Ride – Weather Diaries

Ride (foto: label)

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7 Wichita

7

Nach mehr als 20 Jahren melden sich Ride mit einem neuen Studio-Album zurück. “Weather Diaries” ist auf Wichita erschienen.

Ein bisschen überraschend ist es ja schon: Shoegaze starb Mitte der neunziger Jahre einen von der breiten Öffentlichkeit recht unbeachteten Tod. Selbst die großen Bands des Genres verkauften nicht wahnsinnig viele Platten. Und jetzt, knapp 20 Jahre später, legen zwei Shoegaze-Galionsfiguren wie aus dem Nichts Comeback-Alben vor. Nach Slowdive nun also Ride – mit ihrem ersten Album nach 21 Jahren Veröffentlichungspause.

Wir erinnern uns: Mit den beiden Alben „Nowhere“ und „Going Blank Again“ hatte die Band zu Beginn der neunziger Jahre zwei Shoegaze-Klassiker erschaffen. Songs wie „Vapour Trail“ und „Leave Them All Behind“ gehören zweifellos zu den Perlen des Genres.  Nach den beiden Platten ging es bergab, die Band war heillos zerstritten. Dann kam der Britpop und für Ride interessierte sich niemand mehr. 2014 reformierte sich das Quartett – Andy Bell, Mark Gardener, Laurence Colbert und Steve Queralt – und kehrte auf die Bühne zurück. Das war auch möglich geworden, weil Ex-Oasis-Frontmann Liam Gallagher seine Band Beady Eye gerade aufgelöst hatte, zu der auch Andy Bell gehörte. Nach guter Resonanz fanden sich Ride 2016 dann im The Vale Studio in Worcestershire wieder, um neue Musik aufzunehmen.

Ein gutes Jahr später ist nun das Ergebnis da: „Weather Diaries“ heißt der neue Longplayer – und er klingt recht überraschend. Während Slowdive eben klangen wie Slowdive (nur etwas crisper produziert), scheint es, als hätten Ride sich musikalisch etwas mehr geöffnet und ihren Horizont erweitert. Daran ist vielleicht auch Produzent Erol Alkan schuld, der den Sound der Gruppe poliert hat und ihr etwas mehr Sinn für Melodien mitgegeben hat. Das Album changiert jetzt zwischen straightem Garage Rock („Lateral Alice“), Ambient („Integration Tape“) und sogar Prog („Charm Assault“). Die Band zeigt sich dabei gut in Form, glänzt am Ende aber dann doch vor allem bei den beiden Nummern, die noch am ehesten an ihre alten Shoegaze-Tage erinnern: „Lannoy Point“ (mit wunderbaren The-Cure-Gitarren), „Cali“ und „White Sands“.

Stinker gibt es auf „Weather Diaries“ nur wenige.  „Home Is A Feeling“, das irgendwie an Donovans „Atlantis“ erinnert, und „All I Want“ mit den wirren Sprach-Samples hätte es am wenigsten gebraucht. Zwei Ausfälle, die bei einem so starken Album aber verkraftbar erscheinen.

Fun fact: Gemischt wurde das Album übrigens von Alan Moulder (Arctic Monkeys, Smashing Pumpkins, The Killers) gemischt, der den Job schon beim bahnbrechenden “Nowhere” (1990) übernommen hatte, und den Nachfolger “Going Blank Again” (1992) produzierte.

Fazit: Starkes Comeback.

Anspieltipps: Lannoy Point, Cali, White Sands

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