The Verve – Urban Hymns

The Verve - Urban Hymns (foto: virgin music)

Our Rating

9 Virgin Music

9

Mit „Urban Hymns“ gelang The Verve eines der prägendsten Alben der neunziger Jahre. Zum 20. Geburtstag, den die Platte am 29. September feiert, wird die Scheibe in mehreren Varianten neu aufgelegt.

Wer die neunziger Jahre nicht unter einem Stein lebend verbracht hat, der wird sich an das ikonische Musikvideo zu „Bittersweet Symphony“ erinnern. Geht gar nicht anders. Der Clip zeigt The-Verve-Frontmann Richard Ashcroft, wie er eine Straße entlang läuft. Wobei, was heißt hier „läuft“? Der Mann bricht sich vielmehr Bahn, rempelt sich gleichgültig und völlig rücksichtslos links und rechts den Weg frei. Und wenn ein Auto im Weg steht, dann latscht er eben einfach drüber. Kann man mal so machen. Das Video will sagen: Hier ist einer, der seinen Weg geht. Koste es, was es wolle.

Es ist natürlich vor allem diesem Song zu verdanken, dass The Verve im Jahr 1997 mit ihrem Album „Urban Hymns“ so durch die Decke gingen. Doof nur: Wirklich Kohle verdienten die Jungs mit ihrem größten Hit nicht. Der Track enthielt nämlich ein Sample eines Rolling-Stones-Songs, es gab einen Lizenzstreit, den die Plattenfirma der Rock-Dinos auch gewann, weshalb Jagger & Co. alle Einnahmen aus dem Song in die eigene Tasche stecken konnten.

Dennoch: Es ist ein gnadenlos gutes Album, das The Verve da 1997 vorgelegt haben. Eines, das den Zeitgeist atmet, eines, das mit einem gewissen Tiefgang daher kommt und trotzdem kommerziell erfolgreich war. Der Longplayer gehört völlig verdient zu den 20 meistverkauften Alben Großbritanniens (mit 11-fach Platinstatus) und verkaufte weltweit über zehn Millionen Exemplare. Den Geburtstag darf man daher also schon Mal feiern. Zumal es die Platte fast gar nicht gegeben hätte. Kurze Zeit zuvor schien die Band nämlich am Ende, Sänger Richard Ashcroft versank im Drogensumpf, alle Zeichen deuteten auf eine endgültige Trennung hin – und dann stieg die Band mit dem Album wie Phönix aus der Asche.

Neben dem Britpop-Klassiker „Bittersweet Symphony“, der damals zum Sommerhit avancierte (ja, so klangen damals Sommerhits!!) und im Soundtrack zum Film „Eiskalte Engel“ Verwendung fand, koppelten die Brit-Popper auch die autobiografische, teils von Streichern getragene Ballade „The Drugs Don’t Work“ und „Lucky Man“ aus. Klar, vor allem die beiden ersten Songs überstrahlen den Rest in der Retrospektive. Dabei sind die anderen neun Songs auch nicht von schlechten Eltern. „Sonnet“ und „Space in Time“ etwa – zwei wunderschöne Balladen. Psychedelisch kommen „The Rolling People“, „Neon Wilderness“ und „Catching The Butterfly“ daher, während die Band bei „This Time“ den Funk auspackt.

Ein Ausreißer nach unten allerdings: das etwas lahme „Velvet Morning“, das nicht so richtig weiß, wo es hin will. Gut, dass der Rocker „Come On“ das Tempo am Ende dann noch Mal anzieht.

Virgin/USM veröffentlicht diesen Klassiker nun erneut und das in mehreren Varianten. „Urban Hymns“ kann man sich also nun als CD, Deluxe-Doppel-CD, als Super Deluxe 5-CD+DVD-Box und als Vinyl-Box mit drei Doppel-LPs zu Gemüte führen. Je nachdem, was der Geldbeutel gerade so hergibt. Wie schon bei den 2016 erschienenen Super Deluxe-Reissues von „A Storm In Heaven“ und „A Northern Soul“ übernahmen auch hier Chris Potter, Co-Produzent von „Urban Hymns“, und Tony Cousins von Metropolis das Remastering und Mixing.

Enthalten ist gerade in der Top-Variante natürlich jede Menge Bonus-Material: Alle zu dem Album gehörigen B-Seiten sowie drei Stunden bisher unveröffentlichtes Livematerial, darunter auch der komplette, fulminante Auftritt vor 35.000 Fans in der The-Verve-Heimatstadt Wigan im Mai 1998. Neben den fünf CDs enthält die neue Super Deluxe-Box auch eine DVD, die unter anderem die Dokumentation „The Video 96-98“ enthält, die es bisher nur auf VHS gab. Weiterhin bietet die umfangreiche Box ein 56-seitiges gebundenes Buch, ein Poster und 5 Postkarten. In dem Buch gibt es neue Interviews mit der Band. Daneben erscheint auch eine 2CD Deluxe Edition mit dem digital optimierten Album auf CD 1 und dem unveröffentlichten Liveauftritt auf der zweiten Disc.

Die Vinylversion (3x2LPs-Box) befindet sich in einem Klappcover und enthält ein 20-seitiges Booklet und eine Download-Card, mit der die Käufer alle Audio-Dateien von der Super Deluxe Box herunterladen können. Die LPs bieten das remasterte Album, B-Seiten und das Livekonzert.

Alle physischen Formate umfassen viele, bisher unveröffentlichte Fotos von Chris Floyd, der auf der US-Tour 1994 zum ersten Mal mit The Verve unterwegs war und danach fast uneingeschränkten Zugang zur Band hatte. Seine Aufnahmen zeigen die Musiker im Studio, auf der Bühne, Backstage, beim Relaxen, beim Videodreh und im Tourbus.

ANZEIGE

Fazit: Ein moderner Klassiker. Da lohnt sich der tiefere Griff in den Geldbeutel.

Anspieltipps: Bittersweet Symphony, The Drugs Don’t Work, Lucky Man, Sonnet, Space in Time,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.