The Beat (2): Du bist, was du hörst

Benjamin Fiege macht keinen Hehl daraus, wen er am liebsten hört. Die stereotype-fm-Ergebnisse dazu sind unbefriedigend ... (foto: privat)
Wer auf der Internetseite „stereotype.fm“ den Namen eines Künstlers eingibt, erfährt eine Menge über die Eigenschaften seiner Fans. 

Es lässt sich nur schwer leugnen: Die Musik, die man hört, verrät zwar nicht alles, aber doch viel über einen selbst. Beatles oder Stones? Klassik oder Pop? Hip-Hop oder Heavy Metal? East Coast oder West Coast? Ewige Fragen. Jede gesellschaftliche Strömung, jede Subkultur hat ihren eigenen Soundtrack. Getreu dem Motto: Zeig mir Deine iTunes-Mediathek und ich sage dir, wer du bist.

Manchmal fällt diese charakterliche Einordnung leicht, besonders, wenn es um extreme Musik geht. Wer im Plattenregal deutschen Rechts-Rock von Störkraft stehen hat, der lässt sich höchstwahrscheinlich auch in eben jenem Teil des politischen Spektrums verorten. Und wer vor allem zu Songs von Casting-Show-Gewinnern steil geht, der, nun ja, sagen wir es so: interessiert sich offenbar nicht für Musik.
Wenn es um nicht-radikale Genres geht, spielen bei der Einordnung Klischees eine ganz gewichtige Rolle. Anderes Beispiel? Jemand, der als harter Hund gelten möchte, würde seinen Kumpels kaum offenbaren, dass er gerne auch mal zu Justin Bieber und Blümchen durch die Wohnung tanzt.

Aber ist das so? Sind Männer, die den Bieber hören, automatisch Weicheier? Diese Frage beantwortet die Webseite „stereotype.fm“ zwar nicht, dafür eine Menge anderer. Wer dort im Suchfenster den Namen einer Band oder eines Sängers eingibt, der erfährt anhand von Statistiken einiges über die Fans der Künstler und deren Gemeinsamkeiten. Die Resultate sind überraschend, oft auch skurril.

86 Prozent der Anhänger von Nickelback etwa sollen Unterstützer der Todesstrafe sein. Oder hier, Katy Perry: Deren Fans finden offenbar die Idee, beim ersten Date gleich zu knutschen, total uncool. Das ist durchaus bemerkenswert, singt Katy Perry doch in ihrem großen Hit „I Kissed a Girl“ über dieses Phänomen und kommt darin zum Ergebnis: „…and I liked it“. Ganz anders und viel weniger prüde drauf sind da anscheinend die Hörer des englischen DJs Mark Ronson: Die lassen sich beim Liebesspiel gerne den Hintern versohlen (87 Prozent). Wer hingegen gerne Michael Bublé hört, hat laut der Webseite wahrscheinlich auch Angst vor Spinnen (73 Prozent). Und die Fans von „Weird Al“ Yankovic müssen sich unterstellen lassen, täglich zu masturbieren (62 Prozent) und dazu auch noch übergewichtig zu sein (42 Prozent). Misfits-Supporter bekommen von all dem Zinnober nichts mit. Glaubt man der Statistik, sind sie gerade betrunken.

Woher kommen all diese abgedrehten Annahmen? Entwickelt wurde die Seite von den Machern von „Tastebuds“. Das ist ein soziales Netzwerk, das Dating-Willige mit einem ähnlichem Musik-Geschmack zusammenführen möchte. Auf der „Tastebuds“-Webseite haben sie also Umfragen gemacht, Profile der Mitglieder ausgewertet – und sind so zu ihren Statistiken gekommen. Natürlich ist das wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen, sondern vielmehr eine nette Blödelei. Die auch die Künstler selbst offenbar mit Humor nehmen. Mark Ronson twitterte Ende Februar den Fun-Fact über seine Poklaps-affinen Fans, verbunden mit der Frage an seine Anhänger: „Ist das wahr? Bitte lasst es mich wissen.“
Text: Benjamin Fiege

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