The List: Remembering Ray Charles

Ray Charles (foto: wikimedia/ABC records)

„The High Priest of Soul“, „The Genius“: Man hat sich im Laufe der Zeit viele Spitznamen für Ray Charles einfallen lassen, den Mann, der die Soul-Musik durch seine Kombination von R&B, Blues und Gospel revolutionierte. Charles (1930-2004) wäre in dieser Woche 85 Jahre alt geworden. Grund genug, dieser Legende eine „The List“-Ausgabe zu widmen – mit den Ray-Charles-Lieblingssongs der Redaktion.

 

10. Night Time Is The Right Time

Ray Charles hatte nie einen Auftritt in der Serie und doch war es Mitte der Achtziger Jahre (auch) die Bill-Cosby-Show, die diesen Titel unvergessen machte. In der Folge „Happy Anniversary“ (Season 2) performt der ganze Huxtable-Clan diese Nummer als Playback für die gerührten Großeltern. Die Originalversion stammt von Roosevelt Sykes (1937), Charles nahm die Nummer 1958 auf. Wesentlichen Anteil an der emotionalen Intensität hat die Begleitsängerin Margie Hendrix, die ab der Mitte des Liedes einen laut gesungenen, ekstatischen Part hat.

 

09. INXS feat. Ray Charles – Please (You Got That …)

Von den Achtzigern springen wir in die Neunziger Jahre: 1993 kam es zur etwas überraschenden Zusammenarbeit zwischen Ray Charles und den australischen Pop-Rockern von INXS. „Please“ war die zweite Auskopplung aus dem Album „Full Moon, Dirty Hearts“, das leider nicht mehr denselben kommerziellen Erfolg haben sollte, wie das, was die Band um den charismatischen Frontmann Michael Hutchence in den Achtziger Jahren so fabrizierte. Die Aufnahme von „Please“ gestaltete sich wohl zunächst schwierig, wie man der Hutchence-Memorial-Webseite entnehmen kann. Hutchence wollte der Legende im Studio einen ganz besonderen Vocal-Style beibringen. „Mr. Charles,“ Michael respectfully addressed him, „… it (the melody) goes like this … (Michael sings the line and Ray Charles attempts to imitate it). After many attempts Charles says, „Sir (Michael), I know I will eventually get it right“ … and of course he did.

 

08. Seven Spanish Angels (feat. Willie Nelson)

Ray Charles goes Country once again. 1984 wurde diese Nummer im Duett mit Country-Legende Willie Nelson zum Hit. Einer Phase, in der dem guten Ray jetzt nicht die ganz großen kommerziellen Erfolge vergönnt waren. Es geht um einen mexikanischen Outlaw und seine Freundin, die sich auf der Flucht gen Texas befinden. Unfassbar dramatisches Ende.

 

07. I Got A Woman

Aufgenommen 1954 und Charles‘ erster richtig großer Hit. 1955 erklomm das Teil die Spitze der R&B-Charts und schaffte es Jahrzehnte später auch verdientermaßen in die Liste der 500 besten Hits des Rolling-Stone-Magazins. Grundlage des Tracks ist übrigens der Titel „It Must Be Jesus“ von den Southern Tones – ein Song, den Charles zu jener Zeit gerne hörte.

 

06. Lonely Avenue

Der perfekte Track für jedes Trennungs-Mixtape. Doc Pomus schrieb ihn, für Ray Charles wurde er 1956 zum Treffer. Und Pomus‘ Karriere als Songwriter kam danach so richtig ins Rollen.

 

05. What I’d Say

Einer der größten Hits der Musiklegende – und ein Zufallstreffer: „Wir spielten im Dezember 1958 in Brownsville bei Pittsburgh, Pennsylvania, und ich hatte noch zwölf Minuten totzuschlagen. Um 1 Uhr nachts hatten wir nach vier Stunden unser gesamtes Repertoire gespielt, es blieb nichts mehr übrig. Ich sagte schließlich zur Band und den Raelettes: ‚Hört mal, ich werde jetzt ein bisschen herumalbern, und ihr folgt mir einfach!‘ Charles experimentierte und improvisierte anfangs mit einem kleinen Riff, das er immer weiter ausbaute. Er bezog seine Band und die Raelettes in die sich entwickelnde Komposition mit ein. Auf diese Weise wurde der Song bei jedem Auftritt verfeinert und vom Publikum mit immer größerer Begeisterung aufgenommen.

 

04. Hit The Road, Jack

Auch bei dieser bekannten Nummer (1961) trat Ray Charles als Cover-Künstler auf und darf sich auf die Fahne schreiben, für die bekannteste Version gesorgt zu haben. Heute wird der Titel in der NBA gern gespielt, wenn ein Spieler seinen Gegner gefoult hat oder jemand des Platzes verwiesen wird.

 

03. Here We Go Again (feat. Norah Jones)

Der Titel war schon solo für Ray Charles 1967 eine Bomben-Nummer. Im Duett mit Norah Jones, das dann auch auf Charles‘ letztem Album „Genius Loves Company“ (2004) erschien, gefällt uns das Ganze aber sogar noch besser. Den verdienten Grammy konnte Charles leider nur noch posthum verliehen bekommen.

 

02. I Can’t Stop Loving You

Ein Standard der Country- und Popmusik, 1957 von Don Gibson komponiert – und 1962 von Ray Charles unsterblich gemacht. Dabei hatte dieser bei der Konzeption seines Albums dem Titel offenbar zunächst wenig Hit-Chancen eingeräumt und ihn ziemlich am Ende versteckt. Dass das Ding ein massiver Crossover-Hit werden würde, hätte sich der gute Ray also selbst nicht zu träumen gewagt. Letztlich gab’s dafür einen Grammy.

 

01. Georgia On My Mind

Der Übersong im Charles-Katalog. Allerdings keine Eigenkomposition, sondern wieder mal eine Cover-Version. Stuart Gorrell und Hoagy Carmichael schrieben den Track bereits 1930. Ob über den Staat Georgia oder Carmichaels gleichnamige Schwester – dazu gibt es widersprüchliche Aussagen. 1960 wurde das Ding auf jeden Fall ein Riesenerfolg für Charles, der für seine Performance zwei Grammys einsackte. Mittlerweile ist der Song die offizielle State-Hymne des US-Bundesstaats.