The Beat: Das Volk hat entschieden – Berlin wird gerockt!

Lorde beim Lollapalooza 2014 (foto: official/jack edinger)

Das Lollapalooza kommt nach Deutschland. Unser Hauptstadt-Autor Patrick Schneider ist begeistert – und erzählt uns, warum.

An einem Sonntag im März diesen Jahres meinte es das Wetter gut mit Berlin. Mollig warm war es, sonnig obendrein, und so zog es die Bewohner der Hauptstadt (mich inklusive) raus aus ihren Häusern und rein in ihren Central Park: das Tempelhofer Feld. Welches Gesprächsthema ist unumgänglich, wenn Musik liebende Menschen, gepaart mit einer Leidenschaft fürs Zelten, zusammenkommen und sich über ihre Sommerpläne unterhalten? Richtig! Die kommende Festivalsaison. Erfahrungen werden ausgetauscht, die aktuellen Line Ups besprochen, in Erinnerungen wird gebadet und die mal wieder viel zu hohen Kartenpreise werden kritisiert. An dieser Stelle gibt es nämlich immer mindestens einen, der schimpft: „Ich kann mich noch erinnern, als ich meine Karte drei Wochen vor dem Start kaufen konnte. Für die Hälfte des aktuellen Preises!“. Früher war halt mehr Lametta.

Im Rahmen dieser Fachsimpelei wurde schnell deutlich, dass jeder in der Runde  den Besuch einer Veranstaltung auf seiner persönlichen Bucket List hat: des Lollapalooza. Jenes Festival also,  das Perry Farrell 1991 erstmals organisierte, um seiner Band Jane’s Addiction einen würdigen Abschied zu bereiten. Das Ding hatte lange keinen festen Standort, sondern tourte durch diverse Städte in den USA und in Kanada.

Von Beginn an wollte sich das Lollapalooza keinen Stempel aufdrücken lassen und brachte daher Künstler aus verschiedenen Genres zusammen. „Lollapalooza ist der Ort, an dem aus Newcomern Legenden werden, und an den Legenden zurückkehren, um ihren Ruhm unter Beweis zu stellen“, beschrieb es Farrell dereinst treffend. Außerdem sollte es immer mehr sein als ein reines Musikspektakel, und so gab und gibt es neben der Mucke unter anderem auch Kunstausstellungen, Infostände zu politischen Nichtregierungsorganisationen oder, öhm, Darbietungen von Shaolin-Mönchen. Die Simpsons widmeten dem Lollapalooza sogar eine Folge („Homerpalooza“) – bekanntlich immer ein wichtiger popkultureller Gradmesser. Seit 2005 findet das Festival im Grant Park in Chicago statt. Nachdem das Lollapalooza 2011 zum ersten den Norden Amerikas verließ, um nach Chile zu expandieren, wurden erstmals Gerüchte laut, dass auch ein Ableger in Europa geplant sein könnte.

Die Sonnenanbeter am Tempelhofer Feld äußerten an diesem herrlichen Frühlingstag geschlossen den Wunsch, einmal Teil dieses großartigen Festivals zu sein. „…wenn es doch nur nicht so weit weg wäre. Was das kostet!!!“ An diesem Tag hatte es den Anschein, als würden wir auf einem dem Untergang geweihten Feld, da die Stadt plante, das Gelände zu bebauen, einer so fern erscheinenden Sache huldigen. Das Lollapalooza war unser Utopia.

Die Bürger Berlins kämpften aber für ihren Central Park und stimmten in einem Volksentscheid für den Erhalt des Felds. Sehr zur Freude der Gruppe. Und war der Jubel nach dieser Nachricht eh schon groß, gab es für die Euphorie im November kaum gebührende Worte: Das Lollapalooza findet 2015 tatsächlich auf dem Tempelhofer Feld in Berlin statt. Ironie des Schicksals irgendwie, Totgesagte leben eben doch länger und so geht’s vom Sterbebett noch mal eben auf die Tanzfläche beziehungsweise das Festivalgelände.

Die Nachricht freute jeden – bis auf den Kollegen Benjamin Fiege, der gern eine Reportage zu dem Thema gemacht hätte, hätte er nicht das schlechte Timing besessen, genau eine Woche vor Bekanntgabe dieser Sensation, dem Feld einen Besuch abzustatten. Tja, Künstlerpech. Dazu noch der olle Bahnstreik. Dumm gelaufen.

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Das Lollapalooza ist aber nicht die einzige Neuerung in der deutschen Festivallandschaft. Rock am Ring findet erstmals am Flughafen Mendig statt. Der bisherige Standort am Nürburgring präsentiert eine Woche vorher das Konkurrenz-Event Der Ring – Grüne Hölle Rock. Mönchengladbach, das sich ebenfalls um die Ausrichtung für Rock am Ring bewarb, bekam von Marek Lieberberg als Entschädigung ein Ersatzfestival zugesagt, das nach Analyse des Marktes nun aber erst 2016 stattfinden soll.

Wie ihr seht ist eine Menge los, doch keine Angst:

Bei uns findet Ihr alle Termine, die wichtigsten Infos sowie die neusten Entwicklungen zur Festivalsaison 2015.

Wir wünschen euch schon jetzt viel Spaß und vielleicht sieht man sich ja in Berlin. Als kleinen Anreiz der Lieblingsclip des verfassenden Autors: der Autritt von Cage the Elephant vom Lollapalooza 2011 in Chile.