Mana Neyestani – Die Spinne von Maschhad

Mana Neyestani - Die Spinne von Maschhad (foto: edition moderne)

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In seiner neuen Graphic Novel “Die Spinne von Maschhad” erzählt der iranische Comic-Künstler Mana Neyestani nicht nur die Geschichte eines berüchtigten Serienmörders, sondern auch die einer äußerst repressiven Gesellschaft.

Ja, auch der Iran hatte seinen Jack The Ripper: den unscheinbaren Maurer Said Hanai. Dieser ermordete zwischen 2000 und 2001 in der heiligen iranischen Stadt Maschhad mindestens 16, zum Teil drogenabhängige Prostituierte. Als selbsternannter Kämpfer gegen die Dekadenz lockte er die Frauen zu sich nach Hause, wo er sie schließlich erwürgte. Die Medien gaben dem durchgedrehten Familienvater den Beinamen “Die Spinne von Maschhad”. Der religiöse Eiferer wurde nach seiner Verhaftung in einem Aufsehen erregenden Prozess zum Tode verurteilt und später hingerichtet.

2002 widmete sich die Journalistin Roya Karimi Majd in der Doku “And Along Came A Spider” dem Leben und Sterben des berüchtigten Serienmörders. Basierend auf dieser Doku hat der iranische Künstler Mana Neyestani den vorliegenden Comic geschaffen. Nebst dem Mörder und seiner Familie kommt auch der Richter zu Wort, der Said zum Tode verurteilte.

Es ist natürlich ein recht düsteres Werk, das Neyestani hier vorlegt. Der in Paris lebende Zeichner verzichtet dabei auf überflüssiges Tamtam. Sein Stil ist recht minimalistisch, die Seiten sind in Schwarz-Weiß gehalten. Neyestani lässt die Geschichte für sich sprechen. Ganz nebenbei zeichnet er dabei aber auch ein Sittengemälde der iranischen Gesellschaft, in der Gewalt und Unrecht unter der Oberfläche gären. Said Hanai ist nämlich im Iran keineswegs als Monster gestorben – große Teile der Bevölkerung sahen in dem verurteilten Mörder vielmehr einen Helden. Einen Säuberer.

18 Jahre ist das nun her. Allzu viel hat sich seither nicht geändert. Neyestani befürchtet unlängst in einem Interview mit dem “Deutschlandfunk”, dass auch heute noch viele Iraner ähnlich reagieren würden wie damals. Er verweist dabei auf die häufigen Säure-Attacken gegen Frauen, denen das Kopftuch verrutscht ist. Tradition und Moderne stehen sich immer im Iran noch immer unvereinbar gegenüber.

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Fazit: Eindringlich.

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