The Beatles – Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band

The Beatles (foto: label)

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9 Apple/Universal

9

Als die Beatles plötzlich keine Lust mehr hatten, die Beatles zu sein, und zu einem abgedrehten Kult-Orchester wurden: Zum 50. Wiegenfest von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ ist das legendäre Album der Pilzköpfe in hochkarätigen Jubiläumseditionen neu aufgelegt worden. 

Wenn man so will, ist „Sgt. Pepper“ das Resultat beruflichen Neids: Die Beach Boys hatten im Mai 1966 gerade ihr Meisterwerk „Pet Sounds“ veröffentlicht, auf dem allerlei abstruse Klangfragmente wie Hundegebell und klappernde Löffel zum Einsatz kamen. Ein musikalischer Geniestreich, den seinerzeit nicht nur Schöpfer Brian Wilson für das „größte Rockalbum aller Zeiten“ hielt.

Klar, dass sich einer wie Paul McCartney da an der Ehre gepackt fühlte. Eine Idee musste her. Und die besten Einfälle hatte der Gute immer im Flugzeug. Im Frühjahr 1967 kehrte McCartney gerade von einem längeren US-Trip zurück. Und als er da so im Flieger saß, küsste ihn die Muse, wie er dereinst in einem Interview verriet: „Es war zu Beginn der Hippie-Ära und überall in Amerika herrschte eine flirrende Hippie-Atmosphäre. Ich fing an darüber nachzudenken, was ein wirklich verrückter Name für eine Band sein könnte. In jener Zeit gab es viele Gruppen, die Namen hatten wie ‚Laughing Joe and His Medicine Band‘ […] Ich brachte eine Idee mit zurück nach London zu den Jungs: Da wir versuchen Distanz zu uns selbst zu gewinnen – von Tourneen loskommen und mehr surreale Sachen machen wollen – warum werden wir dann nicht eine Alter-Ego-Band, so was wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band?“.

Gesagt, getan. Die Beatles zogen sich für fünf Monate in die heute legendären Londoner Abbey Road Studios zurück. Die Aufnahmeräume des Plattenlabels EMI wurden für die Fab Four, wie Manager und Produzent George Martin damals verriet, zum „Vergnügungspark“. Den ersten Song, den McCartney, der in jener Zeit mehr und mehr zum Bandleader avancierte, mit zu den Sessions brachte, war das Stück „When I’m Sixty Four“, das er schon als Teenager geschrieben hatte und das an die beliebten Jazz-Schlager aus seiner Kindheit erinnerte.

Auch die beiden Songs „Penny Lane“ und „Strawberry Fields Forever“, die während der „Sgt. Pepper“-Sessions entstanden, waren von Kindheits-Erinnerungen geprägt (von jenen von John Lennon). Weil beide Tracks aber als Singles veröffentlicht wurden, waren sie letztlich für das Album gestorben. Man entschied sich, sie nicht mit drauf zu packen – und bereute das später.

Aber: Es blieben ja auch so eine Menge anderer toller Nummern übrig: Der kraftvolle Opener und Titelsong mit der Blaskapelle und den rockigen Riffs etwa. Oder das die Melancholie vertreibende „With A Little Help from My Friends“ (das Joe Cocker später noch besser machen sollte). Das verträumte „Lucy in the Sky with Diamonds“, das noch nachfolgende Generationen zur Diskussion anregte, was denn nun genau mit dem Song gemeint sei. Und das heiter bis coole „Getting Better“.

Ab der Hälfte des Albums dreht das Ganze dann plötzlich frei. „Fixing A Hole“ kommt psychedelisch daher, beim sentimentalen Ausreißer-Stück „She’s Leaving Home“ wird mittels Harfe auf die Tränendrüse gedrückt. Auf „Being For The Benefit Of Mr. Kite!“ wird der Zuhörer auf den Rummelplatz entführt. Das nachfolgende „Within You Without You“ ist mit seinem Hare-Krishna-Vibe dann wieder ein krasser Bruch. Auf „Lovely Rita“ besingen die Beatles eine Strafzettel verteilende Politesse. Und auf „Good Morning Good Morning“ lassen die Fab Four dann ihre inneren Beach Boys von der Leine und setzen auf irre Sound-Collagen, die unter anderem Hundegebell und Löwengebrüll umfassen. Das Album schließt mit einem „Sgt. Pepper“-Reprise, der schon fast als Heavy Metal durchgeht, und dem sentimentalen „A Day In The Life“, bei dem 40 Mitglieder des London Symphony Orchestra zum Einsatz kommen. Eine wunderschöne Nummer, deren Aufnahme ganze fünf Tage dauerte. Es gab Zeiten, da haben die Beatles in dieser Zeit ein ganzes Album eingespielt. Auf die Bühne bringen ließ sich die Nummer nicht, aber die Gruppe hatte eh keine Lust mehr aufs Touren.

