The List: Aus dem Schatten ans Licht

Dave Grohl (foto: wikipedia/ryanw2313)

Gerade wurde das neue Foo-Fighters-Album „Sonic Highways“ veröffentlicht. Man muss jetzt kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Combo um Dave Grohl wieder weltweit die Charts erobern und ihre Erfolgsgeschichte weiterschreiben werden wird.  Grund genug für uns mal ein Schlaglicht auf jene Künstler zu werfen, die ebenso wie Grohl zu Beginn ihrer Karriere im Schatten eines anderen standen, bevor sie ins gleißende Rampenlicht wechselten. Unsere Liste: Aus dem Schatten ins (Scheinwerfer-)Licht. 

 

Wahlberg. (foto: wikipedia/caroline ucci)

Wahlberg. (foto: wikipedia/caroline ucci)

9. Mark Wahlberg 

Es ist wie im wahren Leben: Vitamin B ist das A und O, auch im Musik-Biz. Wer in diesem Geschäft eine Karriere starten will, tut gut daran, Kontakte zu haben. Umso besser, wenn so ein Kontakt der eigene Bruder ist. Dieses Glück hatte beispielsweise Mark Wahlberg. Ja, die Älteren unter uns werden sich erinnern: Bevor Wahlberg ein gefeierter Schauspieler wurde, versuchte er, sich als Rapper einen Namen zu machen. Als Marky Mark feierte Wahlberg den einen oder anderen Hit.  Anfangs stand er dabei aber noch im Schatten seines Bruders Donnie, der sich zu jener Zeit mit den New Kids on the Block anschickte, zur Boygroup-Blaupause zu werden. NKOTB nahmen Marky Mark und seine Funky Bunch als Vorgruppe mit auf Tournee. Marks Karriere zündete, nicht zuletzt auch dank CD-absatzfördernder Fotos in Unterwäsche. Mittlerweile hat der frühere Marky Mark das Fach gewechselt, seinen Bruder Donnie in puncto Berühmtheit längst überflügelt – und sich somit einen Platz in unserer illustren Liste gesichert.  Schlecht geht’s dem Donnie aber deswegen keineswegs: Er hat 2008 nach 14-jähriger Pause NKOTB reaktiviert.

 

Springsteen & Van Zandt (foto: wikipedia/manuel perez)

Springsteen & van Zandt (foto: wikipedia/manuel perez)

8. Steven van Zandt 

Es gibt Dinge, die gehören einfach zusammen:  Zum Beispiel Berlin und sein Brandenburger Tor, Bayer Leverkusen und das Scheitern, Markus Lanz und tolle Samstagabend-Unterhaltung – sowie Bruce Springsteen und seine E-Street Band (was selbst Springsteen nach einem eher dürftigen Solo-Lauf in den Neunzigern gottseidank einsah). Zugegeben, aus Springsteens Schatten herauszutreten ist unmöglich, doch van Zandt schaffte es auf seine ganz eigene Art und Weise. Denn mittlerweile denkt man bei dem Namen „van Zandt“ nicht mehr nur an einen fabelhaften Gitarristen, sondern auch an einen nicht minder fabelhaften Schauspieler. Bewiesen hat er das unter anderem als Mafiosi bei den „Sopranos“ und aktuell in „Lilyhammer“.

 

Sasha (foto: wikipedia/alexander blum)

Sasha (foto: wikipedia/alexander blum)

7. Sasha  

Im September 1997 startete eine junge Frau namens Fatima Napo unter dem Künstlernamen Young Deenay in den deutschen Charts durch. Napos Blitzkarriere (die ebenso schnell begann wie sie auch wieder aufhörte) hat in der deutschen Musikgeschichte auch einen festen Platz, weil sie den Startschuss für eine erfolgreiche andere Laufbahn gab:  Bei Napos erstem Hit „Walk on by“ trällerte niemand Geringeres als Sasha im  Hintergrund. Noch relativ unbeachtet. Erst bei Deenays zweiter Single „Wanna be your lover“ wurde er als eigenständiger Künstler auf der Single aufgeführt – und war auch im Video zu sehen. Die Rollen „Star“ und „Sidekick“ wurden schließlich mit Sashas erster Single „I am still waiting“ getauscht. Napo konnte ab diesem Zeitpunkt keine größeren Charterfolge mehr verzeichnen,  Sasha hingegen reihte einen an den anderen. Bis zum heutigen Tag ist er unter verschiedenen Namen (u.a. Dick Brave) erfolgreich. Napo studierte Psychologie an der freien Universität Berlin.

