The Beat: New Year’s Eve Dramas

Silvester – das ist diese eine Nacht des Jahres, in der Menschen allerlei Zinnober veranstalten, um sie zu etwas ganz besonderem zu machen. Die NEON-GHOSTS-Redaktion erinnert sich an Feten, die nicht so gelaufen sind, wie man sie sich ursprünglich ausgemalt hatte: New Year’s Eve Dramas.

Benjamin Fiege: So gerne ich auch immer mit meinen Eltern Silvester feierte (oder auch heute ab und an noch feiere), so unglaublich erwachsen fühlte ich mich dann doch als Jugendlicher im Vorfeld der ersten Jahreswechsel-Party mit dem eigenen Freundeskreis. Mein Gott, wir konnten vor lauter vermeintlicher Coolheit kaum noch laufen. Ein Kumpel hatte sturmfreie Bude, er stellte die Location und übernahm daher das Delegieren der Aufgaben: „Du bringst die Böller, du holst den Alkohol, und du kümmerst dich um die Musik. Jeder bringt etwas zu essen mit“, wies er seine Partygäste an. Aus irgendeinem Grund kamen bei den Mitfeiernden allerdings davon nur Satzfetzen an. „Böller … Alkohol … Musik… Essen.“ Fanden wir alle gut. Dumm nur, dass am Ende niemand irgendetwas mitbrachte. So standen wir an Silvester ohne etwas zu essen da – und konnten nicht nur nicht vor lauter Coolheit kaum laufen, sondern auch vor lauter Hunger am nächsten Tag kaum stehen.

Auch bei späteren Feiern lief nicht alles glatt. Wobei, eigentlich hätte ich es ja auch wissen müssen. Nicht nur, dass meine bisherigen Silvester-Feten meist ein Fiasko waren, nein, auch Frankreich war bislang selten gut zu mir.  Trotzdem ließ ich mich 2011 dazu überreden, Silvester in Paris zu verbringen.  Und es kam wie es kommen musste: Kurz vor Mitternacht jedenfalls standen wir – der Kollege Patrick Schneider und ich – mit zig Tausenden Menschen aus aller Welt unweit des Triumphbogens, voller Erwartung, den Blick gen Nachthimmel gerichtet. Hinter Absperrungen. Polizei war auch da, das Aufgebot groß. Was wohl kommt? Eine Parade? Ein unanständig monströses Feuerwerk? Raten Sie mal! Genau.   Um Punkt Mitternacht passierte … rein gar nichts. Ob wir uns in der Zeit geirrt hatten? Dieselbe Frage stellten sich die zig Tausenden von  Mitwartenden auch, während sie ungeduldig ihre Smartphones in den Himmel reckten.   Spätestens um 0.15 Uhr kam allen Anwesenden aber ein böser Verdacht: Vielleicht geht hier tatsächlich nichts mehr. Und so machte sich wie auf Kommando die ganze Menschenschar auf in Richtung U-Bahn. Die fuhr rein planmäßig auch noch.  Ganz außerplanmäßig dann aber eben doch nicht, weil man offenbar seitens der U-Bahn-Betreibenden Angst vor der überwältigenden Menschenmasse hatte. Hieß für uns: drei Stunden durch strömenden Regen ins Hotel zurückstampfen. Quel malheur.

Timo Benß: Als Pfälzer Dorfkind hat man jetzt nicht unbedingt wahnsinnig viel Auswahl, was Silvesterpartys angeht. Die Jugend feiert halt immer zusammen – da gibt’s keine Alternative. Und mit einem Haufen damals 16-jähriger Jungs konnte das auch schon mal ziemlich heiter werden. So fragten wir nach mehreren Schöfferhofer Grapefruit und Beck’s Ice (ja, das war ziemlich angesagt damals): “Was machen wir falsch, dass die Stimmung nicht so richtig zünden will?.” Die Antwort war schnell gefunden: Die Mädels feiern woanders. Eine von ihnen hatte sturmfreie Bude und lud sich ein Duzend Mitschülerinnen ein. Super Idee, fanden wir, wenn wir da nochmal unangemeldet vorbeischneien! Die freuen sich bestimmt! Nun ja, die Freude war auch anfangs (bis auf die der Gastgeberin) relativ groß. Das Ergebnis der spontanen Aktion aber: Merere kaputte Gläser, ein Wohnzimmer, das aussah, als hätte eine Bombe eingeschlagen und das Schlimmste: ein leerer Weinkeller der Eltern. Wie wir den entdeckt haben? Keine Ahnung, aber der 2004er Cabernet Sauvignon aus Bordeaux hat bestens gemundet.

Christian Rüger (zögerlich): Ich war meist zu betrunken, um mich noch an Einzelheiten erinnern zu können.