The Beat: Let Me See You Stripped!

Magic Mike XXL (foto: warner/Claudette Barius)

„Let me see you … Stripped down to the bone … Let me see you … Stripped down to the bone.“

– „Stripped“, Depeche Mode

„Das ist eine gute Überleitung“, sagte Verona Pooth, the artist formerly known as Verona Feldbusch, damals immer, wenn sie mehr ungelenk als gelenk eine Brücke zwischen zwei Beiträgen ihrer TV-Show „Peep!“ zu schlagen gedachte. Meistens war das dann aber gar keine gute Überleitung, das eine hatte mit dem anderen meist überhaupt nichts zu tun. „Das ist eine gute Überleitung“, könnte man auch zu unserem Eingangszitat aus dem Depeche-Mode-Song „Stripped“ sagen. Immerhin geht es ja in diesem Text um den Striptease in der Popkultur. Dumm nur, dass es in dem Song dann eher um einen Seelenstriptease denn um das erotische Entblättern vor Publikum geht, und das Ganze damit dann so doch eher zu einer poothfeldbusch’schen Überleitung abdriftet. Sei’s drum.

Um den Ursprung des Striptease zanken sich die Gelehrten. Was ja irgendwo an sich schon eine drollige Vorstellung ist. Viele führen den Striptease auf den angeblich antiken erotischen Schleiertanz der Salome zurück, die vor Herodes während ihres Tanzes sieben Schleier ablegte. Fakt ist aber, dass der Striptease in der Popkultur seit jeher und bis heute ein wiederkehrendes Element ist. Sei es in Musik, Film oder Literatur. Schon in den 1940er Jahren verkörperte Mary Martin in „Love Thy Neighbour“ eine Stripperin und legte zu Cole Porters „My Heart Belongs to Daddy“ ihren Pelzmantel ab. Im selben Jahrzehnt ließen dann noch Barbara Stanwyck („Lady of Burlesque“) und Rita Hayworth die Hüllen fallen. Hayworths Performance in „Gilda“, bei der eigentlich nur der Handschuh gelupft wird, gehört zu den historischen Momenten des Kinos. Manchmal ist weniger eben mehr. In „Salome“ (1953) musste sie denn auch gleich wieder ran.

In den Sechziger Jahren waren Stripperinnen dann auch vermehrt Gegenstand der Berichterstattung von Aufsehen erregenden Dokumentationen. Zu nennen wären da vor allem John Irvins „Carousella“ (1965) und Arnold L. Millers „Strip“ (1966), das die dunklen Seiten der Soho-Stripperinnen beleuchtet.

In den Achtziger Jahren eroberte das Striptease-Thema schließlich den Mainstream. Verantwortlich zeichnete hier wohl vor allem der Film „Flashdance“ aus dem Jahre 1983, der von der Arbeiterin Alexandra (Jennifer Beals) handelt, die nachts als exotische Tänzerin arbeitet und tagsüber als Schweißerin in der Stahlindustrie. Ein ikonischer Kino-Moment entstand auch, als sich Kim Basinger in „9 1/2 Wochen“ zu Joe Cockers „You Can Leave Your Hat On“ ihrer überflüssigen Textilien entledigte. „9 1/2 Wochen“ war sicherlich das „50 Shades of Grey“ der Achtziger Jahre.

In den 90ern gab es dann einige wenige mittelmäßige Stripperfilmchen. Demi Moores „Striptease“? So lala. Kultstatus genießt da maximal der freizügige Film „Showgirls“ mit Elizabeth Berkley. Sie spielte 1995 die Hauptrolle in dem Drama. Der Film erzählt die Geschichte der Vegas-Stripperin Nomi Malone, einer Ex-Prostituierten mit einer dunklen Vergangenheit. Obwohl der Streifen zunächst floppte, erspielte er sich über die Jahre ein treues Publikum. Mittlerweile gilt er als die NC-17-(keine Altersfreigabe unter 17 Jahren)-Produktion, die das meiste Geld eingespielt hat. Von Anfang an gut: das Video zu Metallicas „Turn the Page“ (1998), das Ginger Lynn als alleinerziehende Mutter zeigt, die sich zwangsweise als exotische Tänzerin verdingen muss.

In den Nuller Jahren erlangte dann mit Dita Von Teese mal ausnahmsweise eine echte Stripperin Promistatus – und keine Schauspielerin. Sie ist eine Vertreterin des New Burlesque, einer Form des erotisch-kunstvollen Tanzes, bei dem ebenfalls die Hüllen fallen.

Männliche Stripper sind in der Popkultur vergleichsweise unterrepräsentiert. Klar, es gab und gibt die berühmten Chippendales und „The Full Monty“ (1997) bezieht sich auch unverkennbar – wenn auch nicht direkt – auf die legendäre Tanztruppe. Aber ansonsten? Robbie Williams sorgte im Musikvideo zu „Rock DJ“ (2000) für Aufsehen. Darin versuchte er, einen weiblichen DJ zu beeindrucken, indem er sich im wahrsten Sinne des Wortes bis auf die Knochen auszog, sodass sich am Ende ein Skelett auf dem Dancefloor austobte.

Und dann? Kam Channing Tatum. Und der Rest ist Geschichte. Ah, das ist eine gute Überleitung zu: