Terror in Paris: Ein Überblick

Le Bataclan (foto: wikimedia/céline)

Paris ist im Ausnahmezustand: Terroristen haben die französische Hauptstadt mit einer Kette von Anschlägen heimgesucht. Medienberichten zufolge beläuft sich die Zahl der Toten auf mehr als 150 Menschen. ISIS hat nun offiziell Verantwortung für den Anschlag übernommen. Alle acht bekannten Täter sind tot, sieben von ihnen sprengten sich selbst in die Luft. Die Ereignisse des schwarzen Freitags im Überblick.

Die Anschläge begannen – nach bisherigen Erkenntnissen – kurz nach 21 Uhr, und das an mindestens sechs Loctions.

Le Bataclan: In der angesagten, 1864 gebauten Konzerthalle im Stadtzentrum gab gerade die Heavy-Metal-Band Eagles of Death Metal ein ausverkauftes Konzert vor rund 1500 Zuschauern. Augenzeugenberichten zufolge stürmten Terroristen den Club, eröffneten – angeblich wortlos – das Feuer und nahmen die Konzertgäste als Geiseln. Die Polizei stürmte laut CNN die Location nach einer Weile. Wieviele Tote es hier letztlich gab, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Die Zahlen schwanken zwischen 70 und 100. Die Band selbst konnte sich in Sicherheit bringen, das bestätigte die Gruppe via Facebook. Die Frau von Schlagzeuger Julian Dorio sagte der „Washington Post“, dass ihr Mann sie angerufen und ihr versichert habe, dass er und die Band in Sicherheit seien. Vermisst würden aber noch Crew-Mitglieder. Laut Polizei sprengten sich drei der Angreifer mithilfe ihrer Sprengstoffgürtel in die Luft, ein vierter sei von der Polizei getötet worden. Angeblich habe es sich bei den Tätern um junge Männer gehandelt, die mit Maschinengewehren bewaffnet waren.

Stade de France: Hier wurde gerade das Freundschaftsländerspiel zwischen Frankreich und Deutschland ausgetragen. Im Laufe der ersten Hälfte waren drei Explosionen im Stadion zu hören, die erste etwa in der 16. Minute, von vielen noch fälschlicherweise als Böller-Zündung fehlinterpretiert. Das Spiel wurde ohne Unterbrechung zu Ende gespielt, Frankreich gewann 2:0, aber das interessierte an diesem Abend niemanden mehr. Nach Spielende mussten Teile des Publikums im Stadion ausharren, weil sich vor ihrer Tribüne offenbar der Anschlag ereignete. Mindestens vier Menschen starben bei den Anschlägen vor der Sportstätte, es gab es zahlreiche Verletzte. Eine der Explosionen wurde wohl durch einen Selbstmordattentäter verursacht. Unter den Zuschauern befand sich Frankreichs Präsident Hollande und Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Das DFB-Team ist in Sicherheit, verbrachte aus Sicherheitsgründen aber noch einige Stunden nach Abpfiff im Stadion und wurde letztlich in mehreren Kleinbussen aus selbigem gebracht. Der Mannschaftsbus war zu auffällig. Schon im Vorfeld des Spiels hatte es eine Bombendrohung gegeben, das Mannschaftshotel musste evakuiert werden.

Restaurants und Cafés: Überdies gab es in mehreren Cafés und Restaurants Anschläge. Die Angreifer setzten hier großkalibrige Waffen und Sprengstoffgürtel ein, es gab mehr als 30 Tote.

Als sich die furchtbare Nachricht verbreitete, wandte sich Präsident Hollande an die Öffentlichkeit. Seine Rede im Wortlaut:

 „Meine lieben Landsleute! Während ich hier spreche, finden Terrorangriffe von einem bisher nie dagewesenen Ausmaß im Großraum Paris statt. Es gibt Dutzende von Toten, es gibt viele Verletzte, es ist entsetzlich. Wir haben auf meine Entscheidung hin alle möglichen Kräfte mobilisiert, damit es zu einer Neutralisierung der Terroristen kommen kann und alle möglicherweise betroffenen Stadtviertel gesichert werden können.

Ich habe auch Verstärkung durch Einheiten der Armee angefordert. Sie sind derzeit im Großraum Paris, um sicherzustellen, dass es keinen weiteren Angriff geben kann. Und ich habe den Ministerrat einberufen, er wird in wenigen Minuten abgehalten. Zwei Entscheidungen werden dort getroffen werden: Der Ausnahmezustand wird erklärt. Das bedeutet, dass bestimmte Orte geschlossen werden, der Verkehr unterbunden werden kann und dass auch überall in der Region Ile-de-France Hausdurchsuchungen veranlasst werden können. Der Ausnahmezustand wird im gesamten Staatsgebiet verhängt.

Die zweite Entscheidung ist die Schließung der Grenzen. Wir müssen sicherstellen, dass niemand ins Land kommen kann, um irgendwelche Taten zu verüben. Und gleichzeitig sicherstellen, dass diejenigen, die leider diese Verbrechen begehen konnten, auch dingfest gemacht werden können, wenn sie das Staatsgebiet verlassen wollen.

Es ist eine furchtbare Prüfung, die uns erneut heimsucht. Wir wissen, von wo sie kommt – wer diese Verbrecher sind, wer diese Terroristen sind. Wir müssen auch in diesen so schwierigen Augenblicken Mitleid und Solidarität zeigen, und meine Gedanken sind bei den vielen Opfern, ihren Familien, bei den Verletzten.

Aber wir müssen auch unseren Zusammenhalt und unsere Beherrschung bewahren. Gegenüber dem Terror muss Frankreich stark sein, es muss groß sein. Und die staatlichen Behörden müssen standhaft sein, das werden wir auch sein.

Wir müssen an die Verantwortlichkeit aller appellieren. Was die Terroristen wollen, ist uns Angst zu machen – dass uns das Entsetzen befällt. Man kann tatsächlich Angst haben, Entsetzen haben. Aber gegenüber dem Entsetzen gibt es eine Nation, die sich zu verteidigen weiß, die ihre Kräfte mobilisieren kann, und die einmal mehr die Terroristen besiegen wird.

Französinnen, Franzosen, wir haben die Einsätze noch nicht abgeschlossen. Es gibt noch einige, die äußerst schwierig sind. In diesem Moment stürmen die Sicherheitskräfte einen Ort in Paris. Ich bitte sie, weiter darauf zu vertrauen, was wir mit den Sicherheitskräften tun können, um unsere Nation vor Terrorakten zu bewahren. Es lebe die Republik, es lebe Frankreich.“

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