The Beat: Serien-Remakes

Kyle MacLachlan ist bei der Twin-Peaks-Neuauflage wieder mit am Start (foto: Wikipedia/david shankbone)
Nächstes Jahr soll die 90er-Jahre-Serie „Twin Peaks“ neu aufgelegt werden. Ob das eine gute Idee ist? Ein Blick auf andere Versuche, erfolgreichen Serien von früher wieder Leben einzuhauchen.

Buzz. So nennt man das aufgeregte, mediale Flirren, das eine sensationelle Nachricht auslösen kann. Früher hätte man vielleicht klischeehaft von „einem Rauschen im Blätterwald“ fabuliert. Aber das sagt man im digitalen Zeitalter längst nicht mehr, weil es immer weniger Blätter gibt, durch die es rauschen könnte. Einen solchen Buzz also beschwor die Ankündigung herauf, dass die legendäre US-TV-Serie „Twin Peaks“, auch bekannt als „Das Geheimnis von Twin Peaks“, ab 2016 zurückkehren soll. Diese hatte Anfang der 90er-Jahre klassische Seifenoper mit Horror-, Krimi- und Mystery-Elementen verbunden. Dreh- und Angelpunkt der Serie – entwickelt von David Lynch – waren damals die Ermittlungen im Mordfall Laura Palmer, in deren Verlauf das FBI die Abgründe aus Sex, Drogen und Gewalt aufdeckte, die sich hinter der idyllischen Fassade der (fiktiven) Kleinstadt Twin Peaks verbargen. Nun also das  Comeback der Serie mit einer dritten Staffel, die übrigens schon im Jahr 1991 angedeutet wurde. „I’ll see you in 25 years“, sagte Palmer damals zum FBI-Agenten Cooper.

Aber: Ebenso wie die Toten doch besser ruhen sollten, gilt das nicht auch für eingestellte Serien? Was, wenn die Neuauflage qualitativ gegenüber dem Original abfällt? Wird da nicht ein Mythos mit Füßen getreten? Ist das nicht Leichenfledderei?

Nun, in der Vergangenheit gab es schon bei der einen oder anderen Serie einen Reboot-Versuch. Allen voran ist da natürlich „Dallas“ zu nennen. Das Original mit Larry Hagman als Fiesling J. R. Ewing hatte zwischen 1978 und 1991 Rekordquoten und lockte in den USA sogar mal bis zu  90 Millionen (!) Zuschauer pro Folge vor den Bildschirm. Klar, dass man diesen Erfolg gerne noch mal melken wollte. Und so kam es 2012 – zum Teil mit der alten Besetzung – zur Wiedergeburt der beliebten Öl-Saga. Die Serie ließ aber den Charme des Vorgängers vermissen, und spätestens nach dem Tod von Hagman während der zweiten Staffel war der Ofen aus. 2014 wurde das Ding nach drei Staffeln folgerichtig eingestellt.

Bei „90210“ (2008 bis 2013), dem Aufguss der 90er-Jahre-Kult-Jugendserie „Beverly Hills, 90210“, setzte man indes auf eine komplett neue Besetzung – und ließ die Altstars nur in Gastrollen ran, um vielleicht so noch den einen oder anderen Nostalgiker vor die Mattscheibe zu locken. Die Herangehensweise war anders als bei Dallas 2.0, das Resultat aber das gleiche: An den Erfolg des Originals kam auch dieses Remake nicht heran.

Gleich mehrfach hat man versucht, „Knight Rider“ – Kult in den 80ern – zu reanimieren. Weder der Kinofilm „Knight Rider 2000“ noch die Serien-Ableger „Team Knight Rider“ (1997/98) oder „Knight Rider“ (2008) konnten dem Original mit David Hasselhoff und Auto K.I.T.T. das Wasser reichen und fanden ebenfalls ein rasches Ende. Beim 2008er-Remake wurden offiziell die hohen Produktionskosten und nicht die niedrigen Zuschauerzahlen als Grund für das Aus angegeben.

Etwas erfolgreicher war da in den vergangenen Jahren das Konzept, unvergessene Serien auf die große Leinwand zu bringen. An der Kinokasse erfolgreich waren sie alle („A-Team“, „Miami Vice“, „Sex and the City“, „Drei Engel für Charlie“), künstlerisch wertvoll jedoch die wenigsten. Rühmliche Ausnahmen waren da noch „Stromberg“ – der Film, der für die unsägliche letzte TV-Staffel entschädigte – sowie „21 Jump Street“ mit Channing Tatum und Jonah Hill. Bei Letzterem ließen sich die Altstars Johnny Depp und Peter DeLuise sogar zu Cameo-Auftritten hinreißen.

Immer wieder wurde  in den vergangenen Jahren über Remakes beziehungsweise Fortsetzungen von „Friends“ oder „Akte X“ spekuliert, jedoch kam man da nie wirklich in die Puschen. Die Angst, liebgewonnene Erinnerungen zu zerstören, war zu groß – ebenso wahrscheinlich wie die Gagen-Forderungen der Original-Cast-Mitglieder.

In welche Kategorie letztlich die Neuauflage der Lynch-Serie fallen wird,  das bleibt erst mal – Achtung Wortwitz – das Geheimnis von Twin Peaks. Bis dahin flirrt der Buzz weiter.

 

Text: Benjamin Fiege