Paul McCartney & Wings – Red Rose Speedway

Paul McCartney & Wings - Red Rose Speedway (foto: universal music)

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6 Capitol / Universal Music
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Seit einiger Zeit stöbert man im Hause Universal Music in Paul McCartneys Archiven herum und bläst die alten Platten des legendären Ex-Beatle zu teils ganz schmucken Deluxe-Versionen auf. Kurz vor Weihnachten stehen nun die nächsten Veröffentlichungen an. Nachdem wir uns gestern mit “Wild Life” beschäftigt haben, befassen wir uns heute mit dem Nachfolger “Red Rose Speedway”.

Keine Frage: Einen solchen Misserfolg war der gute Paul McCartney in dieser Phase seines Lebens nicht gewohnt. Mit den Beatles brach der Brite Rekord um Rekord, schwamm auf einer beispiellosen Erfolgswelle. Und auch seine ersten beiden Soloalben – “McCartney” (1970) und “Ram” (1971) – waren zumindest kommerziell erfolgreich – wenn auch keine Kritikerlieblinge. Dass dann aber weder Kritiker- noch Käufer-Resonanz stimmten, das war dann auch für Mister McCartney eine gänzlich neue Erfahrung. So geschehen, als er mit seiner frisch zusammengestellten Band Wings, zu der auch Frau Linda, Drummer Denny Seiwell sowie Gitarrist Denny Laine gehörten, das Debütalbum “Wild Life” veröffentlichte. Platz zehn in den USA, Platz elf im UK. Fast schon eine Schmach für McCartney.

Klar, dass der Ex-Beatle das nicht lange auf sich sitzen lassen wollte. Mit “Red Rose Speedway” hauten die Wings, mittlerweile durch den Gitarristen Henry McCullough verstärkt, den Nachfolger zu “Wild Life” heraus. Nicht wenige erwarteten zu diesem Zeitpunkt ein inhaltlich schärferes Album der Wings, hatte die Gruppe doch in der Zeit zwischen Debüt und Zweitling mit Songs wie “Give Ireland Back To The Irish” (selbsterklärend) und “Hi, Hi, Hi” (in dem die Themen Drogen und Sex aufgegriffen wurden) für Aufsehen gesorgt. Die Titel kamen wegen ihres provokanten Inhalts auf den Index. (Nun finden sie sich immerhin in der Deluxe-Variante des wiederaufgelegten Albums wieder).

“Red Rose Speedway” kam dann aber doch vergleichsweise weichgespült daher. Eine Ansammlung größtenteils nichts sagender Balladen. Für viele war die Trivialität der Aufnahmen eine herbe Enttäuschung, andere feierten die Leichtfüßigkeit der Platte als willkommene Form des Eskapismus in einer Welt, der es doch auch ohne sozialkritische Töne McCartneys schon schlecht genug ging. “Live and Let Die”, das während der Aufnahmen zu “Red Rose Speedway” entstand und den gleichnamigen Bond-Film zieren sollte, hätte dem Album gut zu Gesicht gestanden.

McCartney gab später zu Protokoll, selbst kein Fan des Longplayers gewesen zu sein. Traf wohl auch auf seine Bandkollegen zu. Denny Seiwell und Henry McCullough verabschiedeten sich nach den Aufnahmen von den Wings. Bei den Aufnahmen hatten sie vermehrt das Gefühl, für Paul einfach nur eine bessere Backing Band zu sein. McCartney, so ihr Eindruck, nahm sie als Künstler nicht ernst.

“Red Rose Speedway” war künstlerisch ein weiterer Griff ins Klo, der aber zumindest kommerziell etwas erfolgreicher als der Wings-Erstling abschnitt: Platz eins  in den USA, immerhin Platz fünf im UK.

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Fazit: Etwas besser als “Wild Life”, aber noch kein Vergleich zu “Band On The Run”, das danach folgen sollte.

Anspieltipps: My Love, Live And Let Die; Hi, Hi, Hi


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