The Afghan Whigs – In Spades

Afghan Whigs (foto: sub pop)

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8 Sub Pop

8

Auf „In Spades“, ihrer zweiten Platte nach ihrer Wiedervereinigung, liefern The Afghan Whigs streckenweise Unerwartetes ab.

The Afghan Whigs, 1986 gegründet, galten immer als die Grunge-Band mit dem meisten Soul. Als Lieblinge von MTV und der amerikanischen College-Radios. 2001 trennte sich die Band dann zum ersten Mal, weil sich die Mitglieder geografisch in alle Himmelsrichtungen verstreut hatten. Nach einem Kurz-Comeback 2006 folgte dann 2012 die ernsthafte Wiedervereinigung der früheren Grunge-Kappelle, die sich mittlerweile aber mehr dem düsteren Indie-Rock verschrieben hat. Dass sie es immer noch drauf hat, bewies die Gruppe um Mastermind Greg Dulli mit dem Comeback-Album „Do To The Beast“ (2014), das nicht nur von Kritikern gefeiert wurde.

Nun lässt die Band also die zweite Platte nach der Wiedervereinigung folgen.

„In Spades“ kommt natürlich gewohnt düster, mit der erwartbaren Noir-Ästhetik daher, ist aber zeitgleich für Afghan-Whigs-Verhältnisse sehr experimentell geraten, weil: streckenweise bombastisch arrangiert. Eine Nummer wie die Ballade „I Got Lost“ wäre im ersten Run der Combo wohl nicht möglich gewesen. Im Opener „Birdland“ ist gar ein Orchester zu hören. Groß aufgefahren wird auch im streicherlastigen „Oreole“. Ab und an wird die Finsternis sogar mal durch einen Lichtstrahl aufgebrochen, in diesem Fall durch das vergleichsweise optimistische, für Afghan-Whigs-Verhältnisse fast schon euphorische  „Toy Automatic“. Mit einem Lächeln im Gesicht kann man dann die dann herauf beschwörte Apokalpyse („Copernicus“) besser ertragen.

Sänger Greg Dulli geht mit überdies mit der gewohnten Leidenschaft zu Werke, legt Leib und Seele in die Songs, die er alle im Alleingang geschrieben hat.

Fazit: Die Gruppe gehört längst nicht zum alten Eisen.

Anspieltipps: Birdland, Oreole, Toy Automatic, Copernicus, I Got Lost

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