Eric Idle – Always Look On The Bright Side Of Life

Eric Idle - Always Look On The Bright Side Of Life (foto: hannibal verlag)

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8 Hannibal Verlag
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Ein Klassiker wird 40: Gerade um die Osterzeit wird wieder „Das Leben des Brian“ bundesweit über die Kino-Leinwand flimmern. Nicht nur eine der lustigsten Komödien aller Zeiten, sondern auch eine der provokantesten: Die Mitglieder der britischen Komikergruppe Monty Python galten spätestens nach der Premiere des Films (1979) als echte Bilderstürmer. In seiner kürzlich erschienenen, überaus empfehlenswerten Autobiografie “Always Look On The Bright Side Of Life” erzählt Python-Mitglied Eric Idle die Geschichte hinter dem Meisterwerk.

Es war ein Beatle, der die wohl teuerste Kinokarte der Welt gelöst hat. 4,5 Millionen Dollar – so viel ließ sich George Harrison die Komplett-Finanzierung von „Monty Python’s Life of Brian“ kosten. Der legendäre Gitarrist der Fab Four nahm dafür sogar eine Hypothek auf sein schmuckes Henley-Anwesen auf, verrät Python-Komiker Eric Idle in seiner gerade veröffentlichten Autobiografie „Always Look On The Bright Side Of Life“. Er rettete seinen Freunden damit das Projekt. Die EMI, ein britisches Filmstudio, das den Film zunächst drehen wollte, bekam nämlich am Ende doch kalte Füße, fand das Drehbuch „obszön“ und „frevelhaft“. Warum der Musiker so tief in die Tasche griff? Er wollte den Film damals einfach unbedingt sehen.

Das galt 1979 allerdings nicht für Jedermann. Heute würde man es wohl als „Shitstorm“ bezeichnen, was nach der Premiere der Komödie über Monty Python hereinbrach. Jüdische, katholische und protestantische Vereinigungen liefen Sturm, Idle erinnert sich in seinem Buch an 1000 Rabbiner, die in den Straßen New Yorks gegen den kontroversen Film protestierten, während in Los Angeles die Christen ihrem Ärger Luft machten. Und im Vereinigten Königreich wurde man damals wegen Blasphemie durchaus noch vor Gericht gestellt. Ein solches Projekt war für eine Künstlergruppe wie die Pythons also keineswegs ungefährlich. Aus Angst, die religiösen Gefühle der Zuschauer zu verletzen, verbannten viele Lichtspielhäuser in den USA den Film aus ihrem Programm. Ein Spiel, das sich auch im Vereinigten Königreich und dem Rest Europas vielerorts wiederholte. Und wie es bei solch heftigem öffentlichen Zinnober eben so ist: Während die einen vor Wut keiften und schäumten, waren die anderen nur umso heißer auf den Film. „Schweden machte Werbung damit, dieses Movie sei so witzig, dass die Norweger es nicht sehen dürften“, schreibt Idle feixend. 

In der Komödie geht es im Wesentlichen um Brian von Nazareth. Brian ist das Resultat einer geheimen Affäre der Jüdin Mandy Cohen und eines römischen Soldaten namens Nixus Minimax. Er kommt im Nachbarstall in der selben Nacht wie Jesus Christus zur Welt – und auch sonst tun sich in seinem späteren Leben erstaunliche Parallelen zum Sohnemann Gottes auf. So wird er irgendwann selbst für den Messias gehalten, muss sich aufdringlicher Jünger erwehren („Ich bin nicht der Messias!“ – „Ich sage, du bist es, Herr, und ich muss es wissen, denn ich bin schon einigen gefolgt“) – und am Ende hängt Brian wie Jesus Christus am Kreuz. Die Massenhinrichtung, während der Idle, als einer der Exekutierten, plötzlich das Lied „Always Look On The Bright Side Of Life“ anstimmt – sie gehört sicherlich zu den bekanntesten und kontroversesten Szenen der Komödie, die so letztlich auch eine tragische Dimension erfährt.

Die Idee zu dem Film entstand übrigens mehr oder weniger aus einer Sektlaune heraus. Als die Pythons 1975 gerade auf Promo-Tour zu ihrem Vorgänger-Film „Die Ritter der Kokosnuss“ waren, fragte ein Journalist Idle, was denn wohl der nächste Film der Pythons sein würde. Der antwortete spontan: „Jesus Christ, Lust for Glory (Jesus Christus, Lust auf Pracht)“. Die Kollegen fanden’s lustig, aus dem Spaß wurde schnell Ernst.

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Vor allem John Cleese hatte offenbar an der Idee, etwas zum Thema Religion zu machen, einen Narren gefressen. „Niemand hatte jemals etwas zu dem Thema gemacht. Für Comedy war das ein weißer Fleck“, schreibt Idle in seinem lesenswerten und mit viel Humor geschriebenen Buch. Allerdings zogen auch die Pythons für sich klare Grenzen. Christus selbst durch den Kakao ziehen? Ging nicht. „Wie kann man jenen Mann angreifen, der allen Menschen den Frieden kundtut, sich für die Sanftmütigen ausspricht und die Kranken heilt? Kann man eben nicht“, schreibt Idle. 

Brian gab daher den Ersatz-Mann. Das Problem des Christentums liege auch nicht in Jesus, sondern in seinen Anhängern, „die nämlich kein Problem darin sahen, sich gegenseitig im Handumdrehen oder besser im Dogma-Umdrehen umzubringen.“ „Das Leben des Brian“ wollte laut Idle vor allem die Profiteure von Religion ins Visier nehmen, jene also, die die Gläubigen zu kontrollieren versuchten – und versuchen.

Für die Pythons war „Das Leben des Brian“ eines der letzten Hurras. Es folgte nur noch ein weiterer Spielfilm („Der Sinn des Lebens“, 1983). Die Mitglieder der 1969 gegründeten Comedy-Truppe, die durch eine eigene Fernsehserie (bis 1974) und mehrere Spielfilme bekannt wurden, hatten sich schon längst immer häufiger anderen Projekten zugewandt. 1983 löste sich die Gruppe auf, weil es Graham Chapman (der den Brian spielte) gesundheitlich immer schlechter ging. Er starb 1989. Sie ahnen es, welches Lied auf seiner Beerdigung gespielt wurde.

Lesezeichen

Eric Idle
ALWAYS LOOK ON THE BRIGHT SIDE OF LIFE
EINE ART AUTOBIOGRAFIE

Übersetzung: Uli Twelker
Hardcover, 24 x 17 cm, 324 Seiten
mit 8 Seiten Bilderstrecke und zahlreichen weiteren Fotos
ISBN 978-3-85445-657-5
€ 23,00

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