Jorja Smith – Lost & Found

Jorja Smith - Lost Found (foto: the orchard)

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8 FAMM / The Orchard
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Viele hatten Jorja Smith beim Jahreswechsel ja als “artist to watch” auf dem Zettel. Dass die Gute die Vorschusslorbeeren verdient hat, will sie nun mit ihrem Debütalbum “Lost & Found” unter Beweis stellen.

Der eine oder andere kennt die junge Musikerin vielleicht schon durch ihre Kollaborationen mit ganz großen Namen wie Drake (bei dessen “Get It Together”), Kendrick Lamar (mit dem sie einen Beitrag für den “Black Panther”-Soundtrack schuf) und Stormzy. Oder durch ihren Gewinn des 2018er BRITs Critics Choise Awards. Seither schlagen die Kritiker nämlich in schöner Regelmäßigkeit Purzelbäume vor Freude, wenn es um die 20 Jahre alte Britin geht. Weil sich die Dame so wunderbar abhebt von dem, was da sonst so derzeit im Pop-Zirkus rumturnt. Weil sie was zu sagen hat, die Dinge hinterfragt und auch politisch Stellung bezieht. Wie etwa in dem Song “Blue Lights”, der schon 2016 erschien und die durchaus diffizile Beziehung zwischen Schwarzen und der Polizei verhandelt (“You better not run ’cause the sirens not coming for you/What have you done?”). Oder in “Lifeboats (Freestyle)”, in dem Smith das Verhältnis zwischen Europa und Flüchtlingen thematisiert (“If there’s a reason we can stay afloat/Why do we watch them drown?”). Allerdings ist Smith auch auch stark, wenn sie dramatisch über die Liebe singt, wie etwa in “Tomorrow”.

Musikalisch bewegt sich Smith, die mit einer fantastischen Stimme ausgestattet ist, dabei zwischen Adult Pop, Dancehall, Lounge, R&B, Folk, Soul, Jazz, Trip Hop und Gospel. Sie bedient sich dabei gerne Mal an dem Sound der Neunziger Jahre. Hier und da werden Erinnerungen an Lauryn Hill zu ihren besten Zeiten wach, ab und an auch an Amy Winehouse. Die Frau hat unbändiges Charisma, sie versteht es, in ihren Songs Geschichten zu erzählen.

Mutig: Ihre zwei jüngsten Hits, die Up-Tempo-Pop-Nummer “On My Mind” und die Stormzy-Kollaboration “Let Me Down”, hat sie beide nicht mit auf ihren Erstling gepackt, obwohl die Songs allesamt in den vergangenen drei Jahren entstanden sind und es sich somit nicht ausschließlich um brandneues Material handelt. Sich auf die beiden Hits zu verlassen, wäre aber zu bequem und erwartbar gewesen. Attribute, mit denen die gute Jorja so gar nichts anfangen kann.

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Fazit: Starkes Debüt.

Anspieltipps: Blue Lights, Lifeboats (Freestyle), Tomorrow 

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