Room for a Memory: Michael Hutchence

Das Soloalbum, auf dem auch der Track mit Bono Vox zu hören ist.

Es muss ein tragischer Moment des Einsamkeit gewesen sein. Ein schwacher Augenblick einer sonst so starken Persönlichkeit. Am 22. November 1997 nahm sich INXS-Frontmann Michael Hutchence das Leben. Ein Tod, der Rätsel aufgab.

„Wenn Stars sich umbringen, finden die Leute das okay. Dann haben sie was zu lesen. Ich hoffe, daß nicht ich es eines Tages bin,der für solche Schlagzeilen sorgt.“ (Michael Hutchence)

Michael Hutchence war die Blaupause eines Frauenschwarms. Ein dunkel gelockter Dandy mit wilder Geste, der aber ebenso anmutig und zärtlich, ja, fast kumpelhaft wirken konnte. Ein Sex-Symbol. Kylie Minogue und Helena Christensen erlagen dem Charme des protoypischen Kosmopoliten. Eingefangen (nicht gezähmt) hat ihn aber letztlich die britische Moderatorin und Punk-Prinzessin Paula Yates, die ihm auch Töchterchen Heavenly Hiraani Tiger Lilly gebar.

Yates zuliebe hatte der Australier, der mit seiner Band in den Achtzigern und Neunzigern große Erfolge (must-hear: das Kick-Album!) feierte, seinen Lebensmittelpunkt (der ansonsten wahlweise in Sydney, Hongkong oder Paris lag) nach London verlegt.

In England war das Leben dem Paar aber zur Hölle geworden. Die berüchtigte britische Boulevard-Presse hatte sich  auf das schillernde Pärchen eingeschossen. Auch, weil die Tatsache, dass Yates zuvor mit Pop-Guru Bob Geldof zusammen war und auch mit ihm eine Tochter hatte, immer genügend Stoff lieferte, um die Klatschseiten zu füllen: Paula Yates wurde zur Rabenmutter, zur hysterischen Furie stilisiert, ihr und Hutchence wurde ein ausschweifender, exzessiver Lebensstil unterstellt.

In Australien sollte alles anders werden. Hier wollte das Paar eine neue Heimat finden. Doch als Hutchence erfuhr, dass ein Sorgerechtsstreit zwischen Yates und Geldof die Pläne der beiden vorerst zunichte machte, zerbrach die fragile Seele des Sängers.

Was danach geschah, ist heute immer noch umstritten: Brachte sich der INXS-Frontmann absichtlich um? Oder war sein Tod in Zimmer 524 des Ritz-Carlton-Hotels in Sydney ein tragischer Unfall? Ein missglücktes Sex-Spielchen?

Fakt ist: Hutchence hinterließ Frau (die im Jahr 2000 selbst an einer Überdosis sterben sollte) und Kind, einen beeindruckenden musikalischen Katalog, eine Band ohne Gesicht (die für kurze Zeit ein neues im Jahr 2005 durch eine Casting-Show finden sollte) – und Freunde, die ihre Trauer in Songs zum Ausdruck brachten: Nick Cave und Bono Vox.

 I just wanna slide away and come alive again. I just wanna slide away and come alive again.

Auf dieser Seite hat er es geschafft.

R.I.P. Michael Hutchence.