The Beat (8): Zähmen Sie Sich! Animal Print ist wieder „in“

Stilsicher und modebewusst: ein Zebra. (Foto: Wikipedia/Rui Ornelas)

Stilsicher und modebewusst: ein Zebra. (Foto: Wikipedia/Rui Ornelas)

Einst gefeiert, dann als billig verschmäht, jetzt wieder da: Tiermuster sind derzeit groß in Mode. Vor allem bei Männern. Sie müssen ja im Großstadtdschungel leben. 
Es gibt diese Binsenweisheit, die besagt, dass manche Mode-Phänomene immer wiederkommen. Damit rechtfertigt man(n) ja auch immer wieder die seit den 1970er-Jahren im Schrank baumelnden Schlaghosen. Für keine Mode-Erscheinung trifft diese Aussage aber so zu wie auf die Tiermusterungen. Oder, wer’s mit etwas weniger Patina mag: Animal Print.

Im Großstadtdschungel ist das nämlich gerade wieder mächtig angesagt. Ob Zebra, Leopard, Krokodil oder Schlange, ob auf T-Shirts, Mänteln, Stiefeln, Kappen oder Taschen – alles ist möglich, alles ist erlaubt. Und das nicht nur bei Frauen. Von denen kennt man das ja, in freier Wildbahn. Von Diva Ava Gardner bis hin zu Peggy Bundy verfielen viele Frauen dem Charme dieser Motive und trugen sie mehr oder weniger elegant zur Schau.
Bei Männern hingegen war diese Form der Musterung in den vergangenen Jahren eher ungewöhnlich. Klar, in der Steinzeit trugen die Herren der Schöpfung mit stolzgeschwellter Brust Felle und Häute umher, die als Trophäe von der Stärke und Tapferkeit ihres Besitzers zeugten. Bevor man sich das Fell des Säbelzahntigers lässig über die Schultern werfen konnte, musste man ihn ja schließlich erst mal erlegen. Irgendwann wurde das Tragen von echtem Pelz aber moralisch fragwürdig, und so verschwanden die Muster aus der Männer-Mode. Man wollte ja auch nicht mehr aussehen wie Tarzan oder Fred Feuerstein. Maximal trug man als kleiner Bub Fix und Foxi, Donald Duck oder die Micky Maus auf dem Sweater, ansonsten kam man(n) mit dem Animal Print Zeit seines Lebens nicht mehr in Berührung.

In den Siebzigern wendete sich das Blatt dann langsam. Rolling Stone Keith Richards trug Leoparden-Print. Rod Stewart auch. Und Aerosmith-Sänger Steven Tyler sowieso, sogar in Pink. Schauspieler Burt Reynolds posierte für das Frauen-Magazin-Cosmopolitan als Gag auf einem Bären-Fell und stellte so die bereits in der Steinzeit erfolgreiche Mann/Pelz/Machismo-Verbindung wieder her. Im selben Jahrzehnt entdeckten schließlich die Männer in den Subkulturen den Animal Print. Allerdings nicht, um wie Reynolds mit ihrer Männlichkeit zu protzen, sondern um mit Geschlechter-Stereotypen zu brechen. Im Punk und Glam Rock war das ein ganz großes Ding. Zu jener Zeit verloren die Animal Prints schließlich die Aura des Luxuriösen. „Der Leo erhielt so eine völlig neue Bedeutung von sexueller Ambiguität, Unangepasstheit und wildem, freiem Leben. Das Muster selbst wurde farblich verfremdet und auf neue, eher leicht entflammbare Materialien gedruckt, bevorzugt wurden Latex oder Plastik“, schrieb Autorin Karolina Burbach in einem Beitrag für das Online-Magazin „Intro“ und nannte das die Demokratisierung des Tiermusters, die letztlich dazu geführt habe, dass eben dieses heute oft so billig erscheine. Auf den Mainstream wirkten die Tiermuster damals wiederum provozierend. Die Frage: „Dürfen Männer Tiermuster tragen?“ wurde das neue „Dürfen Männer pink/rosa tragen?“.

Mittlerweile scheint die Frage klar beantwortet zu sein: Ja, sie dürfen. Denn jetzt ist der Animal Print wieder da, überall, in Online-Shops, den Straßen, auf Laufstegen der großen Designer. Selbst Superstar Kanye West trägt derzeit stolz sein Leoparden-Jäckchen und fühlt sich seiner Männlichkeit trotzdem sicher.

Wie soll sich der Mann von Welt also verhalten? Den Trend vorbeiziehen lassen? Oder auf den Zug aufspringen? Trage ich nun die Zebra- oder die Pythonhose im Büro? Welcher Animal-Typ Sie sind, müssen Sie schon selbst herausfinden. Es gilt aber in jedem Fall die Maxime: Zähmen Sie sich! Weniger ist mehr. Ein Element im Tier-Look pro Outfit reicht vollkommen aus, der Rest besteht dann besser aus gedeckten Farben und schlichten Schnitten. Will heißen: den Leo nicht mit dem Zebra kombinieren. Denn da gilt wie in der freien Wildbahn auch: Das beißt sich.

Text: Benjamin Fiege

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