Neko Case – Hell-On

Neko Case - Hell-On (foto: anti records)

7

7 Anti
7

Bei den Arbeiten zu ihrem neuen Album “Hell-On” ist die Singer-Songwriterin Neko Case in der Tat durch die Hölle gegangen. Die Platte ist gerade bei Anti Records erschienen.

Fünf Jahre sind seit dem letzten Solo-Projekt von Neko Case (“The Worse Things Get, the Harder I Fight, the Harder I Fight, the More I Love You”) ins Land gegangen. Gut, zwischenzeitlich war die Gute nicht ganz untätig. So sang sie unter anderem auf dem New-Pornographers-Album “Whiteout Conditions” (2017), haute eine Karriere-Retrospektive auf Vinyl raus und veröffentlichte gute Musik mit ihren Kolleginnen k.d. Lang und Laura Veirs unter dem Namen case/lang/veirs.

Und natürlich sammelte sie in der Zeit fleißig Material für ein Solo-Projekt. So beschäftigte sie sich etwa mit Themen wie Feminismus (Warum gibt es eigentlich so wenig weibliche Produzentinnen?) und der Urgewalt der Natur. Letzteres nicht ohne Grund. Als die US-Amerikanerin für eine Zeit in Schweden weilte, um dort mit dem Produzenten Björn Yttling (Lykke Li, Camera Obscura, Peter Bjorn and John) zusammenzuarbeiten, erhielt sie eines Tages nachts um drei Uhr einen Anruf: Ihr Haus würde in Flammen stehen und wohl komplett zerstört werden. Ihr ganzes Hab und Gut – von einer Sekunde auf die andere vernichtet.

Mittlerweile, so heißt es, habe die Gute das Unglück verdaut: “If somebody burned your house down on purpose, you’d feel so violated. But when nature burns your house down, you can’t take it personally.” Der Song “Bad Luck” wirkt wie eine musikalische Verarbeitung des Vorfalls. Eine ziemlich eingängige Nummer, die noch in Stockholm entstanden ist. Die Lyrics hat Neko Case allerdings schon vorher geschrieben. Dass der Text am Ende so gut auf ihre eigene Lage passen würde, hatte sich die Künstlerin beim Schreiben sicher nicht ausgemalt. Stattdessen, so heißt es, hatte sie eher Hurricane Harvey, der zu der Zeit gerade Texas heimsuchte, und Hurricane Maria, der in Puerto Rico wütete, im Sinn.

Das Feuer war aber trotzdem ein Schlüsselmoment. Neko Case schöpfte neue Kraft und neuen Mut, firmierte fortan selbst als Produzentin und schuf Musik gewordene Geschichten über Tod, Auslöschung, Ausnutzung, Gezeiten, Tiere und Anbetung. “I’m writing fairy tales, and I hear my life story in them, but they’re not about me,” sagt Case. Sie erzählt diese Geschichten mit der ihr eigenen poetischen Kraft, musikalisch bewegt sich das Ganze dabei in dem gewohnten Spannungsfeld zwischen Alternative Country, Rock und Achtziger-Jahre-Indie-Mucke.

Glanzlichter unter den zwölf Songs sind das melancholische “Gumball Blue” und das knapp siebenminütige Stück “The Curse of the I-5 Corridor,” bei dem Neko Case Unterstützung durch den ehemaligen Screaming-Trees-Frontman Mark Lanegan erhält. Eine wunderbare Ballade über eine verlorene Liebe, bittersüße Erinnerungen und Abschiede. Nicht die einzige namhafte Kollaboration auf diesem Machwerk. Auch Kollegen und Kolleginnen wie k.d. Lang, Laura Veirs, Beth Ditto und Robert Forster (als Background-Sänger) haben ihre Finger hier mit im Spiel. Dazu kommen Joey Burns von Calexico und Doug Gillard (Guided by Voices) an den Gitarren sowie Barbara Gruska und Matt Chamberlain an den Drums. Sie alle haben ihren Teil dazu beigetragen, dass “Hell-On” zu einem der stärksten Alben in der nun schon fast drei Jahrzehnte andauernden Karriere von Neko Case gehört.

Anzeige

Fazit: Phoenix aus der Asche.

Anspieltipps: Bad Luck, Gumball Blue, The Curse of the I-5 Corridor, Oracle Of The Maritimes, Winnie

More from Benjamin Fiege

My Soundtrack: Andreas Kümmert

Vor wenigen Wochen konnten wir – ausnahmsweise mal privat und zufällig –...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

I agree