The List: 10 Prince-Songs, die Hits für andere Künstler wurden

Prince ist tot, und man mag es noch immer nicht fassen. Der Mann aus Minneapolis war ein scheinbar nie versiegender Quell an musikalischer Innovation und Kreativität. Das brachte ihm eine Menge großer, unvergessener Hits ein. Oft vergessen wird dabei aber, dass Prince auch ein fantastischer Songwriter war, der anderen Künstlern große Erfolge verschaffte. NEON GHOSTS hat eine Auswahl an Songs getroffen, die Prince entweder schrieb, ursprünglich interpretierte oder an ihnen mitwirkte, und die für andere Künstler zu großen Hits wurden.

10. Alicia Keys – How Come You Don’t Call Me Anymore (2001)

Auf ihr siebenfach mit Platin ausgezeichnetes Debüt „Songs in a Minor“ packte Alicia Keys diese klassische Prince-B-Side. Klar, war nicht das erste Mal, das eine Frau diese Ballade coverte. Stephanie Mills tat das schon 1983. Keys gelang es aber, eine ganz neue Generation für das Prince’sche Lebenswerk zu erschließen. Es war eine Vorbeugung vor einem Helden, die sich aber nicht in bloßem Kopieren erschöpfte, nein, Keys, damals erst 19, fügte dem Song Details bei. Darunter die Zeile „I always thought you’d be by my side, poppa, and now you’re gone … and I’m not trying to hear that shit.“ Blieb von Prince nicht unbemerkt, die beiden freundeten sich an. Als er 2004 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, durfte Keys die Laudatio halten. Sie sagte: „There are many kings … but there is only one Prince (…) [He wrote] songs that made me look at songwriting as stories that are untold passions dying to be heard.“

 

09. Sheena Easton – Sugar Walls (1985)

Schüchtern und ganz zurückhalten soll Prince gewesen sein, als er Sheena Easton in den 80er Jahren das erste Mal traf. Mag man kaum glauben, wenn man dann so hört, was aus der Zusammenarbeit der beiden dann so entstanden ist: „Sugar Walls“. Der Tipper Gore’s Parents‘ Music Resource Council listete das Stück in seiner „Filthy Fifteen“: Eine Liste an Songs, die die unschuldigen Gemüter der amerikanischen Jugend pervertieren würden. Der Text war ja – wie fast immer bei Prince – eindeutig zweideutig: „Come spend the night inside my sugar walls,“ forderte Easton darin.

 

08. Sheila E. – The Glamorous Life (1984)

Dieser funkige Track wurde der große Pop-Durchbruch von Sheila Escovedo, die Prince erstmals 1978 traf. Dooferweise schnippelte man für die Radio-Version unter anderem Sheila E.s Drums und Jarry William’s Saxofon-Solo raus.  Sie erinnert sich in ihren Memoiren wie folgt an die Aufnahmen: „‚The Glamorous Life‘ was the last song we worked on. In fact, we weren’t even going to include it on the album (…) It started out as an instrumental, and I couldn’t think of any lyrics for it at first. Once I got started, though, the words came quickly … It was very percussive and it had a catchy melody, incorporating all the black keys on the piano so that it almost sounded like a nursery rhyme.“

 

07. Vanity 6 – Nasty Girl (1982)

Tja, diese 1982er Single sollte der erste und einzige Hit dieser von Prince geschaffenen Girl Group werden. Er schrieb und produzierte den schmutzigen Track, der wie geschaffen für die Tanzflächen der 80er war. „At first, Prince wanted to call me Vagina,“ erinnerte sich die mittlerweile ebendalls verstorbene Vanity in einem Interview. „Even though he pronounced it Va-jeana, that would have been too weird. His next choice was Vanity. I liked that.“ Der Song erreichte Nummer eins der Billboard’s Hot Dance Club Play Charts – und wurde erst durch Princes „1999“ vom Thron gestoßen.

 

06. Stevie Nicks – Stand Back (1983)

Offiziell hat Stevie Nicks diesen Dance-Track selbst geschrieben. Aber eigentlich gehört er Prince, wie Nicks selbst sagt. Alles begann am Tag ihrer Hochzeit mit Kim Anderson. Die beiden fuhren gerade Richtung Santa Barbara (Honeymoon!), als sie „Little Red Corvette“ erstmals hörte. Der Song inspirierte sie so sehr, dass sie „Stand Back“ noch am selben Tag von Anfang bis Ende schrieb. Als er fertig war, rief sie direkt Prince an, um ihm die Geschichte zu erzählen. 20 Minuten später stand der Mann bei ihr im Studio. Nicks: „He walked over to the synthesizers that were set up, was absolutely brilliant for about 25 minutes and then left (…) He spoiled me for every band I’ve ever had because nobody can exactly recreate – not even with two piano players – what Prince did all by his little self.“

