Erasure – World Be Gone

Erasure - World Be Gone (foto: mute)

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Sie haben den Pop der achtziger und neunziger Jahre maßgeblich mitgeprägt: Erasure. Mit ihrem neuen Album “World Be Gone” wagen die britischen Synthie-Popper einen düsteren, aber nicht gänzlich hoffnungslosen Kommentar zum aktuellen Welt-Geschehen. 

Keine Frage: Momentan wird der Musikmarkt mit Retro-Acts ja geradezu überflutet. Es wäre aber grundlegend falsch, Erasure als Teil der aktuellen 80s/90s-Comebackwelle zu verstehen. Denn: Eigentlich waren Andy Bell und Vince Clarke ja nie so richtig weg. Die beiden stehen seit 30 Jahren gemeinsam auf der Bühne, haben in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auch neues Material veröffentlicht. Sicher, das neuere Zeug hat nicht mehr die Durchschlagskraft wie zu Glanzzeiten des Duos, schlecht war es aber nie. Von einem Comeback zu sprechen wäre an dieser Stelle grundlegend falsch.

Auf “World Be Gone”, ihrem neuen Album, dem Nachfolger zum großartigen  “The Violet Flame” (2014), reflektiert das britische Duo in größeren Maße als zuvor die aktuelle Lage der Welt, ohne dabei aber nur schwarz zu malen. Das Albumcover deutet es bereits an: Die Galionsfigur des Schiffes in schwerer See trotzt den Wellen und blickt unbeirrt in die Zukunft. Vince Clarke kommentiert: “Obviously the current political climate lends itself to lots of ideas”, und Andy Bell nimmt den Faden auf: “I think there’s an underswell of opinion, and people are slowly waking up. I’m hoping that people will take the album in a positive way, that they’ll use it as optimistic rabble-rousing music”

Die Platte legt gleich mit der Single “Love You To The Sky” los, die zwar unheimlich eingängig, aber zweifellos auch ein bisschen kitschig ist. Aber der Kitsch gehörte bei Erasure ja auch immer irgendwo zum Grundkonzept. Zum guten Ton. Und: Der Opener ist schwer radiotauglich.

Nach dem schwungvollen Opener wird es etwas wolkenvergangener. Die Ballade “Be Careful What You Wish For” ist zwar auch alles andere als sperrig und fräst sich schnell ins Ohr, kommt aber um einiges nachdenklicher daher als Song Nummer eins. Mit “World Be Gone” geht es melancholisch weiter, der Track verhandelt die Themen Nostalgie und Verlust. “A Bitter Parting” schlägt in die gleiche Kerbe.

Dann werden Erasure politisch. “Still It’s Not Over” hat mit seinem trotzigen Refrain das Zeug zur Gay-Rights-Movement-Hymne. Ein Song, der etwas Hoffnung spendet. Das kann auch das Liebeslied “Sweet Summer Loving”, in dem Andy Bell den Tod seines Partners und das Finden einer neuen Liebe thematisiert.

Das überaus düstere “Oh What A World” ist dann sicherlich die untypischste Erasure-Nummer auf der Platte. Ein Song, in dem es um das große politische Ganze geht, das Bell hier mit fast robotergleicher Stimme kommentiert.

Bockstark dann nochmal: das gefühlvolle, ja geradezu verzweifelte “Lousy Sum of Nothing”. Wäre ein genialer Schlusspunkt gewesen, doch leider darf die Nummer ihn nicht setzen. Stattdessen ist dieses Recht dem Closer “Just A Little Love” vorbehalten. Ein recht überflüssiger Upbeat-Track, der aber noch Mal das Licht anknipst.

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Fazit: Großartige Platte.

Anspieltipps: Love You To The Sky, World Be Gone, Still It’s Not Over, Oh What A World, Lousy Sum Of Nothing

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