Für die nun vorliegende Neuauflagen des Albums hat Giles Martin, der Sohn des 2016 verstorbenen George Martin, mit Sam Okell die alten Tapes neu gemischt. Die beiden haben sich – und das wird Fans freuen –  die Mono-Version, in die 1967 die eigentliche Arbeit und Kreativität der Band geflossen war, vorgeknöpft und in deren Geist endlich eine legitime Stereoversion geschaffen. Das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen …

Die Neuauflage erscheint in folgenden Versionen:

1CD Standard
Inklusive dem neuen “Sgt. Pepper“ Stereo Mix, vollständig mit dem Original UK-Album-“Edit for LP End“ ‚Run-Out-Groove‘.

2CD Deluxe
2CD, auch digital verfügbar, enthält den neuen Stereo-Mix auf der ersten CD. Zusätzlich gibt es eine zweite CD mit 18 Titeln, inkl. bisher unveröffentlichter Pre-Takes von den 13 Songs des Albums. Diese wurden neu und in Stereo gemischt und in derselben Reihenfolge wie auf dem Original-Album gelistet. Zudem enthält die zweite CD einen neuen Stereo-Mix und eine bisher unveröffentlichte Instrumental-Aufnahme von “Penny Lane“ sowie den Stereo-Mix aus dem Jahre 2015 plus zwei bisher unveröffentlichte Takes von “Strawberry Fields Forever”.

2LP Deluxe
180-Gramm-2LP Vinyl Package, das den neuen Stereo-Mix auf der ersten LP enthält Zusätzlich gibt es eine zweite CD mit 18 Titeln, inkl. bisher unveröffentlichter Pre-Takes von den 13 Songs des Albums. Diese wurden neu und in Stereo gemischt und in derselben Reihenfolge wie auf dem Original-Album gelistet.

Super Deluxe (limitiert)
Das allumfassende 6Disc-Box-Set beinhaltet:
 
CD 1

neuer Album-Mix in Stereo

 
CDs 2 & 3

– 33 zusätzliche Aufnahmen der Studio-Sessions, größtenteils bisher unveröffentlicht und erstmalig von den Vier-Spur-Aufnahmen abgemischt, chronologisch angeordnet nach den Aufnahmedaten
– Einen neuen Stereo-Mix von “Penny Lane“ und den Stereo-Mix von “Strawberry Fields Forever” aus dem Jahre 2015

 
CD 4

– Original-Album im Mono-Mix plus der Singles “Strawberry Fields Forever” und “Penny Lane”
Promo-Mono-Single-Mix von “Penny Lane”, den Capitol Records seinerzeit für den US-Markt verwendet hatte
– bisher unveröffentlichte frühe Mono-Mixe von “She’s Leaving Home”, “A Day In The Life,” und “Lucy
-In The Sky With Diamonds” (ein Mix, von dem angenommen wurde, dass er von einem Tape aus dem Jahre 1967 gelöscht wurde, der jedoch bei den Archiv-Recherchen für die Jubiläums-Ausgabe wiederentdeckt wurde)

 
Discs 5 & 6 (Blu-ray and DVD)

– Neue 5.1 Surround-Audio-Mixe des Albums und “Penny Lane” von Giles Martin und Sam Okell sowie deren 5.1 Surround-Mixes von “Strawberry Fields Forever” aus dem Jahre 2015
– High-Resolution-Audio-Versionen der neuen Stereo-Mixe des Albums und von “Penny Lane” sowie der 2015er Stereo-Mix von “Strawberry Fields Forever”
– Video-Features: technisch in 4K restaurierte originale Promo-Filme für “Strawberry Fields Forever”, “Penny Lane,” und “A Day In The Life” sowie “The Making of Sgt. Pepper”, einen ebenfalls technisch restaurierten, bisher unveröffentlichten Dokumentarfilm (im TV ausgestrahlt im Jahr 1992), welcher aufschlussreiche Interviews mit McCartney, Harrison und Starr beinhaltet sowie In-Studio-Material, das von George Martin kommentiert ist.

 

Fazit: Legendäre Platte.

Anspieltipps: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band, With A Little Help From My Friends, Lucy In The Sky With Diamonds, She’s Leaving Home, A Day In The Life

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