Selig – Selig / Hier

Selig - Selig - Hier (foto: sony music)

Sony Music bringt weiter schwarzes Gold unters Volk. Und so machen wir weiter in unserer Reissue-Reihe, diesmal mit dem Selig-Double-Feature aus “Selig” und “Hier”.

Selig. Eine Band, die Erinnerungen weckt. Das Video zu ihrer Version des Bob-Dylan-Klassikers “Knockin’ On Heaven’s Door” (1997), damals für den gleichnamigen Kinofilm mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers produziert – immer noch präsent, immer noch ein Lieblingsclip dieser an guten Videoclips nicht armen Dekade. Leider trennte sich die Band kurz darauf im Jahr 1999 überraschend, von jetzt auf gleich. Der mediale Hype wurde einfach zu viel.

Gegründet wurden Selig sechs Jahre zuvor, im Jahr 1993. Der Sound der Hamburger basierte auf klassischen Rockelementen. Die Kapelle um Frontmann Jan Plewka mixte diese aber mit experimentellen, psychedelischen Sounds. Damals eher ungewöhnlich. Die Band landete denn auch recht schnell einen Plattenvertrag bei Sony Music.

Selig – Selig (foto: sony music)

Selig

Und so ließ das Debütalbum der Hamburger auch nicht lang auf sich warten. Schon 1994 erblickte “Selig” das Licht der Welt. Eine 14 Tracks umfassende Song-Sammlung, im Garage Rock verhaftet, sich aber auch Anleihen im Grunge nehmend. Kraftvoll und poetisch zugleich. Die drei Top-Singles „Sie hat geschrien“, „Wenn ich wollte“ und das sensationelle, herzzerreissende „Ohne dich“ (eine der schönsten deutschsprachigen Balladen der 90er Jahre) hieven das Debüt bis auf Platz 35 der Charts, ein respektabler Platz, zumal der deutsche Rock zu dieser Zeit doch in einer schweren Krise steckte. Großes Kino.

Selig – Hier (foto: sony music)

Hier

Nach dem kommerziellen Durchbruch ließ sich die mittlerweile auch mit einem ECHO ausgezeichnete Band mit dem Nachfolger nicht lange Zeit. “Hier” erschien schon 1995, damals noch bei Epic Records. Die Texte sind provokanter, die Platte klingt auch deutlich düsterer als der Vorgänger. Wobei sich der Sound nicht grundsätzlich änderte. Der eine oder andere fühlte sich beim Hören an die Doors erinnert. Kann man so stehen lassen. Klar, das Album hat weniger Hits zu bieten als der Vorgänger, für Fans ist “Hier” aber die wichtigere Platte, in den Charts war sie auch trotz der geringeren Hit-Dichte erfolgreicher. Songs wie „Bruderlos“, „Lass mich rein“ oder „Ist es wichtig?“ gehen auch heute noch klar.

1999 trennen sich die Wege der Musiker, erst zehn Jahre später finden sie wieder zusammen und veröffentlichen seither auch wieder regelmäßig neues Material. Aktuell etwa steht eine große „25 Jahre Selig“ – womit das Debut Album „Selig“ gemeint ist – Tour an.  Bis zum 8. September sind die Hamburger auf deutschen Bühnen unterwegs und spielen dabei ihr Debüt- Album komplett. 

Übrigens: Die beiden Alben sind zur Erstveröffentlichung nur als „Promotion Gag“ in einer limitierten Miniauflage auf Vinyl erschienen, die gegenüber den CD-Versionen zudem abweichendem Titelinhalt hatte und für deren Exemplare aktuell über Sammlerseiten zwischen 95 und 250 Euro verlangt werden. Das wird sich vermutlich mit dieser Veröffentlichung ändern, denn die seitdem nur über den Sammlermarkt erhältlichen Titel „Geträumt“, „Halt mich nicht hin“ oder „Bruderlos“ im Vinyl-Mix sind hiermit für den Selig Fan erstmals seit 25 Jahren wieder erhältlich. 

Selig selbst haben sich laut Label zudem offenbar bereits damals die Wiederauferstehung der LP gewünscht und im Eröffnungstitel „Regenbogenleicht“ absichtlich die Geräuschkulisse einer alten, abgenutzten LP hinterlegt. Die zu hörenden „Plattenknackser“ sind also gewollt.

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