Wanda – Niente

Wanda - Niente (foto: universal music)

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6 Universal Music

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Viel Tamtam und Zinnober gab es im Vorfeld der Veröffentlichung des dritten Wanda-Albums „Niente“. Viel Lärm um wenig.

Schafft auch nicht jeder: Mit „Amore“ gelang der österreichischen Rockband Wanda 2014 direkt ein Instant Classic. Dem Debütalbum folgte eine Mammut-Tour und mit „Bussi“ 2015 ein nicht minder erfolgreicher Longplayer. Wanda entwickeln sich in einer Zeit, in der Gitarrenmusik doch irgendwie out zu sein schien, zu einem popkulturellen Phänomen. Der Schriftsteller Rainald Goetz zitierte die Band sogar in seiner Dankesrede für den Georg-Büchner-Preis im November 2015 und bezeichnet sich als jemanden, der auch „für Amore steht“. Der „Musikexpress“ nannte die Kapelle „die vielleicht letzte wichtige Rock’n’Roll-Band unserer Generation“ – und liegt damit gar nicht so falsch.

Klar, Wanda polarisieren. Während die einen im Chor Lobeshymnen anstimmen, bekritteln die anderen die alkoholgeschwängerte Macho-Musik, für die die Gruppe um Marco Michael Wanda ja auch zweifellos steht. Aber eins steht fest: Egal ist die Gruppe keinem. Man liebt sie oder man hasst sie. Und so war das Tamtam im Vorfeld der Veröffentlichung von „Niente“, dem nunmehr dritten Studioalbum der Österreicher, entsprechend groß. Nie klang die Band melancholischer, nie düsterer, wurde im Vorfeld geunkt, obwohl der Tod ja schon immer ein Thema in den Texten der Gruppe war.

Nun liegen die zwölf neuen Nummern also vor, und: Eigentlich ist fast alles wie immer. Die großen wichtigen Themen der Vorgänger finden sich auch auf “Niente“ wieder: Wien, Schmäh, Kindheit, Tod und Leidenschaft. Das riecht immer noch nach Schweiß und Lederjacke, nach Liebe und Schmerz, und ist verpackt in wunderbare Melodien. Typisch Wanda eben. Nur: Die Texte wissen diesmal leider oft nicht zu überzeugen, sind oft zu simpel gehalten. In manchen schlimmen Momenten („Einfacher Bua“) wird man sogar an Andreas Gabalier erinnert.

Positiv sticht jedoch die tiefsinnige Vorab-Single „0043“ heraus, eine wunderbare, versponnene Ballade mit klischeefreiem Streicher-Einsatz, die vom Erwachsenwerden handelt und einen sich wehmütig an Kindheitstage zurückerinnern lässt – und bei der Wanda eine ganz neue Facette ihres Könnens zeigen. „Das Ende der Kindheit“ spielt auch in dem gleichnamigen Song eine große Rolle, einem Musik gewordenen Plädoyer gegen Förmlichkeit und Sachlichkeit, aber bei weitem nicht so stark wie „0043“.

Spaß macht auch das ebenfalls als Single veröffentlichte, unheimlich eingängige und nachdenkliche „Columbo“, das sich mit dem Thema Binge-Watching und seinem Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehung beschäftigt („Heute gehen wir gar nicht raus/Wir ziehen den Pyjama aus/Nur wir zwei/Wie im Traum/Und Columbo schauen/Deine Angst und meine auch/Alles liegt auf deinem Bauch/Nur wir zwei/Wie im Traum/Es wird eine schöne Lösung sein/Doch wir beide passen nicht hinein“).

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Fazit: Nicht so stark wie die Vorgänger.

Anspieltipps: 0043, Columbo, Das Ende der Kindheit

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