Robert Plant – Carry Fire

Robert Plant - Carry Fire (foto: warner music)

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Der eine oder andere hatte sich schon Hoffnung auf ein Led-Zeppelin-Reunion gemacht, als Robert Plant zu Beginn des Jahres begann, geheimnisvolle Botschaften in die Welt zu blasen. Am Ende gab’s kein Comeback der Hard-Rock-Götter, sondern ein neues Solo-Album. „Carry Fire“ ist soeben erschienen.

Wobei: „Hard Rock“ ja schon als Kategorisierung eine kleine Beleidigung für die britische Kapelle ist, die sich ja auch durch ihre Experimentierfreude und ihre Innovationskraft einen Namen gemacht hat. Sie verband Hard Rock mit Elementen aus Blues Rock, Folk, Heavy Metal (den es damals ja eigentlich noch gar nicht gab) und Prog Rock. Mit dem Tod ihres Drummers John Bonham im Jahr 1980 löste sich die Band auf, zu einem richtigen, dauerhaften Comeback sollte es nie mehr kommen, auch wenn es hier und da noch gemeinsame Auftritte zu speziellen Anlässen gab. Wäre Bonham noch am leben, wer weiß, vielleicht wären die Stones heute nicht die einzigen Rock-Dinos, die mit schöner Regelmäßigkeit aller Querelen zum Trotz die großen Stadien füllen.

Wie dem auch sei: Page schlug nach der Auflösung Led Zeppelins eine erfolgreiche Solo-Karriere ein, in der er sich ebenso – wenn nicht gar noch mehr – experimentierfreudig wie zu Led-Zep-Zeiten zeigte und mit mehreren Genres flirtete. „Carry Fire“ ist nun Solo-Album Nummer elf und wie bei den jüngsten Vorgängern setzt der gute Robert auf The Sensational Space Shifters als Begleitband. Das Konzept: Folk und Blues-Rock mit weltmusikalischen Elementen zu verbinden. So kommen neben der klassischen Rock-Instrumentierung auch häufig Instrumente wie Oud, Djembe und Bendir zum Einsatz.

Klar, inhaltlich geht es natürlich einerseits um klassische Themen wie Liebe und Abschied (wie etwa im wunderbaren Opener „The May Queen“) nehmen, aber Plant nimmt sich dann und wann auch die Freiheit, politische Aussagen zu treffen: „Carving Up The World Again … a wall and not a fence“ ist Plants gelungene Antwort auf Trump-Amerika und den Brexit, im fast schon vergleichsweise altmodisch rockigen „New World“ verhandelt er die Unterwerfung des nordamerikanischen Kontinents und der indianischen Kultur durch die ersten europäischen Siedler.

Und eine Überraschung hält der gute Robert auch noch parat: eine geniale, fast schon Industrial-mäßige Cover-Version von „Bluebirds Over The Mountain“ (im Original von Ersel Hickey aus dem Jahr 1958, später unter anderem von den Beach Boys interpretiert), bei der ihm dann auch noch Chrissie Hynde von den Pretenders zur Hand geht. Zwei Legenden unter sich – kann man mal machen. Vor allem so.

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Fazit: Würdiges Alterswerk.

Anspieltipps: The May Queen, New World …, Season’s Song, Bluebirds Over The Mountain

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