Hervé Bourhis und Brüno – Black & Proud: Vom Blues zum Rap

Black & Proud (foto: avant verlag)

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Vom Blues zum Rap: In ihrem neuen Comic “Black & Proud” geben Autor Hervé Bourhis und Zeichner Brüno einen liebevollen Überblick über die Entwicklung der schwarzen Musik vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Ein gelungenes, kenntnisreich produziertes Nachschlagewerk, das richtig Lust auf Musik macht.

Die Entwicklung der Black Music nachzeichnen? Eine ganz schöne Mammutaufgabe. Vor allem, wenn man das Ganze in nur einen einzigen Band packen möchte. Bourhis und Brüno machen daher von vornherein Abstriche: Den Jazz klammern sie aus – zu umfangreich, der habe einen eigenen Band verdient, finden die beiden. Und außerdem fokussieren sie sich ausschließlich auf die amerikanische Variante der Black Music.

Bourhis und Brüno machen es dem Leser dann denkbar leicht und gehen chronologisch vor. Die Fülle der wegweisenden Songs gebietet es, dass die beiden jedem Jahr ab 1945 bis einschließlich 2015 eine graphisch charmant aufbereitete Doppelseite widmen. Dabei wird jeweils ein musikalischer Meilenstein des Jahres genauer beleuchtet, mit Informationen zu Entstehung, Hintergrund und Wirkung. Ansonsten werfen die Comic-Künstler kürzere Schlaglichter, was natürlich dazu führt, dass das eine oder andere Thema vielleicht etwas zu kurz kommt. Der Anspruch auf Vollständigkeit wird aber eben auch nicht erhoben.

So erfährt man etwa, dass Schnulzensänger Barry White mal Mitglied einer Gang war und einsitzen musste, weil er 300 Cadillac-Reifen geklaut hatte, ehe er dann eine Doo-Wop-Gruppe gründete. Oder das Fats Dominos Band bei ihrem Auftritt in der Ed Sullivan Show hinter einem Vorhang spielen musste, weil man dem Publikum so viele schwarze Gesichter auf einmal nicht zumuten wollte. Dass Little Eva für die Aufnahme ihres Riesenhits “The Loco-Motion” (von Carole King komponiert, für die sie babysittete) nur 50 Dollar bekam. Dass Solomon Burke mal beim Jahrestreffen des Ku-Klux-Klans auftreten musste. Dass Michael Jacksons “Bad” eigentlich ein Duett hätte werden sollen, aber Prince die Zeile “Your ass is mine” nicht gefiel. Oder dass Erykah Badu in Dallas Schwierigkeiten mit den Behörden bekam, weil sie für einen Videodreh nackt durch die Straßen zog.

Natürlich stehen vor allem die Entwicklung von Genres und Subgenres sowie die Karrieren großer Künstler im Vordergrund. Doch auch wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse verlieren Brüno und Bourhois nicht aus dem Blick. So erhält man einen guten Überblick über die Geschichte afroamerikanischer Musik, beginnend bei der Sklaverei, und ist auch in der Lage, Zusammenhänge herzustellen, die Bedeutung einzelner Songs in ihrem politischen und sozialen Kontext zu erkennen und die Entstehung von ganzen Genres wie Funk oder Hip Hop nachzuvollziehen. Dass die beiden dann auch noch jede Menge Platten-Empfehlungen abgeben, macht die Sache dann wirklich rund.

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Fazit: Lesenswert.

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