Steve Perry – Traces

Steve Perry - Traces (foto: universal music)

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Er gilt als eine der großen Stimmen des Stadionrock der 80er Jahre: Steve Perry. Nach 25 Jahren haut der Ex-Journey-Frontmann mit “Traces” mal wieder ein Soloalbum raus. 

Er hat sich ein bisschen Zeit gelassen, der Gute. „Ehrlich gesagt dachte ich zwischendurch sogar, dass die Musik gar kein Thema mehr für mich ist. Dass mein Herz damit abgeschlossen hatte“, so Perry. Der ganze Heckmeck und die damit verbundenen Exzesse verleideten ihm die Lust am Musikbusiness, dem er zwischenzeitlich komplett den Rücken kehrte. „Mein letztes Konzert mit Journey hab ich im Februar 1987 gespielt. Und dann kam der Tag, an dem mir klar wurde, dass ich einfach nicht mehr weitermachen konnte. Ich hatte wirklich das Gefühl, abspringen zu müssen von diesem Karrussell, das sich immer weiterdrehte; ich musste raus aus diesem großen Mutterschiff, das wir zusammen in so viel harter Arbeit aufgebaut hatten.“

Mit dem großen Mutterschiff meint Perry natürlich die Band Journey, die in den achtziger Jahren eine der erfolgreichsten Rock-Bands war und jede Menge große Hits hatte (etwa „Open Arms“, „Separate Ways (World’s Apart)“ und das unsterbliche „Don’t Stop Believin’“). 2017 wurde die Gruppe sogar in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen.

Am Ende war es die Liebe und ihr Verlust, die Perry wieder zur Musik brachten. Im Jahr 2011 lernte er durch seine gute Freundin Patty Jenkins, jene Filmregisseurin, die auch „Don’t Stop Believin’“ von Journey in ihrem Film “Monster” (2003) eingesetzt hatte, eine gewisse Kellie Nash kennen, die ihren Doktor in Psychologie gemacht hatte, in jenen Tagen aber gerade mit Brustkrebs kämpfte. Die Beziehung zu ihr soll Perrys Leben komplett auf den Kopf gestellt haben. Als Nash schließlich im Jahr 2012 den Kampf gegen die heimtückische Krankheit verlor, brach es Perry das Herz – und es war ihm wichtig, ein Versprechen einzulösen, das er ihr gegenüber gemacht hatte. „Als es Kellie richtig schlecht ging, wollte sie, dass ich ihr verspreche, mich nicht mehr so zu isolieren“, erinnert er sich.

Perry flüchtete sich in seinem Schmerz also in die Musik. Nach und nach holte er erste Songskizzen hervor, Ansätze, die er zum Teil mit Kellie geteilt hatte, wobei Songs wie „Most Of All“ oder auch „In The Rain“ schon vor ihrer ersten Begegnung entstanden waren. Schließlich holte Perry seinen Co-Produzenten und Toningenieur Thom Flowers dazu und machte sich im eigenen Studio in Kalifornien an die Arbeit.

Das Ergebnis liegt nun in “Traces” also vor, Perrys dritter Solo-Platte. Die gute Nachricht vorweg: Die legendäre Stimme des Journey-Frontmanns ist noch intakt und hat nichts von ihrem Charme verloren. Einen Hit trägt sie auf dieser Scheibe aber leider nicht vor. Sicher, das ganze Ding ist ganz gut produziert, jedoch bleibt wenig im Ohr des Hörers haften. Am ehesten vielleicht noch das vorab ausgekoppelte “No Erasin'”, ein Song, den Perry über ein emotionales Wiedersehen – ein Klassentreffen – geschrieben hat, das hier aber auch als Metapher für seine Beziehung zu seinem Publikum verstanden werden kann. Eine Nummer, die so auch gut und gerne auf einer Journey-Scheibe hätte Platz finden können. Auch das rockende “Sun Shines Gray” oder die gefühligen “No More Cryin'” und “Most Of All” (das Perry mit seinem alten Schreibpartner Randy Goodrum geschrieben hat) wissen zu gefallen.

Der Rest? Gehört und vergessen. Aber das ist auch nicht weiter schlimm. Wirklich etwas beweisen muss der gute Mann seiner Hörerschaft ja nicht mehr. Das Ganze funktioniert als nostalgisch aufgeladenes Wiedersehen.

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Fazit: Willkommen zurück. 

Anspieltipps: No Erasin’, Sun Shines Gray, No More Cryin’, Most Of All

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