Yannik Rubeck über seinen DSDS-„Ausraster“

Yannik Rubeck aus Carlsberg. (foto: rtl/ 'Alle Infos zu 'Deutschland sucht den Superstar' im Special bei RTL.de: http://www.rtl.de/cms/sendungen/superstar.html)

„Weil ihn die DSDS-Jury nicht wollte: Leberwurst-Sänger Yannik flippt aus“; „Pfälzer Yannik Rubeck pöbelt gegen Jurychef Dieter Bohlen“ – die Schlagzeilen nach seinem Auftritt bei der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“, der am Samstag ausgestrahlt wurde, hatte sich der 19-jährige Carlsberger Yannik Rubeck vorab anders ausgemalt. Der junge Musiker fühlt sich von RTL ungerecht behandelt und nicht korrekt dargestellt.

Eigentlich würde Yannik Rubeck derzeit am liebsten die Schotten dicht machen. Das Telefon steht seit Samstag nicht mehr still, Medien reißen sich um Interviews, jeder will die vermeintliche Skandalnudel ins Blatt, auf den Sender oder die Webseite bekommen. „Ich hatte alleine heute schon mehrere Interviews mit Radiosendern“, sagt Yannik seufzend. Dazu läuft seine Facebook-Seite mit Kommentaren über. Mal unterstützend („Ich fand den Auftritt witzig. Nimm die Kritik nicht zu ernst, die wollen vor allen Dingen eine Show machen, über die man spricht… und das ist denen wieder mal gelungen“), mal kritisch („Mensch Junge, im Gegensatz zu Facebook kann man im wahren Leben nicht alles löschen und ausblenden, was einem nicht passt. Denke diese Lektion solltest Du ganz dringend lernen (…)“), mal böse („un dir is hoffentlich klar das du alle pälzer damit in den dreck gezogen hast un die jetzt n schlechtes bild von uns haben!“).Aber was war passiert? Warum all die Aufregung, warum dieser mediale Shitstorm?

Alles begann mit einem „Hallihallöchen.“ Die DSDS-Jurymitglieder staunten nicht schlecht, als da plötzlich ein gut gelaunter Pfälzer stand, der ihnen erstmal ein paar selbst geschmierte Leberwurst-Schnittchen kredenzen wollte. „Wichtig ist, beim ersten Refrain einmal ins Brot beißen. Zuhören. Beim zweiten Refrain das zweite Mal ins Brot beißen und wenn es euch gefallen hat, aufessen“, preist Yannik die kulinarische Köstlichkeit an. Ohne Erfolg. Übertrieben angewidert reichen Dieter Bohlen, Vanessa Mai, Schlagersängerin Michelle und Scooter-Frontmann H.P. Baxxter die Schnittchen unangetastet weiter. RTL versucht, den Leberwurstgeruch durch animierte, rotzgrüne Duftschwaden zu unterstreichen.

Passend dazu gibt Rubeck schließlich den Song „Lewwerworscht“ von den „Anonyme Giddarischde“ zum Besten. Die Performance? Stößt bei der Jury auf ähnlich wenig Gegenliebe wie die Worschd-Platte. „Wir brauchen ja Sänger, aber Du kannst nicht singen. Deine Stimme klingt scheiße“, ätzt Bohlen. „Auch ich könnte mit der Stimme so jetzt nicht viel anfangen“, kritisiert Baxxter. „Ach Gott, da habt ihr aber schon einige weitergelassen, die da …“, entgegnet Rubeck seinen Kritikern und handelt aus, dass er sich zumindest noch an dem Udo-Jürgens-Titel „Mit 66 Jahren“ versuchen darf, ehe die Jury den Daumen endgültig senkt. Der Versuch misslingt. Daumen runter. Bohlen: „Deine Stimme klingt schrott.“

