Holygram - Modern Cults (foto: SPV/Oblivion/Cleopatra Records)

Holygram – Modern Cults

Postpunk, New Wave, dazu ein bisschen Krautrock und Shoegaze-Bausteine: Holygram huldigen auf ihrem Debütalbum „Modern Cults“ dem düsteren Sound der 80er Jahre.

Der Erstling der 2015 gegründeten Kölner knüpft an die 2016 erschienene selbstbetitelte EP an – ein paar der Songs (unter anderem „Still There“) haben es sogar auf die Platte geschafft. Warum auch nicht? Thematisch passt’s ja. Damals wie heute beschäftigt sich das Quintett mit urbanen Sujets wie Entfremdung und Anonymität, Hoffnung und Erinnerung oder Liebe und Identität. Der Sound dazu? Düster, den Geist der achtziger Jahre atmend. Als Vorbilder könnten New Order gedient haben, The Cure und Depeche Mode, aber auch Neu!. Manchmal ist das noch zu offensichtlich, wirkt zu nachgeahmt. Oft bricht bei den Songs eine brachiale Geräuschkulisse über den Hörer ein, erdrückt ihn wie der Lärm einer Metropole, macht ihn orientierungslos.

Wer Holygram schon länger verfolgt, mag den einen oder anderen Song bereits auch schon live erlebt haben. Einige Tracks hat die Combo nämlich schon vor Publikum getestet – mit viel kühlem Licht und Nebelschwaden, versteht sich. Songs wie das titelstiftende „Modern Cults“ oder das sphärische „Still There“ entführen den Hörer auf einen nächtlichen Trip durch düstere Clubs, ungemütliche Stadtviertel und die Untiefen der menschlichen Psyche. Die Diversität des Stadtbildes als Spiegel des Menschen ist der thematische rote Faden, den die fünf Musiker dem Hörer an die Hand geben.

Sieht man mal davon ab, dass sich Holygram eben noch selbst finden müssen und sich ein bisschen weniger an den großen Vorbildern abarbeiten sollten, liegt da ein ganz schmuckes Album vor, zu dem es sich gedankenversunken in stylishen, verlassenen Industrieanlagen tanzen lässt. Melancholische Gitarrenwände („Distant Light“) stehen hier gleichberechtigt neben majestätischen Bassläufen („Hideaway“). Kühle Synthie-Flächen stoßen auf stoisch-treibende Rhythmen. Sie bilden gemeinsam die Projektionsfläche für die ambivalenten Geschichten, die Holygram in ihrer Musik erzählen möchten.  In „1997“ etwa geht es um eine gescheiterte Beziehung, in „She’s like the sun“ ist das Objekt der Begierde von vornherein unerreichbar.

Stark sind vor allem das bereits bekannte „A Faction“ sowie die erste Single „Signals“ – eine schöne Wave-Nummer mit gefühligen Lyrics („Sometimes when I close my eyes I see you walk away / And everytime the sun comes up the feeling is the same“), die sogar hymnisches Potenzial hat.

Unterstützung für die Produktion der im Kölner Amen Studio aufgenommenen, kraftvollen Platte haben sich Patrick Blümel (Gesang), Sebastian Heer (Schlagzeug), Marius Lansing (Gitarre), Pilo Lenger (Synthesizer) und Bennett Reimann (Bass) übrigens bei Maurizio Baggio geholt, der für The Soft Moons Alben „Deeper“ und „Criminal“ verantwortlich zeichnete.

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Fazit: Vielversprechendes Debüt.

Anspieltipps: Signals, 1997, She’s Like The Sun, A Faction

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