The Beatles – Live At The Hollywood Bowl

Das Cover (foto: label)

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10 Universal Music

10

Viel Tamtam gab es um die Wiederveröffentlichung der Hollywood-Bowl-Konzerte der Beatles auf einem neuen Album: „The Beatles: Live At The Hollywood Bowl“, das parallel zum neuen Dokumentarfilm des Regisseurs Ron Howard erschien. Darauf zu hören: neu abgemischte und gemasterte Aufnahmen der drei Hollywood-Bowl-Gigs aus den Jahren 1964 und 1965 und vier bisher unveröffentlichte Songs. Das einzig echte Live-Album im Beatles-Katalog war lange Zeit vergriffen und ging in der CD-Ära verloren.

Viel hätte nicht gefehlt, und wir würden dieses Machwerk heute gar nicht in unseren Händen halten. Die Konzerte aufzuzeichnen, sei alles andere als einfach gewesen, hatte Produzent Sir George Martin seinerzeit in den Linernotes des 1977er Albums „The Beatles At The Hollywood Bowl“ verraten: „Das Chaos, ich könnte es fast schon Panik nennen, das bei diesen Konzerten herrschte, war unglaublich. Man musste schon dabei gewesen sein. Es waren nur Dreispuraufnahmen möglich. Die Beatles hatten keine Monitore, so dass sie nicht hören konnten, was sie sangen, und das ewig anhaltende Geschrei aus 17.000 jungen, gesunden Kehlen hätte selbst einen Düsenjet übertönt.“

Auch ein Grund, weshalb die Beatles sich vom Touren ein Jahr später endgültig lossagten. Die Fab Four hatten schon so ihre Mühe, gegen den Lärm anzuspielen. Trotzdem hat das auf diesem Ton-Dokument der Musikgeschichte natürlich seinen Charme und Reiz, bringt es doch die Beatles-Euphorie jener Tage wunderbar auf den Punkt.

Und die Beatles hatten ja trotzdem Spaß an diesen Abenden, sie versetzen sich selbst und den Hörer in einen echten Adrenalin-Rausch. Auch wenn die Setlist so nie gespielt wurde, kommt doch ein richtiges Konzert-Feeling rüber. Die Band klingt gleichzeitig roh und leicht, explosiv, ja, mitreissend. Auf „She’s a Woman“, „Dizzy Miss Lizzy“ und „Twist and Shout“ beweisen die Jungs aus Liverpool, dass sie ebenso hart rocken können wie die ewigen Rivalen, die Stones. Ihr Cover von „Roll Over Beethoven“ ist fast schon Proto-Punk. Überhaupt ist es unfassbar, wie John, Paul, Ringo und George in der Lage sind, auf einem solch hohen Level (harmonisch) zu performen – ohne die eingangs erwähnten Monitore.

Die beiden Grammy-Gewinner, Produzent Giles Martin und Toningenieur Sam Okell, hatten augenscheinlich alle Hände voll zu tun, um die nun vorliegenden Aufnahmen in den Abbey Road Studios in dieser überraschend hervorragenden Qualität präsentieren zu können. Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Lesenswert übrigens: Das Album enthält ein 24-seitiges Booklet mit einem Essay des renommierten Musikjournalisten David Fricke.

Fazit: Absolute Kaufempfehlung.

Anspieltipps: Dizzy Miss Lizzy, Roll Over Beethoven, Help!, A Hard Day’s Night

 

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