 

Vince Clarke (foto: wikipedia/Andrew Hurley)

Vince Clarke (foto: wikipedia/Andrew Hurley)

6. Vince Clarke

Es gibt ja häufig diese Geschichten von Musikern, die ihre Bands verließen (freiwillig oder unfreiwillig), gerade bevor diese so richtig am Durchstarten waren. Diese armen Seelen verpassten dann um Haaresbreite eine Weltkarriere, und waren dazu verdammt, sich in alle Ewigkeit selbst in den Arsch zu treten. Stuart Sutcliffe oder Pete Best bei den Beatles waren da so berühmte Fälle. Der Name Vince Clarke taucht in dieser Reihe nicht auf, obwohl auch er eine Band verließ, die kurz darauf ein ganzes Jahrzehnt musikalisch mitprägen sollte. Depeche Mode hieß die Kapelle, der Clark 1981 den Rücken kehrte, weil er sowohl mit dem schnellen Erfolg und den Bandmates nicht mehr klarkam. Während er bei Depeche Mode wohl immer im Schatten Dave Gahans (der ihn ja noch zu gemeinsamen Zeiten auch als Sänger ablöste) gestanden hätte, machte er lieber in diversen anderen Projekten auf sich aufmerksam: Mit Yazoo gab er den Kickstart zu Alison Moyets Karriere – und mit „Erasure“ ist Clarke heute immer noch erfolgreich. Have a little respect …

Dave Mustaine (foto: wikipedia/stuart sevastos)

Dave Mustaine (foto: wikipedia/stuart sevastos)

 

5. Dave Mustaine

Muss uns auch erst mal einer nachmachen: Dave Mustaine in einer Liste mit Young Deenay und Sasha. Ja, so sind wir. Auch Mustaine lief Gefahr, ein neuer Sutcliffe oder Best zu werden. But he pulled a Clarke. Nach seinem Rauswurf bei Metallica 1983 aufgrund von Alkoholproblemen und persönlichen Differenzen mit Sänger James Hetfield gründete Mustaine kurzerhand aus Trotz seine eigene Band. Megadeth hieß die aus Bockigkeit gegründete Kapelle, und die war ja nun auch nicht gerade von schlechten Eltern. Ein Happy End hat die Geschichte auch noch: 2009 wurden sowohl Metallica als auch Megadeth in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Versöhnung. And nothing else mattered.

 

Williams (foto: wikipedia/Maria Andronic)

Williams (foto: wikipedia/Maria Andronic)

4. Robbie Williams

Uns ist, als wäre es erst gestern gewesen, als eines Morgens plötzlich alle Mädchen im Klassenzimmer verheulte und verquollene Augen hatten. Es muss zunächst ein großes Trauma für sie gewesen sein, damals im Sommer 1995, als der Ausstieg von Robbie Williams von Take That verkündet wurde. „Der kleine dicke Tänzer“, wie ihn Liam Gallagher einst nannte, hatte genug von den Einschränkungen, die das Leben als Teenie-Idol und Boygroup-Star so mit sich brachte. Freiheit! Acht Monate nach seinem Exit löste sich Take That komplett auf. Williams wurden zunächst allerdings nur geringe Chancen auf einen Solo-Erfolg eingeräumt, galt er doch als musikalisch schwächer als sein ehemaliger Bandkollege Gary Barlow. Und so charmant wie Schwiegermutti-Liebling Mark Owen war er auch nicht. Es brauchte auch ein wenig, bis Williams in die Gänge kam. Im November 1997 war er sogar kurz davor, seinen Plattenvertrag zu verlieren. Bis dann die himmlische Rettung kam: Mit „Angels“ erklomm Robbie europaweit die Charts. Der Startschuss für eine sehr große Laufbahn, in der er bisher mehr als 70 Millionen Tonträger verkaufte. Die restlichen Take- That-Mitglieder konnten gegen Williams nicht mehr anstinken. Als es zuletzt zu einer Kurz-Reunion kam, stand der kleine dicke Tänzer plötzlich ganz vorne.

