Eric Andersen – Silent Angel: The Fire And Ashes Of Heinrich Böll

Eric Andersen - Silent Angel (foto: meyer records)

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Keine Frage: Der Singer-Songwriter Eric Andersen stand immer im Schatten seiner Zeitgenossen Bob Dylan oder Phil Ochs, die mit ihm seinerzeit das Greenwich Village musikalisch unsicher machten. Spannende Projekte hat sich der Mann aus Pennsylvania aber immer wieder vorgenommen. Mit “Silent Angel: The Fire And Ashes Of Heinrich Böll” legt er jetzt das Ergebnis eines solchen vor.

Autoren, Schriftsteller – sie haben es Eric Andersen offensichtlich angetan. 2014 beschäftigte er sich eingehend mit dem Werk des französisch-algerischen Literatur-Nobelpreisträgers Albert Camus. 2016 waren dann die Texten des exzentrisch-exzessiven britischen Dichters Lord Byron dran. Und nun hat er sich wieder einem Nobelpreisgeehrten gewidmet: Heinrich Böll.

Andersens Ziel ist das gleiche wie bei den Vorgängeralben: Er will jungen Leuten zum Teil beinahe vergessene Literaten und ihre Arbeiten zugänglich machen. “Heinrich Böll habe ich mir vorgenommen, weil für diesen individuellen Querdenker freiheitliche Demokratie alles war. Mal ehrlich: Was kann man jungen Menschen für andere Leitbilder als solche Leuchttürme der Literatur ans Herz legen? Na eben”, so Andersen.

Auf die Idee, sich ausgerechnet mit Böll zu befassen, kam Andersen an einem Februar-Tag, als er mit René, einem der Söhne des literarischen Großmeisters, in Köln einen Spaziergang machte. Böll überzeugte Andersen, seinem Vater ein musikalisches Denkmal zu setzen. Das Timing dafür könnte nicht besser sein, würde der großen Literat doch am 21. Dezember 100 Jahre alt, wäre er nicht bereits 1985 verstorben.

„An Böll hat mich fasziniert“, erklärt Andersen seine Begeisterung, „dass er als überzeugter Katholik zähneknirschend als Soldat in den Krieg zog und bis 1945 seinen Dienst leistete, einige Monate in amerikanischer Gefangenschaft war – um daraus als überzeugter Pazifist und Mann mit eindeutigen links-liberalen Überzeugungen herauszugehen.“

Die intensive Lektüre von Bölls Oeuvre ermöglichte es Andersen, dem Amerikaner, einen anderen Blick auf die von seinen Landsleuten besiegte Nation zu bekommen. Speziell die Bücher, die während des II. Weltkriegs oder unmittelbar danach spielen „eröffneten mir eine neue Perspektive, durchbrachen das alte Schwarz/Weiß-Denken“, erklärt Andersen. „Weil die Charaktere einfach erst mal Menschen waren, ohne dass dabei die NS-Ideologie aufgeweicht worden wäre. Und auch in anderen Böll-Romanen, die nicht mit Krieg zu tun haben, fasziniert die Transparenz der Charaktere, das zutiefst Humane.“

Ergossen hat sich Andersens Böll-Bewunderung in sechs ansprechende Folk-Songs, die allerdings nur 25 Minuten dauern. Inhaltlich spannend, decken die Titel doch so einige interessante Texte und Protagonisten aus Bölls Werken ab, mit einer wichtigen Botschaft, klar – musikalisch bekommt man aber das, was man bei Andersen eben so erwartet. Soliden Folk. Nicht mehr, nicht weniger.

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Fazit: Interessantes Projekt, aus dem man sicher mehr rausholen könnte. On a side note: Das ungeheuer unästhetische CD-Cover wirkt leider doch ziemlich abschreckend.

Anspieltipps: Silent Angel, Face Of A Clown

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