Lords Of Chaos

Lords of Chaos (foto: studio hamburg)

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5 Studio Hamburg
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Es ist eines der düstersten Kapitel der Musikgeschichte: Die Story der norwegischen Black-Metal-Band Mayhem ist geprägt von brennenden Kirchen, Gewalt und Mord. Regisseur Jonas Åkerlund (“Spun”) hat sie verfilmt. “Lords Of Chaos” liegt nun fürs Heimkino vor.

Sie gelten als Erfinder des norwegischen Black Metal: Mayhem, Mitte der achtziger Jahre gegründet, haben das Genre nachhaltig beeinflusst. Das Mastermind der Band: Øystein „Euronymus“ Aarseth (Rory Culkin), der als Teenager geradezu versessen darauf ist, der skandinavischen Einöde zu entkommen und das Genre voranzutreiben. Dafür ist ihm kein Publicity-Stunt zu geschmacklos. Als sich der von Depressionen geplagte Mayhem-Sänger Pelle “Dead” Ohlin (Jack Kilmer) das Gehirn wegpustet, hat Euronymus nichts Besseres zu tun, als die entstellte Leiche zu fotografieren – und das Bild später auf ein Album-Cover zu packen. Als Varg „Greven“ Vikernes (Emory Cohen) zur Band stößt, wird dieser schnell vom Kollegen zum guten Freund, mit dem man Kirchen niederbrennen kann. Doch dann gipfelt diese düstere Kameradschaft in einem blutigen Mord. Ein Mord, der die Szene bis heute prägt.

Keine Frage: Die Geschichte von Mayhem ist weithin bekannt. Spätestens seit sie in dem umstrittenen Sachbuch “Lords of Chaos” erzählt wurde, das 1998 erschien – und unter anderem in der Kritik stand, weil einer der Autoren – Michael Moynihan von der Band Blood Axis – offenbar mit der rechten und rechtsextremen Szene in Verbindung stand.

Regisseur Jonas Åkerlund hat sich dem Stoff nun angenommen. So ist ein denkbar düsteres Coming-of-Age-Drama und blutiger True-Crime-Thriller entstanden, bei dem zwar viel Wert auf Genauigkeit gelegt wurde, hier und da aber dennoch künstlerische Freiheiten genommen wurden. Zumal der eine oder andere Fakt am Ende ohnehin wohl mehr Legende denn Tatsache war. So hingen bei dem schwedischen Sänger Dead wohl nur im Film tote Katzen von der Decke. In Wirklichkeit beschränkte sich der Katzenhasser wohl nur auf das Vertreiben der Stubentiger. Wahr ist hingegen, dass er vor seinen Auftritten gerne mal an toten Raben roch, um sich in Stimmung zu bringen.

Leider geht dem Film die Tiefe ab. Er kratzt an der Oberfläche, wirkt oft plakativ. Die Nebenfiguren sind schwach gezeichnet, die Off-Stimme stört. Musikalisch wird auch nicht viel geboten. Es fehlt an Finesse. Und wirklich Stellung bezieht Jonas Åkerlund in den Film ebenfalls nicht. Er begleitet die teuflischen Protagonisten recht neutral, ohne sie zu verurteilen. Im Gegenteil. Er versucht sogar ein wenig, ihre menschlichen Seiten aufblitzen zu lassen. Dafür zwingt er den Zuschauer in eine geradezu voyeuristische Rolle, die schnell unangenehm werden kann, wenn er mit der Kamera die Gewalt bis ins letzte Detail ausschlachtet.

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Fazit: Ein Biopic, das nicht vollends zu überzeugen weiß.

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