The Beat: 2015 wird ein Sci-Fi-Jahr

George Takei (Foto: Wikipedia/diane anna)

Es gab mal Zeiten, da machten die großen Filmstudios einen großen Bogen um ScienceFiction-Stoffe. Zu nerdig, zu trashig, pures Kassengift. Das hat sich geändert. 2015 wird kinotechnisch gesehen ein Sci-Fi-Jahr werden. Das hat viele Gründe.

Deutsche Nachrichtensprecher haben in letzter Zeit offenbar einen Hang zu theatralischer Symbolik entwickelt, wenn es darum geht, Nachrufe auf große Entertainer an- oder abzumoderieren. Als der Komiker Robin Williams („Mrs. Doubtfire“, „Good Will Hunting“, „Good Morning Vietnam“) im August 2014 starb, stieg Tagesthemen-Moderatorin Caren Miosga beispielsweise auf den Tisch, um an eine Szene Williams’ aus „Der Club der toten Dichter“ zu erinnern. Und vor Kurzem, zum Tod von Schauspieler Leonard Nimoy, ließen sich sowohl Miosga als auch ihr ZDF-Kollege Claus Kleber symbolisch zum von Nimoy berühmt gemachten vulkanischen Gruß hinreißen:
Live long and prosper – lebe lang und in Frieden.

Dabei ist der Tod des „Mister-Spock“-Darstellers aus der legendären „Star-Trek“-Reihe, die hier seinerzeit als „Raumschiff Enterprise“ bekannt war, keinesfalls symbolisch zu werten: ScienceFiction ist so vital wie eh und je.

Schon in den vergangenen Jahren dominierten an den Kinokassen Sci-Fi- und Comic-Verfilmungen. Und auch in diesem Jahr wird das so sein. Um nur mal die wichtigsten Streifen zu nennen: Der absolute Höhepunkt im Kinojahr 2015 ist auch sein Schlusspunkt: „Star Wars – das Erwachen der Macht – Episode VII“ soll spät, Mitte Dezember nämlich, in die deutschen Kinos kommen. Es wird der erste Film der Saga unter Walt-Disney-Banner sein. Wir erinnern uns: 2012 hatte es sich der Micky-Maus-Konzern mal eben rund vier Milliarden Euro kosten lassen, die 1971 von „Star-Wars“-Schöpfer George Lucas gegründete Lucasfilm mit all ihren Tochterunternehmen zu übernehmen. Lucas begründete den Schritt damit, dass er noch zu Lebzeiten eine angemessene Nachfolge einleiten wollte. Gut, vielleicht haben aber auch die vier Milliarden Euro eine entscheidende Rolle gespielt

Fakt ist: Disney hat auch die Entwürfe für die „Star-Wars“-Episoden VII bis IX erworben. Sie sollen zeitnah verfilmt werden. Für die dieses Jahr anlaufende Episode VII hat sich Disney die Dienste von Regisseur J. J. Abrams („Star Trek – Into Darkness“) gesichert. Die Erwartungshaltung der Fans ist groß. „Es ist, ohne Frage, eine starke und furchterregende Erwartung. Die Chance aber ist größer als die Angst, größer als das Risiko“, sagte Abrams zum Fernsehsender MTV. Zumal ja mächtig aufgefahren wird: Unterstützt wird der Regisseur von einer spektakulären Crew. Unter anderem werden Harrison Ford (Han Solo), Mark Hamill (Luke Skywalker) und Carrie Fisher (Leia) in ihre alten Rollen schlüpfen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass da die Kinokassen klingeln werden.

Es wird nicht das einzige Comeback eines Erfolgskonzepts sein, auf das sich Kinofans freuen dürfen. Denn: Auch die Dinos werden wieder von der Leine gelassen. Im Juni, um ganz präzise zu sein. In „Jurassic World“ wird die Vision, die in der „Jurassic-Park“-Trilogie aus den 90er-Jahren eine solche geblieben ist, nun endlich Realität: Der Dino-Vergnügungspark hat seine Pforten geöffnet. Als die Besucherzahlen jedoch sinken, wollen die Betreiber eine neue Urzeit-Attraktion installieren – was sich im Nachhinein als keine allzu gute Idee herausstellt. Die Hölle bricht auf der Insel los. Und mittendrin im Chaos: Chris Pratt („Guardians of the Galaxy“) und Bryce Dallas Howard („Spiderman 3“).

