The Beat: Diese Sache mit den Casting-Shows

Dieter Bohlen (Foto: wikimedia/AleXXw)

Warum bloß machen immer noch so viele junge Menschen bei Casting-Shows mit? Diese Frage trieb in diesen Tagen unseren Redakteur Benjamin Fiege um.

Es ist mir ein Rätsel, warum sich Menschen im Jahr 2016 immer noch freiwillig in Casting-Shows vorführen lassen. Mittlerweile müsste doch auch bis zum Allerletzten durchgedrungen sein, dass die Chance auf eine große, glanzvolle Karriere durch solche Formate nicht wirklich gegeben ist, sondern vielmehr die Gefahr besteht, sich vollkommen der Lächerlichkeit preiszugeben. Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ leben davon, die naiven Hoffnungen ihrer Kandidaten auszunutzen. Sie vor einem Millionenpublikum bloßzustellen und zu erniedrigen, das bringt Quote. Sicher, aus der eigenen Erniedrigung lässt sich von ganz Hartgesottenen auch mal Kapital schlagen. Das zeigt etwa das Beispiel von Menderes Bagci, der zwischen 2002 und 2014 in jeder DSDS-Staffel sein Glück versuchte und zum Running Gag der Show wurde. Mittlerweile tritt der Mann, längst öffentlich zum Freak abgestempelt, in Diskotheken in Deutschland und auf Mallorca auf – und kann davon dem Vernehmen nach ganz gut leben. Aber: So hart im Nehmen sind nur die wenigsten. Den meisten dürften die öffentliche Bloßstellung, die Häme und die Shitstorms im Internet doch tiefer unter die Haut gehen. Auch Yannik, der Carlsberger mit dem „Lewwerworscht“-Song (wir berichteten), von Dieter Bohlen als „Arschloch“ beschimpft, wird das jetzt erstmal ertragen müssen.

Daher mein Appell an alle jungen Musiker: Wer einen Funken musikalisches Talent besitzt – und das sollte man sich am besten auch außerhalb des Familien- und Freundeskreises bescheinigen lassen –, sollte derlei Shows lieber meiden – und stattdessen die Old-School-Methode versuchen: Such’ dir ein paar Musiker zusammen, gründe eine Band, geh’ raus, spiel’ live – und versuch’ dein Glück. Auf der Straße, in Clubs, auf Festen, wo auch immer. Meinetwegen auch: Lade Videos auf YouTube hoch.

Aber, um Himmels willen, lasst euch nicht von der vorgegaukelten Aussicht auf Ruhm blenden. Was einmal gesendet ist, bleibt haften. Dank des Internets, dank der sozialen Medien. Und wer möchte schon Zeit seines Lebens als Freak abgestempelt sein? Ein paar Klicks mehr auf der eigenen Facebook-Seite hin oder her. Das ist es doch nicht wert.