Anthology” wie folgt zitiert: „Das Weiße Album bedeutet einfach: ‚Das ist mein Song, den bringen wir so. Das ist dein Song, den bringst du so, wie du willst.‘ Es ist ganz schön schwierig, die Musik von drei Leuten auf eine einzige LP zu packen – deswegen haben wir eben ein Doppelalbum gemacht.”

Nun haben die verbliebenen Beatles eine Reihe aufwendiger ‘White Album’-Packages auf Apple Corps Ltd./Capitol/UMe veröffentlicht. Die 30 Tracks des Albums wurden von Produzent Giles Martin und Mix-Engineer Sam Okell in Stereo und 5.1 Surround Audio neu gemischt. Zusätzlich enthält der Release 27 frühe Acoustic-Demos und 50 Studioaufnahmen, von denen die meisten bisher noch nicht erhältlich waren. Besonders bemerkenswert: die epische, 13-minütige Version von “Helter Skelter” sowie die frühe Version von “Let It Be”. Der Song schaffte es damals noch nicht aufs Album. Und auch die Jam-Version von Elvis Presleys “Blue Moon” ist ein nice to have.

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Fazit: Ein verdienter Klassiker.

Anspieltipps: Glass Onion, While My Guitar Gently Weeps, Ob-La-Di Ob-La-Da, Helter Skelter, Happiness Is A Warm Gun, Honey Pie, Revolution 9

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