The Beat: Von Badelatschen und Südländern

Die Fußballberichterstattung treibt derzeit seltsame Blüten. (Foto: Wikipedia/steindy)

 

Kritik an Fußball-Kommentatoren ist so alt wie  Fußball-Übertragungen an sich. Schon früher mussten sich Faßbender, Rubenbauer & Co. Kritik gefallen lassen, allerdings hatten die Herren das Glück, dass es Internet-Shitstorms damals noch nicht gab. Das ist heute anders.

Die Kritik, die im Netz geäußert wird,  sie ist massiv. Das liegt  an der Eigendynamik, die  Diskussionen im Netz entfalten, aber  auch an den Kommentatoren selbst. Steffen Simon („Die Iraner, das sind Südländer. Da ist nicht alles perfekt organisiert.“), Poschmann, Rethy & Co. – sie haben ebenso wie Mesut Özil noch nicht ins Turnier gefunden. Besonders harsch war die Kritik, als Kommentator Gerd Gottlob bei der DFB-Elf wiederholt von „wir“ sprach. Darf ein Journalist das? ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: „Das kann man. Wenn man eine grundsätzliche Distanz zur Mannschaft hat und sich nicht scheut, die Mannschaft auch negativ zu kritisieren, wenn es erforderlich ist.“

Aber es ist genau diese Distanz, die ARD und ZDF bei dieser WM oft vermissen lassen. ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein (KMH) verschenkt – mit schwarz-rot-goldenem Bändchen am Handgelenk – Adiletten an Mats Hummels oder Lukas Podolski, ehe man zum drölfzigsten Mal einen Beitrag sieht, in dem Jogi Löw mit nassen Haaren  den Strand entlang joggt. „Wie cool ist dieser Mann eigentlich“, fragt KMH dann auch noch rhetorisch in die Kamera.

Die Öffentlich-Rechtlichen als verlängerter Arm der DFB-PR-Abteilung? Bei aller verständlicher Begeisterung: Etwas weniger Schland!-Ranschmeiß-Journalismus wäre wünschenswert.