Einstimmige Meinung der Jury: Yannik fliegt raus. „Trotzdem danke schön. Ihr werdet den nächsten Superkiffer oder Superjunkie oder Superkriminellen finden“, stichelt Yannik beim Rausgehen. Eine Anspielung auf DSDS-Teilnehmer Severino Seeger, der nach seinem Sieg wegen Betrugs verurteilt wurde. Bohlen kontert: „Woher soll ich das wissen? Der (Severino, Anm. d. Red.) kommt hier rein, stellt sich dahin und singt, dass ich tot umbreche. Der stand dort genauso wie du. Vielleicht hast du deine Oma heute Nacht erschlagen, weiß ich doch noch nicht.“ Yannik gibt der Jury die Hand und verschwindet. Vor dem Studio wartet bereits ein Kamerateam, doch Yannik möchte nun nicht interviewt werden und verlässt mit seiner Begleitung das Gebäude. Ein Kamerateam folgt ihm aufdringlich, Yannik wird’s zu bunt: „Halt’s Maul!“, fährt er das Kamerateam an. Bohlen kommentiert: „Man hat gedacht: Was für ein netter Junge. Dann kriegt er nicht den Spruch, den er gerne hören möchte, und sofort entpuppt er sich als größtes Arschloch.“

Harte Worte. Und eine Bloßstellung vor fast fünf Millionen Zuschauern.

„Das ,Halt’s Maul’ hätte ich mir schenken können“, sagt Rubeck rückblickend. Aufgezeichnet wurde die Sendung ja bereits im vergangenen Herbst, ausgestrahlt wurde sie jedoch erst jetzt. Allerdings habe man im Fernsehen nicht gezeigt, wie aggressiv und aufdringlich das Kamerateam Rubeck bis zum Ausgang verfolgt habe. Ein Sicherheitsmann habe ihn gar am Arm gepackt.

Nicht die einzige Szene, die laut Rubeck der Schere zum Opfer fiel. „Ich hatte die Kritik der Jury eigentlich ganz gut weggesteckt. Mir ist erst der Kragen geplatzt, als mir Bohlen ,Du bist eine Schande für deine Eltern’ an den Kopf geworfen hat. Darauf konterte ich mit dem Superjunkie-Spruch. Bohlens Satz haben sie geschnitten, meine Antwort darauf drin gelassen. Und plötzlich stehe ich da, als sei ich aggressiv gewesen, als wäre ich ausgerastet“, sagt Rubeck, der das für ein böses Spiel hält. „Die wissen natürlich ganz genau, wie sie einen mit der entsprechenden musikalischen Untermalung dastehen lassen können“, sagt er.

Die Leberwurst-Platte sei nicht seine Idee gewesen, damit sei die Produktionsfirma um die Ecke gekommen. „Als echter Pfälzer hätte ich sonst natürlich keine Kalbsleberwurst aufgetischt“, sagt er lachend. Viel lieber hätte er an diesem Tag „Wolke vier“ gesungen statt „Lewwerworscht“, sagt er . Nachdem er sich im Fernsehen angesehen hat, sei er überdies sicher, dass man seinen Auftritt mit einem Audio-Filter nachbearbeitet und so beispielsweise die Gitarre verzerrt habe.

Dass bei DSDS mit derlei Filtern gearbeitet werde, weist RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer zurück – ebenso wie den Umstand, dass ein solcher bei Yannik eingesetzt wurde: „Nein! Nein!“. Die Idee mit der Leberwurst-Platte sei Rubeck auch nicht aufgedrängt worden, sondern mit ihm gemeinsam bei einem Workshop entwickelt worden. Und der Lewwerworscht-Song? Musste Yannik den singen? „Die Kandidaten schlagen mehrere Songs vor und können auch mehrere singen. Yannik hat ja auch noch Udo Jürgens neben dem Lewerworscht-Song gesungen“, schreibt Eickmeyer.

Die RTL-Sprecherin räumt allerdings ein, dass Yanniks Auftritt geschnitten wurde, geht allerdings nicht darauf ein, was genau der Schere zum Opfer fiel: „Natürlich wurde der Auftritt von Herrn Rubeck geschnitten, so wie die ganze Sendung und alle Auftritte geschnitten sind (seit 13 Staffeln!) Wir können schon aus Zeitgründen nicht alles eins zu eins zeigen und müssen die Aufnahmen kürzen.“

Stichwort Zeit. Yannik hofft nun, dass bald Gras über die Sache wächst. Die vielen Negativ-Kommentare gehen zum Teil schon unter die Haut. Allerdings durfte er auch Positives in den vergangenen Tagen erfahren. Seine neue Single „Vergangene Zeiten“ habe sich seit Samstag ganz gut verkauft. Und froh ist er auch über die Leute, die ihn unterstützen. Darunter viele Veranstalter. Yannik: „Meinen Supportern möchte ich hier Danke sagen. Das tut echt gut.“