Courtney Marie Andrews – May Your Kindness Remain

Courtney Marie Andrews - May Your Kindness Remain (foto: loose music)

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8 Loose Music / Rough Trade
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Nur ein knappes Jahr nach ihrem Durchbruch mit “Honest Life” legt die amerikanische Singer-Songwriterin Courtney Marie Andrews mit “May Your Kindness Remain” den mit viel Vorfreude erwarteten Nachfolger vor.

Wir erinnern uns: Im vergangenen Jahr wurde Courtney Marie Andrews mit ihrem Album „Honest Life“ mehr oder weniger über Nacht zum Star. Zumindest fühlte es sich für das Publikum so an. In Wirklichkeit aber hatte die Gute da mehr als zehn Jahre im Business hinter sich, startete sie ihre Karriere doch bereits im zarten Alter von 16 Jahren. Wie dem auch sei: Gerade in Großbritannien war man plötzlich ganz versessen auf die gute Courtney, auch die Fachpresse überschlug sich geradezu vor Begeisterung wegen dieser Amerikanerin, die mit ihrer Mischung aus Indie, Folk, Rock und Country verzauberte.

Nun legt die Musikerin aus Phoenix/Arizona, nein, nicht Album Nummer zwei, sondern Album Nummer vier vor. Die spannende Frage: Kann sie das Niveau von “Honest Life” halten? Klare Antwort: Ja, sie kann. Es sind vor allem die Geschichten, die den Reiz des Albums und seiner zehn Songs ausmachen. Wie in “Border”, das von einem Sheriff erzählt, dem Andrews während ihrer Zeit in einer Pizza-Bäckerei in Arizona begegnete. Ein Mann von großer Kaltblütigkeit, der Gefangene misshandelt und dem Racial Profiling gefrönt haben soll. Andrews hat den Song aus Sicht eines mexikanischen Immigranten geschrieben, sich in seine Lage versetzt und eine Ode an die Empathie geschrieben.

Stichwort Empathie. Speisten sich die Themen auf dem 2017er Durchbruchsalbum eher aus ihrem eigenen rastlosen Tourleben – es ging vor allem um Isolation und Heimatlosigkeit -, so richtet Andrews den Blick nun mehr nach außen denn nach innen. Über das Album, dessen Songs vor allem on the road entstanden, sagt Andrews: „Die Menschen, die ich in den letzten Jahren auf Tour getroffen habe, haben mich zum Nachdenken gebracht, über meine Kindheit und die Menschen um mich herum und über die Geschichten meiner Familie. Es wurde mir klar, wie viele Menschen sich mit den gleichen Problemen quälen. Die Leute jagen ständig diesem größeren Leben hinterher. Viele sind arm in Amerika – und wegen dieser unerreichbaren Ziele sind sie auch psychisch instabil oder traurig oder deprimiert oder unerfüllt. Viele Menschen – mich eingeschlossen zu einem bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben – lieben während dieses Prozesses jemanden. Das ist das Thema der Platte: Mit Depression und der Realität der Welt, in der wir leben, umzugehen.“

Ihre Botschaften hat Andrews dabei wieder in ein Country-Folk-Gewand verpackt, das dank seiner Indie-, Gospel-, Soul- und Rock-Anleihen jederzeit modern wirkt. Unterstützt wurde sie im Studio dabei von Produzent Mark Howard (Lucinda Williams, Bob Dylan, Emmylou Harris, Tom Waits), mit dem sie das Album innerhalb von acht Tage in einem zum Studio umfunktionierten Wohnhaus in Los Angeles aufgenommen hat, und ihrer Band, die aus Dillon Warnek (E-Gitarre), Daniel Walter (Orgel, Wurlitzer, Akkordeon), Charles Wicklander (Piano, Wurlitzer), William Mapp (Drums, Percussion), Alex Sabel (Bass) und C.C. White (Background-Vocals) besteht.

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Fazit: Großartige Platte mit positiver Botschaft.

Anspieltipps: May Your Kindness Remain, Border, Took You Up, Kindness Of Strangers

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