Zurückgespult: 50 Jahre Audiokassette

Happy Birthday! (foto: wikipedia)

Die Audio-Kassette ist dieser Tage 50 Jahre alt geworden. Grund genug für unsere Redaktion, in Erinnerungen an ein ganz besonderes Musik-Medium zu schwelgen.

Timo Leszinski (Jahrgang 1979): Es muss so ungefähr zu der Zeit gewesen sein, als Raider gerade in Twix umbenannt worden war: Jeden Sonntagabend klebte mein Ohr am Lautsprecher meines Doppelkassettendecks und der Finger ruhte auf der Record-Taste – bereit sich zu senken, sobald die Musik von heute längst vergessenen Dancefloor-Helden wie Twenty-4-Seven oder Technotronic erklang. Die „Hitline“ auf SWF3, wie der Sender zu jener Zeit noch hieß, war für mich ein Pflichttermin. Galt es doch, 90 Minuten Leerkassette (meistens von BASF) möglichst geschmackvoll zu füllen. Die Kunst bestand darin, möglichst wenig des Moderationsgelabers von Elmar Hörig vor und nach den jeweiligen Songs mit aufzunehmen. Gegen den Super-GAU, nämlich wenn Snaps „The Power“ jäh von einer Falschfahrerwarnung unterbrochen wurde, war aber auch der flotteste Aufnahmefinger machtlos.

Benjamin Fiege (1983): Ich schließe mich meinem Vorredner an: Der Finger auf der Record-Taste – das war mehr als bloßes Handwerk. Zumindest, wenn man das Geräusch vermeiden wollte, das auf dem Band entstand, sobald man die Aufnahme-Tasten drückte. Und das wollte man vor allem dann tunlichst vermeiden, wenn man das Band später verschenken wollte. Meist natürlich an das weibliche Objekt der Begierde zu eben jener Zeit. Statt wie Hans Doof einen ungelenken Liebesbrief zu schreiben, fand ich es damals cooler, meine Gefühle durch ein selbst erstelltes Mixtape sprechen zu lassen. Viel Arbeit und Hirnschmalz steckte ich damals in die Erstellung einer perfekten Playlist. Ex-MTV-Moderator Markus Kavka, selbst ein großer Mixtape-Fan, sagte mal ganz richtig: „Mixtapes sollen viel über ihren Macher aussagen, dabei aber gleichzeitig Interesse an und Respekt vor der beschenkten Person signalisieren.“ Schwierig, schwierig. Man hatte zudem auf so einem Band ja auch nur begrenzt Platz, und weder sollte ein Lied am Ende abgeschnitten werden, noch sollte am Ende einer Seite zu viel Luft übrig bleiben. Die englischen Songtitel- und texte sollten keinesfalls missverständlich, aber auch nicht zu platt sein. Und anschließend setzte man sich dann hin, gestaltete im Schweiße seines Angesichts liebevoll ein Cover und überreichte das Ganzen seiner Liebsten. Gespannt auf die Reaktion der Dame, die man im Vorfeld irgendwo zwischen Euphorie und unverhüllter Bewunderung orakelte. Gut, die Realität sah dann eher so aus: Mehr als ein vernichtendes „Mhm, schön“ kam selten dabei rum. Mhm, schade.

Paul Urbanski (1988): Ich kann mich meinen beiden Vorschreibern nicht anschließen. Das liegt wohl am Geburtsjahr, welches ein paar Jahre nach denen der Kollegen liegt. Bei mir diente die Kassette der bloßen Unterhaltung. „ TKKG“ – die Fälle der vier Detektive Tim, Karl, Klößchen und Gaby waren der klare Favorit. Folglich wurde natürlich nicht „Die drei ???“ gehört. Das passte nicht zusammen – entweder, oder! Einschlaffördernd waren die Geschichten der vier Freunde nicht immer, zu spannend waren sie aus der Sicht eines kleinen Jungen. Nervig, wenn die Seite plötzlich zu Ende war und man sich aus dem Bett quälen musste, um die Kassette umzudrehen. Inzwischen schlummern die „ TKKG“-Kassetten friedlich im Keller und warten auf die nächste Generation. Sinnvoll wäre es gewesen, ein Abspielgerät gleich mit einzumotten. Denn wer weiß, ob es – wenn es mal so weit ist – noch Kassettenrekorder zu erschwinglichen Preisen zu erwerben gibt. Vielleicht haben sie dann bereits Nostalgiewert und sind dementsprechend teuer.

Joerg Schifferstein (1966): Wenig schlaffördernd, das waren die Kassetten mit den Geschichten von „Bibi Blocksberg“ – oder „Benjamin Blümchen“ – für meine etwa zehn Jahre jünger Kusine, für die ich gegen ein kleines Taschengeld als Jugendlicher „Babysitter“ spielen durfte. „Leg ihr einfach eine Kassette ein, sie schläft dann ein“, versprach meine Tante. Vor wegen, nach rund 30 Minuten stand die vierjährige Susi in der Tür und machte mit dem Wort: „Umdrehen!“ klar, dass Einschlafen längst nicht angesagt war. Meist hab ich in diesen Nächten mehrfach umgedreht, bis sie schlief – wahrscheinlich rührt daher meine Vorliebe für die Langspielplatte und für Spätabend-Serien.

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