Laura Gibson – Goners

Laura Gibson - Goners (foto: city slang)

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Süße Schwermut: Songwriterin und Multiinstrumentalistin Laura Gibson verarbeitet auf ihrem neuen, fünften Studioalbum “Goners” die Trauer um ihren Vater. 

Und plötzlich ist ein geliebter Mensch weg. Tot. Einfach so. Eine Situation, die irgendwann mal jeden im Leben trifft. Eine Situation, die einen verändern kann. Unwiderruflich. Manche zerbrechen an ihrer Trauer. Andere wiederum schaffen sich ein Ventil. Laura Gibson gehört zur zweiten Sorte. Immer wieder beschäftigt sie sich in ihrem Schaffen mit dem Thema “Trauer”. Auch auf “Goners” ist das wieder der Fall. “If we’re already goners, why wait any longer, for something to crack open.” Diese erste Zeile findet sich nicht nur in den Lyrics des Titelsongs, sondern wurde für Laura Gibson auch zu einer Art Mantra. Das Wort “Goners” wird von ihr für zwei Arten von Menschen verwendet: jene, die sich in denen verlieren, die sie lieben. Und diejenigen, deren Tod unmittelbar bevorsteht.

Viele der Songs auf ihrer neuen Platte handeln vom Verlust ihres Vaters. Laura verlor ihn, als sie noch ein Teenager war. Was sie immer wieder dazu bringt, sich zu fragen, ob sie selbst irgendwann gerne Mutter sein möchte – oder lieber nicht. “My days are charged. Potential future grief forces me to reckon with past grief. These were two points on a map of grief. I wanted to explore the territory between them,” so Gibson.

Die Melancholie dieses Sujets bricht sich auf knapp der Hälfte der Platte musikalisch vor allem durch viele Streicher, Bläser, Piano-Klänge Bahn. Den Rest besorgt Gibsons Akustikgitarre. Die Stimmung: düster, entrückt, getragen. Einzig “Domestication” mit seinen Beats bricht stilistisch da etwas aus. Gibson berührt, ihr Vortrag ist ungeheuer intensiv. Ihre Sprache? Eindringlich, treffend. Gibson war schon immer eine wunderbare Erzählerin. “I wanted to aim for wildness in my lyrics, not perfection. Trauma and grief are far messier than the stories we make of them. Despite this, we will forever keep telling our stories to each other”, sagt sie. Sie wollte, dass sich die Songs wie Fabeln anfühlen. Und so wimmelt es auf dem Album nur so von Tieren, Transformation, von Spuk und Vorahnungen. Frauen werden in ihren Texten zu Wölfen, Männer verwandeln sich in Maschinen. Geisterkinder winken im Rückspiegel, eine Narbe wird zum Gedächtnisspeicher.

Zu Hand gingen Gibson bei den Aufnahmen übrigens jede Menge befreundeter Musiker. Darunter: Gitarrist und Synthesizer-Meister Dave Depper (Death Cab für Cutie), Schlagzeuger und Perkussionist Dan Hunt (Neko Case) sowie Stand-up-Bassist Nate Query (The Decemberists). Für die wundervollen Horn- und Holzbläser-Arrangements gewann sie Kelly Pratt (St. Vincent, David Byrne, Pater John Misty), für die Streicher-Parts Kyleen King (Stephen Malkmus, Case/Lang/Veirs).

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Fazit: Geht unter die Haut.

Anspieltipps: Goners, Tenderness, I Don’t Want Your Voice To Move Me

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