The List: Tops und Flops der Redaktion – Xmas-Songs

Alle Jahre wieder nerven sie uns oder versetzen uns in fröhlich-besinnliche Stimmung: Weihnachtslieder. Die Neon-Ghosts-Redaktion listet für euch ihre Tops- und Flops der Xmas Songs auf – und wünscht euch frohe Weihnachten.

Benjamin Fiege

Tops: Schwierige Entscheidung. Zuerst war ich versucht, hier Elvis Presleys „Blue Christmas“  zu nennen, vor allem in der 68er-Comeback-Version. Am Ende habe ich mich aber für das deutlich stimmungsvollere und fröhlichere „Put a little love in your heart“ entschieden. Annie Lennox und Al Green nahmen das Stück 1988 für den Soundtrack von „Die Geister, die ich rief“ („Scrooged“) auf, einer modernen Variante des „Scrooge“-Märchens mit Bill Murray (Gott!) in der Hauptrolle. Ein Film, der in der Weihnachtszeit traditionellerweise für mich zum Pflichtprogramm gehört. Kurioserweise haben sich Lennox und Green aber weder bei den Aufnahmen oder dem Videodreh getroffen.

Flops: Deutlich leichtere Entscheidung. Und nein, es ist überraschenderweise nicht „Last Christmas“. Das Lied geht mir zwar auch auf den Zeiger, aber das vor allem aus dem Grund, weil man meist schon Ende August mirnichtsdirnichts aus dem Radio damit ange-wham!-t wird, was dann ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass wenige Stunden später die ersten Lebkuchen in den Supermarktregalen stehen. Nein, mein nervigstes Weihnachtslied ist „Christmas in my heart“ von Sarah Connor. Peinlich schnulzig. Auch das Video. Da werde ich lieber ange-wham!-t. Selbst Ende August.

Sandra Anika Elgaß

Top: „Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Eve“ von Get Well Soon. Konstantin Gropper, Jahrgang 1982, ist einer der faszinierendsten deutschen Künstler aller Zeiten. Im heimischen Schlafzimmer, komplett auf seine Fähigkeiten vertrauend, produzierte er seine ersten EP’s und sein Debütalbum Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon parallel zum Studium an der Mannheimer Popakademie. Die Instrumente spielte er dabei einfach fast alle (!) selbst ein. Und mit einer Stimme wie warmer Schokomousse (mindestens 80 Prozent Kakao) und meist melancholischen Texten jagt er mir mit schöner Regelmäßigkeit wohlige Schauer über den Rücken. So auch sein Song “Listen! Those lost at Sea sing a Song on Christmas Eve” aus dem Jahr 2008 (Album: Songs against the Glaciation). Das wunderschöne Unterwasservideo von den Marinesoldaten, die Weihnachten im U-Boot von ihren Familien getrennt verbringen, begleitet von Musik, die Sonar-Klänge und Wahlgesänge andeutet, und die Textzeile „We’re holding on /
We’re not gonna be lost“ – wer geliebt wird, wird nie verloren sein, egal was passiert: Gibt es eine schönere Botschaft zum Fest der Liebe?

Flop: „Weihnachtssong“ von Sido. Wenn ich „Last Christmas“ von Wham! im Radio höre, kotze ich aus dem Fenster. Da das aber hoffentlich den allermeisten Menschen so geht, küre ich, um etwas Abwechslung in die Sache zu bringen und subtil anzudeuten, dass es eine Menge Würgreiz hervorrufender Weihnachts-Geldmache-Lieder gibt, den „Weihnachtssong“ von Sido zu meinem nervigsten Weihnachtslied aller Zeiten. Eigentlich vergebe ich ja allen Projekten, die Unvereinbares – wie Gangster-Rap und Weihnachtslied eben – zusammenbringen und denen ich dabei ein klein wenig ironischen Umgang mit sich selbst andichten kann. Wenn sie gut gemacht sind. Doch hier: Text, Musik, Video, Ton: Alles lieblos und gelangweilt hingerotzt. „Wer cool sein will, der geht raus in den Wald, sucht nach so nem Kerl in Rot und macht ihn kalt“. Noch Fragen?

Julia Plantz

Top: Judy Garland, „Have yourself a merry little christmas“: Weil es so schön traurig ist. Und weil Judy verspricht: Next year all our troubles will be out of sight

Flop: Sarah Connor, „Leise rieselt der Schnee“: Weil der See „still und starr“ liegt. Und nicht „ stiiill und sta-har“. Stellvertretend für alle „verjodelten“ Weihnachtsklassiker.

Natalie Sudermann

Top: Den Titel „liebster X-Mas-Song“ muss ich an zwei Lieder vergeben. An das traditionelle spanische Weihnachtslied „Peces“ in der Fassung der Kelly Family. Weil es ganz anders klingt als das typische Christmas-Gedudel. Weil man automatisch mitwippt und mitsingt, auch wenn man kein Spanisch kann. Weil es klingt, wie Weihnachten sein sollte: nach einem fröhlichen, unbeschwerten Fest mit Familie und Freunden. Und an den Song, der das genaue Gegenteil ausdrückt: „River“. Herrlich melancholisch. Und wer hat vor Weihnachten noch nie so gefühlt wie Joni Mitchell und wollte noch nie dem Feiertagstrubel entfliehen? Tipp: Auf Youtube die Fassung von Robert Downey Jr. anhören.

Flop: Das nervigste Weihnachtslied? Die Auswahl ist groß: „Jingle Bells Rock“? „Rudolph the Red-Nosed Reindeer“? „Driving Home For Christmas“, dieses angestrengt entspannte Gedudel? Mariah Careys „All I Want For Christmas Is You“, oder doch der Kandidat No. 1, Whams “Last Christmas”? Wobei man bei letzteren gar nicht so genau sagen kann, was an ihnen so stört – es ist eher die Endlosschleife, in der die Songs jedes Jahr ab Ende November gespielt werden, die sie so nervtötend macht. Vorschlag: Wir machen aus diesem Weihnachten das vorerst letzte Weihnachten für George Michael & Co. und schicken die am häufigsten gespielten Weihnachtssong in eine Zwangspause. Dann können wir uns in 10 oder 20 auch wieder freuen, wenn wir sie im Radio hören.

Miriam Diaz Gomez

Top: Mein Lieblingssong ist „Feliz Navidad“ von José Feliciano. Warum? Weil es mich sehr an meine Eltern erinnert.

Flop: Der nervigste Song ist für mich „Last Christmas“ von Wham!, weil es einfach nur noch nervig ist.

Lin Franca Brylla

Top: Neil Sedaka „Oh! Carol!“. Niemals zuvor hat sich ein Künstler so leidenschaftlich mit dem Thema Weihnachtslieder beschäftigt. Wenn Neil Sedaka singt „Oh! Carol / if you leave me / I will surely die“ kommt bei mir an, dass er Weihnachtslieder wirklich liebt und „Oh! Carol“ hat es verdient, als mein liebster Xmas Song bezeichnet zu werden.

Flop: „Christmas is all around“ von Billy Mack. Nervlevel: bis zur Christbaumspitze. „If you really love Chrismas / come on and let it snow“ Really?? Was ist das denn für ein rührseliger Mist? Außerdem konnte sich Billy Mack nie den Text richtig merken; was wohl auch daran liegt, das „Christmas“ rein silbentechnisch gar nicht in das Lied passt!

 

Grafik: Miriam Diaz Gomez

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