 

Phil Collins (foto: wikipedia/sebastian wilken)

Phil Collins (foto: wikipedia/sebastian wilken)

3. Phil Collins

Ähnlich wie Dave Grohl trat auch hier ein Drummer plötzlich in den Vordergrund, doch im Gegensatz zum Foo-Fighters-Frontmann war bei Collins dazu kein Bandwechsel von Nöten. 1970 stieg Collins bei der britischen Band Genesis ein und erwies sich mit seinem druckvollen Drummer-Stil als perfekte Ergänzung für die Gruppe um Leadsänger Peter Gabriel. Nach dem Ausstieg Gabriels, der lieber auf Solopfaden wandeln wollte, schlug Collins‘ große Stunde. Nicht wenige Kritiker prophezeiten der Band eine schwere Zukunft, doch es sollte anders kommen. Collins legte den Fokus auf einprägsame Lyrics, der früher oft experimentelle Sound der Band wurde kommerzieller angelegt – und die Verkaufszahlen schnellten weltweit in die Höhe. Bis heute ist Collins einer der einflussreichsten Männer der Musikindustrie. Und keine Autofahrt, bei der nicht irgendein Collins-Song im Radio gespielt wird.

 

Xavier Naidoo (foto: wikipedia)

Xavier Naidoo (foto: wikipedia)

2. Xavier Naidoo 

Steinig und schwer war der Weg, den Xavier Naidoo zunächst beschreiten musste. Es sollte kein leichter sein: Mitte der Neunziger Jahre wurde er – fast sasha-like – beim Frankfurter Label 3p als Backgroundsänger für Sabrina Setlur angeheuert. Setlur (Schwester S!) war zur damaligen Zeit eine der erfolgreichsten Sängerinnen in Deutschland – das war noch in ihrer Pre-Boris-Phase – und Label-Boss Moses Pelham wollte den Mannheimer in ihrem Schatten langsam zum Solo-Star aufbauen. Die Single „Frei sein“ wurde daher zwar als neue Setlur-Single angekündigt, doch fast vollständig von Naidoo eingesungen. So wurde die Aufmerksamkeit geschickt auf den Soul-Barden gelenkt und dessen Karriere. Heute arbeitet Sabrina Setlur in der Veranstaltungsbranche und hat mit dem Musikgeschäft nichts mehr zu tun. Naidoo hingegen ist nach wie vor ein sehr beschäftigter und vor allem erfolgreicher Künstler. Wenn auch nicht ganz unumstritten.

 

Dave Grohl (foto: wikipedia/ryanw2313)

Dave Grohl (foto: wikipedia/ryanw2313)

 

1. Dave Grohl 

Nirvana, das steht für viele heute synonym für Kurt Cobain. Dass da neben dem leider viel zu früh von uns gegangenen Genie noch zwei weitere Musiker auf der Bühne standen, wird da oft zu Unrecht vergessen. Cobain überstrahlte alle(s). Drogeneskapaden, die medienwirksame Ehe mit Courtney Love sowie der generelle Aufmerksamkeitsvorteil, den ein Frontmann eben naturgemäß hat, führten dazu, dass Dave Grohl als Drummer bei Nirvana ein (damals durchaus gewolltes) Schattendasein fristete. Bekanntlich fand die Band im Jahr 1994 mit dem Selbstmord Cobains ein tragisches Ende. Um seine Trauer zu überwinden und die Leere in seinem Leben zu füllen, riet sein Therapeut Grohl zu einem neuen musikalischen Projekt. 1995 nahm er daher alleine das erste Foo-Fighters-Album auf und engagierte erst im Nachhinein Musiker, um auf Tour gehen zu können. Zwar hatten die Foo Fighters nie einen übermenschlichen Hit wie „Smells like teen spirit“, doch jedes Album ließ die treue Anhängerschaft wachsen – und die Foo Fighters zu einer der größten Bands überhaupt werden.

Texte: Patrick Schneider, Benjamin Fiege