05. Madonna – Like A Prayer (1989)

Geschrieben wurde der Song 1988, als Madonna im Broadway-Stück „Speed the Plow“ auftrat und erstmals Abstand von ihrem Leben als Superstar suchte. Auf dem gleichnamigem Album geht’s düster zu. Trennung, Tod und Hoffnung sind die bestimmenden Themen. Die Veröffentlichung der Single geriet zum Skandal: Das Video zeigt wie eine junge Frau getötet wird und ein zur Hilfe eilender Afroamerikaner (gespielt von Leon Robinson) fälschlicherweise von der Polizei für den Täter gehalten wird. Sie flieht vor den wahren Tätern in eine Kirche, zeigt in einem Traum Stigmata an ihren Händen, küsst einen schwarzen Heiligen und befreit den Afroamerikaner durch ihre Zeugenaussage aus dem Gefängnis.  Außerdem tanzt sie im Video auf einem Feld brennender Kreuze. Damit gelang ihr das Kunststück, die USA (wegen der Kreuze) und Europa (wegen „blasphemischer Szenen“) gleichermaßen aufzumischen. Softdrinkhersteller Pepsi kündigte ihr sogar den Werbevertrag. Und wie es immer ist: Wenn etwas dermaßen für Wirbel sorgt, wird’s auch erfolgreich. Ist ja auch eine Hammer-Nummer. Was viele nicht wissen: Prince spielte auf diesem Song – sowie auf zwei weiteren des Albums – Gitarre. „We were friends and talked about working together, so I went to Minneapolis to write some stuff with him, but the only thing I really dug was ‚Love Song‘ […] We ended up writing it long-distance, because I had to be in L.A. and he couldn’t leave Minneapolis, and quite frankly I couldn’t stand Minneapolis. When I went there, it was like 20 degrees below zero, and it was really desolate. I was miserable and I couldn’t write or work under those circumstances“, so Madonna.

 

04. Chaka Khan – I Feel For You (1984)

Der Legende nach hat Prince den Titel für seinen Schwarm, die Jazz-Funk-Queen Patrice Rushen geschrieben. Gelandet ist er dann auf seinem Debütalbum aus dem Jahre 1979. Fünf Jahre später nahmen sich Chaka Khan und Produzent Arif Mardin der Sache an, machten „I Feel For You“ zu einer Electro-Funk, R&B und Hip-Hop-Mixtur – und zu einem großen Erfolg. Überdies wirkten Melle Mel und Stevie Wonder an der Nummer mit. Und obwohl der Song durch die Decke ging, rauf und runter gespielt wurde und zum größten Hit Chaka Khans wurde, wurde die Dame selbst nie wirklich warm mit dem Titel. „Arif and I had to make a conscious effort to do that,“ erzählte sie 1984 dem „Billboard“-Magazine. „‚I Feel For You‘ is obviously a song that appeals to a lot of the younger kids.'“ Ihr brachte er immerhin einen Grammy ein. Prince selbst hätte angeblich gerne eine Appearance gemacht, allerdings fand man zeitlich keinen gemeinsamen Termin.

 

03. Bangles – Manic Monday (1986)

Nachdem er die Band live bei einer ihrer früheren Auftritte in L.A. gesehen hatte, schickte Prince den Bangles ein Tape mit zwei Songs, von denen er sich wünschte, dass die Bangles sie aufnehmen würden. Einer davon war „Manic Monday“, diese ansteckende Arbeitsalltags-Büro-Hymne, die Prince zustande brachte, obwohl er selbst einen solchen Alltag nie erlebte. Textlich war der Song für Prince-Verhältnisse unschuldig, sieht man mal von der Line „Of all of my nights/Why did my lover have to pick last night to get down?“ ab. „Manic Monday“ wurde der erste große Bangles-Hit. Sängerin Susanna Hoffs gestand später, dass sie bei der Aufnahme sehr nervös gewesen sei. „I knew it was a Prince song, and I wanted to do a great job on it.“ Prince selbst gefiel die Bangles-Version sehr gut.

 

02. Art of Noise feat. Tom Jones – Kiss (1988)

„Kiss“ hat eine lange Geschichte hinter sich. Eigentlich hatte der Gute das Ding für Brown Marks Band Mazarati geschrieben. 1986 hat er sich dann sozusagen den eigenen Song geklaut – und einen Nummer-eins-Hit daraus gemacht. Tom Jones hörte den Titel und begann, ihn in seine Las-Vegas-Shows zu integrieren. Die Avantgarde-Gruppe Art of Noise sah den Tiger damit im TV und kontaktierte ihn. Sie entschlossen sich, zusammenzuarbeiten. Die funkige Industrial-Version von „Kiss“ ging durch die Decke. „When they sent me the finished version I thought, ‚If this isn’t a hit, I’ll bloody well pack it all in.‘ It was a busting hit“, erinnert sich Jones, der damit erstmals auf MTV lief. Der Song wurde für ihn zum großen Comeback.

 

01. Sinéad O’Connor – Nothing Compares 2 U (1990)

Wer kein Herz aus Stein hat, dem wird dieses Video mit der Träne, die Sinéad O’Connors Wange runter kullert, auf ewig in Erinnerung behalten. Die Irin hat den Song 1990 veröffentlicht, fünf Jahre, nachdem Prince das Ding mit seiner Family heraushaute und damit kein großes Aufsehen erregte. Für Sinéad bedeutete diese Nummer aber den großen Durchbruch. Den Inhalt des Songs deutete sie dabei um. Eigenlich eine Trennungsballade, verarbeitet die Musikerin in ihrem Cover den Verlust ihrer Mutter, die in dem Jahre starb, als der Song veröffentlicht wurde. „I love it, it’s great!“, soll Prince über die O’Connor-Version geurteilt haben. „I look for cosmic meaning in everything. I think we just took that song as far as we could, then someone else was supposed to come along and pick it up.“

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