Stephen King & Richard Chizmar – Gwendys Wunschkasten

"Gwendys Wunschkasten" von Stephen King (foto: heyne)

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7 Heyne

7

Mit „Gwendys Wunschkasten“ ist bei Heyne gerade eine neue Stephen-King-Novelle erschienen. Dabei handelt es sich um eine seltene Kollaboration des Horror-Altmeisters, der erst vor kurzem seinen 70. Geburtstag feierte, und die der Frage nachgeht, was eigentlich passieren könnte, wenn das Schicksal der Welt in den Händen eines Kindes liegen würde. Fast so wie bei Donald Trump, wie King ebenso spitzbübisch wie besorgt in einem Interview mit „Cemetary Dance Publications“ anmerkt.

Gwendy ist ein Brille tragendes, dickliches junges Mädchen, das in der Schule gehänselt wird. Weil sie die Schmähungen nicht mehr ertragen kann, nutzt sie die Sommerferien, um sich in Form zu bringen und joggt die sogenannte Selbstmordtreppe hoch und runter, die so heißt, weil sich in der Vergangenheit bereits die eine oder andere unglückliche Seele von ihr heruntergestürzt hat.

Eines Tages begegnet sie auf ihrer Strecke einem geheimnisvollen Fremden, der sich ihr als Richard Farris vorstellt. Der mysteriöse Mann, der unheimlich viel über sie zu wissen weiß, drückt ihr einen noch mysteriöseren Kasten in die Hand, der mit vielen wunderlichen Hebeln und Knöpfen daherkommt. Und das Ding hat es in sich: Bedient Gwendy die richtigen Schalter, dann gehen ihre geheimsten Wünsche in Erfüllung. Drückt sie aber einen der verbotenen Knöpfe, dann droht großes Unheil …

Stephen King ist trotz seines fortgeschrittenen Alters keiner, der normalerweise beim Schreiben auf fremde Hilfe angewiesen ist. Und so hielten sich in der Vergangenheit Kooperationen mit anderen Autoren auch in Grenzen. Mit Peter Straub machte King mal gemeinsame Sache, mit Stewart O’Nan – und mit seinen Söhnen. Das war’s dann auch schon. Und so kann man „Gwendys Wunschkasten“ durchaus als eine Ausnahme betrachten. Hier war es wohl so, dass dem guten Stephen tatsächlich irgendwann die Ideen ausgegangen sind, wie er die Geschichte um die plötzlich mit jeder Menge Macht ausgestatteten Schülerin weiter vorantreiben könnte. Und so zeigte er sie einem Freund: Richard Chizmar, Verleger von Cemetary Dance Publications und selbst Autor von Kurzgeschichten. Der half ihm schließlich, das Werk zu vollenden.

Es ist ein Schauer-Märchen von Macht und Verantwortung, von Gelegenheit und Schuld, das King und Chizmar mit „Gwendys Wunschkasten“ erzählen. Eine kurze Novelle, die ihren Schauer vor allem durch das fortwährend unterschwellig drohende Unheil zieht und weniger durch gruselige Ereignisse. Der Horror, der Thrill, sie entstehen vor allem im Kopf des Lesers. Und der wird sich freuen, mal wieder ins fiktive Castle Rock mitgenommen zu werden, jener legendären fiktiven Stadt in Maine, die in der Vergangenheit immer wieder Kulisse für einige der besten King-Werke gewesen ist und die 1990 in „Needful Things“ dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Die deutsche Übersetzung kam recht schnell nach Veröffentlichung des Originals daher, und ja, stilistisch ist das hier nicht allererste Sahne. Ab und an holpert das Ganze ein wenig, wirkt sehr hektisch erzählt – und an der einen oder anderen Stelle finden sich auch Flüchtigkeitsfehler. Vom Lesevergnügen nimmt das aber nicht allzu viel weg. Es bleibt eine unterhaltsame, zum Nachdenken anregende Geschichte.

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Fazit: Macht nachdenklich.

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