Apropos Dinos: Mit „Terminator Genisys“ kommt auch Arnold Schwarzenegger als T-800 auf die Leinwand zurück. „I’ll be back“ – er hatte es ja angedroht. Der Film soll im Juli in die Kinos kommen. Außerdem in den Startlöchern: eine „Mad-Max“-Fortsetzung (ohne Mel Gibson, wie es heißt) und mehrere „Avatar“-Fortsetzungen, allerdings erst ab 2016.

Das Jahr 2015 wird also wieder mal ein Sci-Fi-Jahr. Dabei gab es Zeiten, in denen die Filmstudios einen großen Bogen um solche Stoffe machten. Sci-Fi-Filme galten als uncool, als Nerd-Futter, als pures Kassengift. Nichts, was man dem Mainstream sorglos offerieren konnte, obwohl sich viele Blockbuster-Macher ja immer wieder aus der Trickkiste des Genres bedienten. Die Abneigung gegen diese Sparte ging sogar so weit, dass man Sci-Fi-Filme – wenn man sie denn überhaupt produzierte – nicht mehr als solche vermarktete, sondern sich andere Genre-Bezeichnungen ausdachte.

Warum hat also ein Sinneswandel bei den Filmstudios stattgefunden? Warum stößt man die Cyberpunk-Emos und die Trekkies mit ihren albernen Kostümen nicht mehr von sich, sondern umarmt und umgarnt sie? Das hat zum einen natürlich mit dem plötzlich positiv besetzten Nerd-Begriff zu tun (der Erfolgsserie „Big Bang Theory“ sei Dank). Der andere, weit wichtigere Grund ist aber viel unromantischer: Die Filmstudios haben einfach erkannt, dass man mit Sci-Fi doch ziemlich gutes Geld machen kann. „Guardians of the Galaxy“ spielte im vergangenen Jahr knapp 775 Millionen US-Dollar ein und reiht sich damit problemlos in die Serie erfolgreicher Marvel-Produktionen der vergangenen Jahre ein. Auch Michael Bays „Transformer“-Franchise oder James Camerons „Avatar“ haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie lukrativ ScienceFiction für Filmproduzenten sein kann.

Und warum sollte Sci-Fi auch nicht funktionieren? Ähnlich wie bei den verwandten Horror-Plots drücken ScienceFiction-Stoffe beim Konsumenten emotionale Knöpfe, berühren seine Urinstinkte und sind daher reizvoll. Die Neugierde einerseits, aber vor allem die Angst vor dem Fremden, vor der Zukunft der Menschen im Spiegel gegenwärtiger und künftiger Probleme, vor dem Bösen und vor der Technisierung sind die großen Themen. Das hat sich seit den Kindertagen des Genres nicht verändert.

Doof nur, dass auch die Filmstudios selbst offenbar von der Angst vor dem Neuen fest umklammert werden. Nur so erklärt es sich, dass dem Kinopublikum Aufguss um Aufguss präsentiert wird. Erfolgreiche Formate werden erbarmungslos zu Tode geritten. Es folgt Sequel um Sequel, also Fortsetzung um Fortsetzung. Und wenn das nicht mehr geht, kommt das Prequel, der Fortsetzungsfilm, dessen Handlung nicht nach, sondern vor den Ereignissen des älteren Films liegt. Das war bei „Planet der Affen“ so, bei den „Star-Wars“- und „Star-Trek“-Filmen. Und so wird es auch bei der „Avatar“-Reihe sein. Selten tut das den Stoffen langfristig gut. Es fehlt seitens der Filmindustrie die Risikobereitschaft, ihre Cashcows zu schlachten – und Neues zu wagen. In neue Sphären, unendliche Weiten vorzudringen. Dabei ist doch gerade das das Wesen von ScienceFiction.